Wilhelmshaven - „Musik in d’ Lüchterkark“ wollten sie bringen und das taten Laway und La Kejoca in der Christus- und Garnisonkirche auf solch großartige Weise, dass es das Publikum zum Schluss zu Ovationen im Stehen von den Sitzen riss. Dazu war die sehr gut besuchte Kirche nur im Altarraum mit den sieben Musikern stimmungsvoll beleuchtet, als mit „De Winter is een unweert Gast“ die Lüchterkark-Ouvertüre gleich für den ersten Gänsehauteffekt sorgte.

Mit wenigen Worten ging Laway-Urgestein Gerd Brandt nach seinem Lied „Lüchtertied“ dann auf den wunderbaren Start der diesjährigen Lüchterkark-Tournee ein, die nun Wilhelmshaven und Friesland erreicht habe und noch bis Februar 2024 weitergeht. Und gemäß dem Programmmotto „Folk meets Classic“ standen nun die einstigen Studienfreunde von La Kejoca mit Klassischem im Mittelpunkt. Da folgte nach Keno Brandts Lied „Thus saith the Lord“ mit sonorem Bass der souveräne Mezzosopran von Carmen Bangert mit „But who may abide“, ebenfalls aus Händels „Messiah“, nun ein außergewöhnliches Klangerlebnis. Jeder kennt Antonio Vivaldis Violinkonzert „Die Vier Jahreszeiten“ - aber bestimmt nicht so: Carmen Bangert spielte dazu einmal mehr die Drehleier, Fernando Oliva fügte filigrane Töne auf der großen Laute hinzu und Keno Brandt unterlegte das Ganze mit Rhythmus vom Kontrabass. Da spielte dann nur Jonas Rölleke die gewohnte Führungsmelodie auf der Violine.

Auch diese Lüchterkark-Tournee hat wieder ihre englischen Carols zum Advent aus verschiedenen Zeiten, diesmal unter dem Titel „Christmas-Medley 2023“. Aber auch Aktuelles fand seinen Platz. Da erinnerte Gerd Brandt mit einem Lied an die großen Auswandererströme nach Amerika, wo ab 1892 Ellis Island vor New York zur „Isle of Hope“ (Insel der Hoffnung) wurde. Später ging Sohn Keno noch aktueller auf das schlimme Jahr 2023 mit seinen besonders vielen Opfern in Kriegen ein. Dazu sang Carmen Bangert „When I am laid“, die von Trauer getragene Schlussarie von Henry Purcells Oper „Dido & Aeneas“.

Für eher Fröhliches sorgte dagegen Albertus Akkermann, der singende Wattführer von Borkum, mit seinem Akkordeon und dem Shanty über das Licht von Bethlehem, das sich die Insulaner lieber selbst holen. Ganz und gar weihnachtlich wurde es mit „Es ist ein Ros entsprungen“ in der plattdeutschen Version von Wilhelmine Siefken (1890-1984) und „Marias Weegenlied“, mit dem Carmen Bangert anrührte. In einem weiteren von vielen Höhepunkten erinnerte Albertus Akkermann dann an die schlimme Weihnachtsflut von 1717. Ein bewegendes Lied über Menschen und Kühe in der stundenlangen bangen Zuflucht in der Kirche und bewegend dargebracht auf der Melodie von Leonard Cohens „Halleluja“.

Es war an Keno Brandt, als Bassist nach zwei Stunden das Finale mit Franz Schuberts „Der Leiermann“ einzuleiten, natürlich kongenial unterlegt mit Carmen Bangert an der Drehleier und anrührend mit der Violine begleitet. Bis das Lied in „Flambeau up dree Shippen“, eine schöne alte Weise, überging, die noch einmal allen Stimmen und Instrumenten Gelegenheit gab zu glänzen. Da sprang zum letzten Ton das gesamte Publikum von den Sitzen zu begeistertem Beifall und das Ensemble bedankte sich selbstverständlich angemessen mit flotten Klängen. Bis die Musiker nach dem plattdeutschen Segen durch Pastor Bernhard Busemann mit dem Lied „Helle Morgensteerns“, a-capella gesungen, von dannen zogen.