Wilhelmshaven - Karla Alexnat, geborene Heinzow, die heute 95 Jahre alt wird, denkt gern an ihren Traumgarten zurück, alles selbst angelegt, sogar Treppe und Hütte hatte sie selbst gebaut, wie die Jubilarin erzählt. Geblieben sind ihr davon wunderschöne Blumenbilder, wohl mehrere hundert, aus denen sie 1994 das Buch „Ein Frühlingstraum“ erschuf.
Karla Alexnat kam in Cuxhaven zur Welt und wuchs mit zwei Schwestern auf. Dass sie einmal Organistin würde, zeigte sich schon mit fünf Jahren. „Ich habe stundenlang auf meinen Bauklötzen in der Schublade meines Tischchens gespielt und dazu gesungen“, denkt die Jubilarin zurück. Als die Siebenjährige zu klein war, um im Kinderchor zu singen, und weinte, nahm die Organistin sie persönlich auf und ließ die kleine Karla „Jetzt fängt das schöne Frühjahr an“ vorsingen. Später leitete die Jubilarin selbst Chöre.
Als Alexnat während des Krieges in einem Müttererholungsheim bei Munster Minen aufbereiten sollte, sorgte ihre Mutter dafür, dass sie ihre Hände schonte, schließlich wollte sie Musikerin werden. Die Jubilarin bekam daraufhin Arbeit in Entbindungsheim und Küche. „Für mich gab es nur zwei Berufe, Organistin oder Krankenschwester“, stellt Alexnat klar. Sie spielte zu Gottesdiensten in Cuxhaven-Döse und bat sogar Organist Gerhard Gregor, auf der sechsmanualigen Funkorgel des Nordwestdeutschen Rundfunks spielen zu dürfen.
Als jedoch die Währungsreform nach einem Semester Kirchenmusik das Familienvermögen aufzehrte, verbot ihre Mutter eine Bewerbung als Krankenschwester. Bis die Jubilarin 21 Jahre alt war, arbeitete sie im Büro der Lubeca Fischdosenfabrik.
Doch Rechnungen schreiben und telefonieren war nichts für die junge Frau. Auf die Bewerbungen bei mehreren Krankenhäusern telegrafierte Sanderbusch „Kommen Sie sofort!“. Alexnat packte ihre Koffer, ohne ihrer Mutter Bescheid zu sagen. Vor ein paar Monaten erinnerte sich ihre Schwester, dass ihre Mutter doch sehr stolz war, dass ihre Tochter Krankenschwester wurde.
Sie lernte ihren künftigen Ehemann Jürgen, einen Königsberger, kennen. Er war Lehrlingsausbilder bei den Olympia-Werken. Sein Lebenswerk war die Mechatronikerausbildung, sagt die Jubilarin, die ein Buch über ihren Ehemann schrieb und leider seit 30 Jahren Witwe ist.
Doch da Alexnat als Mutterhausschwester nicht hätte heiraten dürfen, kündigte sie in Sanderbusch. Die Jubilarin arbeitete als Sprechstundenhilfe, übernahm Urlaubsvertretungen, war fast ein Jahr im St. Willehad-Hospital und 1976/77 im Reinhard-Nieter-Krankenhaus tätig. „Da sollten es vier bis sechs Wochen sein, aber sie nahmen mich in den Plan auf“ denkt die Jubilarin zurück. Im Pauline-Ahlsdorff-Haus, wo sie Gottesdienste und Weihnachtsfeiern an der Heimorgel begleitete, war Karla Alexnat von 1977 bis 1982 tätig. Wegen Rückenproblemen sattelte sie auf Gesundheitstrainerin um, studierte drei Jahre lang an der Universität Gießen, wo ihre Gruppe für 350 Konferenzteilnehmer kochte und damit sogar ins Fernsehen kam.
Bis zum 74. Lebensjahr gab Karla Alexnat Kurse für gesunde Ernährung, Kochen und Backen in enger Zusammenarbeit mit Elternschule und Berufsschulen.
Bis zur Coronazeit sang sie im Chor. Heute freut sie sich über Kontakte zu ihren drei Kindern, fünf Enkeln und fünf Urenkeln.
