Wilhelmshaven - Schlechte Nachrichten von der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven: Die Zahl der Arbeitslosen steigt weiter und hat am Monatsende glatte 12 Prozent erreicht, eine Größenordnung, die es so lange nicht gegeben hat. Nimmt man nur die Anzahl derer, die staatliche Transferleistungen wie Bürgergeld erhalten, liegt die Quote bei genau 9 Prozent, ebenfalls ein negativer Spitzenwert. Damit fällt fast jede elfte Erwerbsperson in den dazugehörigen Rechtsbereich des SGB II.
In beiden Quoten weist Wilhelmshaven schon seit Jahren die schlechtesten Werte innerhalb des Agenturbezirkes aus. Mit den Entwicklungen im Januar allerdings hat sich der Abstand zu den anderen Geschäftsstellen noch einmal vergrößert. Zum Vergleich: In Delmenhorst − die Geschäftsstelle belegt regelmäßig den vorletzten Platz − stieg die Arbeitslosigkeit bis Ende Januar auf 8,7 Prozent und lag damit sogar noch 0,3 Prozentpunkte unter der Quote, die in Wilhelmshaven allein in den SGB II-Bereich entfallen.
Von den 4591 Ende Januar in Wilhelmshaven gemeldeten Arbeitslosen sind 3437 in genau diesem Rechtsbereich aufgelistet und damit Bezieher von staatlichen Transferleistungen, in erster Linie Bürgergeld. Das entspricht einem Anteil knapp 75 Prozent. Nicht alle gehören dabei zu den Langzeitarbeitslosen, sind also seit mindestens 18 Monaten ohne sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Aber 1766 befinden sich genau in dieser Gruppe, was einem Anteil von 38,5 Prozent an der Gesamtzahl der Arbeitslosen ausmacht.
Einen spezifischen Grund, warum sich gerade in Wilhelmshaven die Zahlen nochmals so deutlich verschlechtert haben, gibt es laut Auskunft der Arbeitsagentur nicht. Negative Entwicklungen seien auch in allen anderen Geschäftsstellenbezirken zu verzeichnen. Das habe zum einen saisonale Gründe, weil in den Wintermonaten in vielen witterungsabhängigen Berufen Kündigungen ausgesprochen werden, sagt Dr. Thorsten Müller, Leiter der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven. Dazu komme das Auslaufen vieler Verträge zum Jahresende und der Abschluss der dreieinhalbjährigen Ausbildungen. Verstärkt werde dieser typische Trend aber noch durch eine allgemeine Konjunkturschwäche.
Auch der Zuzug ukrainischer Flüchtlinge, die direkt in den Bürgergeld-Bezug fallen, habe sich im Januar nicht signifikant verändert und die Quote überproportional verschlechtert. Umgekehrt setzt allerdings bei dieser Zielgruppe der sogenannte „Job-Turbo“ an, der zur rascheren Arbeitsmarktintegration der Geflüchteten durch engere Betreuung und gezieltere Vermittlung führen soll. Dazu werde es im Jobcenter Wilhelmshaven allein an diesem Freitag zwei große Maßnahmen mit über 70 Teilnehmern geben.
