Wilhelmshaven - „Stell dir vor, es brennt und keiner kommt“ – mit diesem Slogan warnen Feuerwehren in ganz Deutschland vor dem Nachwuchsmangel. Ein solches Szenario liegt in Wilhelmshaven in weiter Ferne, aber dennoch brauchen auch hier die Feuerwehren deutlich mehr Leute, wie Josef Schun, Chef der Berufsfeuerwehr, und Stadtbrandmeister Michael Feist am Samstag mahnten. In ihrem Jahresbericht mit dem der Tag der offenen Tür in der Feuer- und Rettungswache 2 in F’Groden begann, warfen sie den Blick auf die enorme Zahl von Einsätzen im vergangenen Jahr: Die Feuerwehren mussten innerhalb eines Jahres zu 600 Bränden, 1700 Hilfeleistungen und 19000 Einsätze des Rettungsdienstes ausrücken.
Doppelt so viele Einsätze wie zumutbar
Nicht nur für die Hauptamtlichen Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr bedeutet das eine hohe Belastung, sondern insbesondere auch für die Ehrenamtlichen bei den Freiwilligen Feuerwehren, die den wichtigen Job neben ihrer eigentlichen Arbeit erledigen. „80 bis 100 Einsätze im Jahr ist die Grenze des Vertretbaren für die Ehrenamtlichen“, sagte Schun um danach darzustellen, dass diese Grenze im vergangenen Jahr teils deutlich überschritten wurde. Bei der Feuerwehr Bant-Heppens musste jede Kollegin und jeder Kollege im Schnitt zu 160 Einsätzen. Insbesondere die Brandserie in Bant im Oktober des vergangenen Jahres war für die Einsatzkräfte sehr belastend, sagte Michael Feist. „Es gab über Wochen praktisch täglich Einsätze in den Abendstunden. Man wusste nach dem Abendbrot, dass gleich sicher wieder der Melder rappelt“, so Feist. „Wir waren sehr erlöst, als der Tatverdächtige dann irgendwann geschnappt wurde.“ Feist sagte, dass die Situation zu viel und eigentlich nicht zumutbar war.
Auch Arbeitgeber in der Pflicht
Deswegen wirbt die Feuerwehr um weitere Kräfte. Feist appellierte dabei auch an Arbeitgeber in der Stadt und der Region, ihre Mitarbeiter zu den Einsätzen zu lassen und ihnen das Ehrenamt in der Freiwilligen Feuerwehr parallel zum Job zu ermöglichen. Früher hätte sich die Feuerwehr keine Sorgen um Nachwuchs machen müssen, weil viele Wehrdienstverweigerer stattdessen Brände bekämpfen wollten. Nach dem Wegfall der Wehrpflicht gab es allerdings einen deutlichen Einbruch. Immerhin: In Wilhelmshaven gibt es neben rund 170 Kameradinnen und Kameraden bei der Berufsfeuerwehr auch 250 Ehrenamtliche. Es dürfen aber gerne mehr werden.
Der Tag der offenen Tür sollte deshalb auch dazu dienen, Menschen in der Stadt für das Ehrenamt zu begeistern. Es gehe darum, zu zeigen, was die Feuerwehr kann und Erwachsene aber auch Kinder von der Feuerwehr zu begeistern. Und dafür wurde rund um die Feuer- und Rettungswache 2 in F’Groden richtig viel aufgefahren.
