Wirtschaftsförderer müssen heute auch die Kunst des Minimalismus’ beherrschen: Mit schmalen öffentlichen Budgets möglichst große Effektivität erzielen.
Von Ulrich Müller-HeinckWilhelmshaven
Der Allgemeine Wirtschaftsverband Wilhelmshaven-Friesland (AWV) lud am Dienstagabend Partner aus der Wirtschaftsförderung nicht nur zum deftigen Grünkohlessen – im „Nautilus“ schaute man auch weit über den Tellerrand hinaus. In diesem Fall geographisch bis in die Wesermarsch, inhaltlich bis in drängende soziale Problemstellungen unserer Zeit.AWV-Präsident Martin Steinbrecher hatte dazu neben dem Referenten Jörg Wilke als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wesermarsch auch Oberbürgermeister Eberhard Menzel und Frieslands Landrat Sven Ambrosy als die obersten Wirtschaftsförderer ihrer Gebietskörperschaften begrüßt.
Gemeinsames Dach
Wilke entführte in den „Mikrokosmos Wesermarsch“, der seinen Weg unter den ganz speziellen Marketingbegriff „AeroMare“ gestellt habe. Zukunftstechnologien aus Luftfahrt, Windkraft und dem maritimen Bereich prägen Nordenham, Lemwerder, Brake und Elsfleth, das mit seiner Ausbildung in Nautik und Transportmanagement Teil der Jade Hochschule geworden ist. Insgesamt ist AeroMare das Dach über 200 Unternehmen mit 10 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.Mit einem regionalen Qualifizierungsnetzwerk „QualiMare Jade Weser“, das nicht nur auf die Wesermarsch begrenzt sei, ziele man ebenfalls auf den JadeWeserPort. Der Landkreis, der bei alledem ländlich geprägt sei und mit touristischen Angeboten aufwarte, sehe sich auch vor Extreme gestellt: Den größten Kaufkraftabfluss in der Region, aber gleichzeitig die höchsten Industrielöhne.
Öffentliche Wirtschaftsförderung mit schmalen Budgets habe die Verpflichtung, Kräfte zu bündeln und interkommunal zu arbeiten, „damit wir den Euro nicht fünfmal ausgeben“. Das sei nicht zuletzt Sinn der neuen Wirtschaftsförderungsgesellschaft „JadeBay“, in der Wilhelmshaven, Friesland, Wittmund und Wesermarsch über individuelle Ansätze hinaus abgestimmt national und international ihre Flächen und Potenziale vermarkten – damit eines nicht passiert: „Dass sich die Wirtschaftsförderer einer Region auf einmal in Shanghai treffen und nicht wissen, dass man gemeinsam hingeflogen ist.“
Lob für Hotel-Neubau
Steinbrecher verwies auf die zahlreichen, vom AWV positiv begleiteten Projekte in der Region. Als ein äußerliches Zeichen, dass es „nach vorn geht“ und Anlass für gesundes Selbstbewusstsein in Wilhelmshaven nannte er das „Columbia Hotel“.Oberbürgermeister Menzel kündigte an, dass noch vor Weihnachten der Arbeitsbeginn der neuen Wirtschaftsförderungsgesellschaft „JadeBay“ feststehen werde, frühestens am 1. Februar, spätestens am 1. April.
Der Kooperationsvertrag der vier Partner liege noch zur Unterschrift beim Wirtschaftsministerium in Hannover. Ambrosy: „Wir hätten ja gerne schon unterschrieben – aber was wollen Sie machen, wenn sich Wirtschaftsminister und Staatssekretär gleichzeitig nach Berlin verabschieden.“ Nun werde man mit dem neuen Minister Bode im Januar unterschreiben.
Ambrosy appellierte an die Wirtschaft, sich über die Wachstumsregion und als gleichberechtigter Partner der Emsachse zu definieren. Das sei wesentlich wichtiger als der Bezug auf die eher pragmatische Mitgliedschaft in der Metropolregion.
