An diesem Donnerstag spricht die Stadt mit den Ärzten. Diese hatten die Kraftwerkspläne kritisiert.
Von Maik MichalskiWilhelmshaven
Voll und ganz hinter dem Bau eines Kohlekraftwerkes steht die Wilhelmshavener Hafenwirtschafts-Vereinigung. „Durch den Bau können wir unserem Anspruch näher, Wilhelmshaven zur Energiedrehscheibe Deutschlands zu machen, sagt WHV-Präsident John H. Niemann. Kurze Wege beim Transport von Kohleaus der ganzen Welt „bis auf den Vorhof des Kraftwerkes“, keine zusätzliche Belastung für die Verkehrswege in Deutschland, eine optimale Kühlwasserversorgung (Niemann: „Es gibt nur eine minimale Erwärmung der Jade“), 100 Arbeitsplätze direkt im Kraftwerk sowie viele weitere im Hafenbereich: Die Ansiedlung sei unabhängig von der Energieversorgung unstrittig. „Ich habe kein Verständnis für Kritiker. Schließlich leben wir seit 30 Jahren mit einem, sogar alten Kraftwerk.“Die Diskussion um die Kohlekraftansiedlung muss versachlicht werden. Dafür tritt Martin Steinbrecher, Präsident des Allgemeinen Wirtschafts-Verbandes (AWV) Wilhelmshaven-Friesland, ein. Neben den neuen Arbeitsplätzen sei die Unabhängigkeit der Energieversorgung in Deutschland vorrangig. Es gelte, in der Zukunft Energie sicher, preisgünstig und umweltverträglich zur Verfügung zu stellen. Wenn das gelänge, würden sich weitere Unternehmen in Wilhelmshaven ansiedeln. Auch die Mitglieder des AWV stünden geschlossen hinter der Kraftwerksplanung. Die Kritik der Ärzte kann er kaum nachvollziehen. „Man muss die Energiedebatte im Gesamtüberblick sehen und nicht nur vor der Haustür schauen.“
Weiterhin bei ihrer kritischen Position bleibt der Naturschutzbund (Nabu). „Neben dem bestehenden, nachzurüstenden Kraftwerk würden wir ein weiteres neuerer Bauart tolerieren, wenn die bestehende Gesamtbelastung dadurch nicht ansteigt“, sagt Nabu-Vorsitzender Wilhelm Kaufmann. Ein gar bundesweites Kohlezentrum in Wilhelmshaven sei zuviel des Guten. „Dann wären auch mal andere Regionen dran“, so Kaufmann. Der Nabu hat alle Ratsvertreter angeschrieben und sie auf ihre Verantwortung hingewiesen, im Rat am 30. Januar dem Bebauungsplan Rüstersieler Groden zuzustimmen oder ihn zu ändern. „Nach dem Entwurf sind vier Kraftwerke möglich. Die Ärzte, die ihr Verhalten mit uns abgestimmt haben, wollen nicht über den jetzigen Standard hinausgehen“, sagte Kaufmann. Es wäre ja nun ein Leichtes, den Bebauungsplan zu ändern und nur zwei Kraftwerke zuzulassen.
Die zusätzlichen Arbeitsplätze, die ein neues Kraftwerk mit sich bringt, werden vom Unternehmerverband Einzelhandel, begrüßt. „Das bringt einen Aufschwung für die Region“, sagt UVE-Sprecher Curt Leffers. Er ist als Einzelhändler für die Kraftwerksansiedlung. „Gegen Kernkraft und gegen Kohlekraft zu sein, ist Augenwischerei.“ Es sei schon schlimm genug, so der Einzelhändler, dass sich Deutschland aus der Kraftwerkstechnik weitgehend verabschiedet habe und ein solches Werk nun andere bauten.
Auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie ist „froh über neue, hochwertige und dauerhafte Arbeitsplätze, von denen mindestens 100 Familien leben können“, sagte Bezirksleiter Hartmut Kittel.
