Wilhelmshaven - Amtierender Europameister – damit waren die Erwartungen an Yann Yuro schon mal sehr hoch. Und so viel sei vorweg verraten: Die Mentalkunst des 39-Jährigen war beeindruckend. Zum 29. Festival der Kleinkunst hatte er sein Programm „Offenbarung“ mitgebracht. Unterstützt wurde er von dem jungen Zauberkünstler Ari Fiedler.
Yuros exzellenter Ruf als Magier und Gedankenleser schien nicht bis Wilhelmshaven durchgedrungen zu sein. Die Sitzreihen im Pumpwerk waren nur mäßig gefüllt. Mutige, die sich austricksen, verzaubern, mental manipulieren oder was auch immer ließen, gab es trotzdem genug. So wurden vier Zuschauer zu „apokalyptischen Reitern“. Aus ihrer Mimik und Gestik las Yuro treffsicher heraus, welche Plage sie zuvor aus einem Stapel mit 40 Karten gezogen hatten.
Sabine scheiterte dagegen immer wieder daran, einen versteckten 20-Euro-Schein ausfindig zu machen. Weil Yuro schon vorher ahnte, wo sie ihn vermuten würde oder weil er ihn wieder verschwinden ließ – man weiß es nicht. Förmlich zu spüren war die Anspannung, als Yuro erfolgreich einen, wie er sagte, „neuen persönlichen Rekord“ aufstellte. In zehn Minuten fand er bei elf Personen heraus, welchen Wunsch sie aus einem Glas gezogen hatten, in das 13 Zuschauer am Anfang des Abends einen Wunschzettel gesteckt hatten. Das Erstaunen war nach dieser Leistung deutlich zu hören im Saal.
Zum Höhepunkt der Show aber kam es, als Erich sich bereitwillig zu Yuro auf die Bühne setzte. Da ahnte er noch nicht, dass er dem Künstler am Ende seine eigene Uhr in die Hand drücken würde, weil er fest davon überzeugt war, es sei nicht seine. Hypnose soll es nicht gewesen sein, aber dass Yuro es schaffte, sein Gegenüber mental so zu manipulieren, war beeindruckend – und ein bisschen gruselig. Erich nahm es mit Humor und er bekam einen Brief mit, der ihm zuhause verraten sollte, was da auf der Bühne passiert ist.
So hätte es ein rundum gelungener Abend sein können. Dafür hätte aber die Rahmenhandlung deutlich besser sein müssen. Sie wirkte konstruiert, konfus und hatte überhaupt keinen roten Faden. Trauriger Höhepunkt war eine Szene, in der Yuro den vermeintlich letzten Bühnenauftritt seines Lehrmeisters „Der große Galdutschi“ nachspielte. Dabei stolperte er betrunken auf einen Stock gestützt über die Bühne, bevor ihm ein herunterfallender Papp-Scheinwerfer den „Garaus machte“. Genauso fragwürdig waren die Auftritte im knatschgelben Entenkostüm. Erst für den finalen Showeffekt machte das Kostüm Sinn. Yuro zog es sich auf der Bühne an, wechselte die Aufschrift der Banner und tauchte dann schlagartig im Rücken der Zuschauer auf, während sich auf der Bühne Ari Fiedler aus dem Kostüm schälte. Er bewies damit eindrücklich, was er als Magier kann. Bei der „Verpackung“ für seine Kunststücke ist allerdings noch ganz viel Luft nach oben.
