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Yared Dibaba in Wilhelmshaven Mit reichlich Klötenkööm und Weihnachtsliedern auf Platt

Wolfgang A. Niemann
Der gebürtige Äthiopier Yared Dibaba ist bekannt für seinen plattdeutschen Jahresrückblick.

Der gebürtige Äthiopier Yared Dibaba ist bekannt für seinen plattdeutschen Jahresrückblick.

Wolfgang A. Niemann

Wilhelmshaven - Da steit so’n schwatten Kerl op de Büün un singt as Togav „Stille Nacht“ op Platt – das kann nur einer sein: Yared Dibaba. Und er ließ das Publikum, das ihm soeben viel Beifall beschert hatte, den Klassiker mitsingen. Damit beendete der Plattdeutsch-Entertainer am Sonntag seine diesjährige Weihnachtstournee im sehr gut besuchten Pumpwerk. Auch diesmal verband Dibaba das mit einem sehr eigenen „Ya(h)redsrückblick“, wobei ihn „die Schlickrutscher“ musikalisch mit knackigem Sound unterstützten.

Gebürtiger Äthiopier ist eingefleischter Plattschnacker

Der gebürtige Äthiopier bekannte, dass er sich als eingefleischter Plattschnacker mit dem Hochdeuten eher schwertue. Um so lieber widmet er sich Sprachbegradigungen wie zu einem der Schlagworte des Januars: Künstliche Intelligenz. Das sei für ihn ein „Brägenplietsch-Apparat“. Und den testete er nun mit dem Handy. Das Publikum gab Begriffe für ein KI-Weihnachtslied vor und herauskam: „Bi’t Wattenmeer met Klötenkööm steiht de Wienachtsmann...“ Dibabas Kommentar: „Na ja.“ Worauf er sich mit dem Rap „So mok wi dat“ freisang und von seinen Reisen zu fernen Plattschnackers erzählte. Nach seinem Besuch bei solchen weit hinterm Ural sei er anschließend nach Kanada gereist. Dort habe ihn doch glatt ein Indigener angesprochen: „Best du nich de schwatte Kerl von Sibirien?“

Natürlich geht es bei dem quirligen Wahlhamburger nie ohne Klötenkööm. Dazu sang er passend „Anne Ecke steiht’n Jung mit’n Tüdelband“ als Lied über die Zufallsentstehung des Eierlikörs. Dibaba, der inzwischen das viel zu große Jackett – hätte ihm sein Designer so diktiert – abgelegt hatte, wanderte ins Publikum und verteilte Kostproben des Leckertropfens.

Weiter ging es mit der Sprachkunde, bei der er nun erklärte, wieso man in Hamburg zu „Tante Meier“ geht, wenn man mal muss. Während der napoleonischen Besatzung habe man so etwas im großen Zelt, dem „Tente majeur“ erledigt, und daraus verballhornten die Einheimischen die viel elegantere Tante Meier. Wozu er ein rockig-witziges Lied folgen ließ.

Etliche Besucher verstanden gar kein Platt

Der September-Rückblick hatte schließlich mit dem Plattdüütsch-Mond zu tun. Da fabulierte Dibaba schräge Geschichten aus seiner Geburtsheimat, in der sein Großvater selbstverständlich Platt gesprochen habe und ihm erzählt, dass es auch woanders Plattschnacker gebe, die aber weiß seien. Zu denen sei er dann später als Entwicklungshelfer gegangen.


Als es nun interaktiv im Saal wurde, stellte er erstaunt fest, dass etliche Besucher den Abend genossen, obwohl sie gar kein Platt verstehen. So auch Peter aus Wilhelmshaven, dem er im Schnellkurs beibrachte, dass die wichtigsten Worte „Moin“, „Jo“ und „Nützt ja nix“ sind - in dieser Reihenfolge. Sprachveredlungen ließ der Entertainer aber zwischendurch auch immer wieder Weihnachtsliedern angedeihen, wo aus dem abgeschnulzten „White Christmas“ der Wunsch nach einer „schwatten Wiehnacht“ wurde und die „Jungle Bells“ als „Bimmel hi, bimmel do“ fröhlich rockten.

Bevor es ins Finale ging, berichtete Dibaba von einer besonderen Ehre zum 30-Jährigen seines deutschen Passes, als er zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in der Elbphilharmonie moderieren durfte. „O watt’n Dag“ („Oh happy Day“) konnte er da nur noch singen. Und erntete nach dem abschließenden Weihnachts-Reggae „Wiehnacht mit Sünner Klaas“ die erwähnten Ovationen.

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