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ZIGARETTEN Die rauchfreien Zonen weiten sich aus

WALBURG DITTRICH

wilhelmshaven

10.45 Uhr – es klingelt zur großen Pause. Auf der Straße vor dem Schulgebäude sammeln sich Schüler und auch Lehrer in kleinen Grüppchen, über denen sich bald erste Rauchwolken bilden. Seitdem alle Schulen Niedersachsens per Gesetz zur nikotinfreien Zone erklärt wurden, bleibt den Rauchern unter Schülern und Lehrern nichts anderes übrig, als ihrem Laster auf der Straße zu frönen.

Jetzt erhitzen sich die Gemüter um ein von der Bundesregierung gefordertes, generelles Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden.

In vielen öffentlichen Gebäuden der Stadt besteht bereits seit langem Rauchverbot. So ist das Rauchen in der Nordseepassage zum Beispiel nur in den Gastronomiebereichen erlaubt. Es steht den Gastronomen frei, Nichtraucherplätze zur Verfügung zu stellen oder nicht.

Professor Jörg Brost, Verwaltungsdirektor des Reinhard Nieter Krankenhauses spricht sich strikt gegen ein generelles Rauchverbot aus. „Wir wollen nicht, dass die Patienten in die Illegalität getrieben werden und dann vielleicht bei Eiseskälte im Bademantel, und mit dem Transfusionsständer im Schlepptau, vor dem Krankenhauseingang stehen, um zu rauchen“, erklärt Professor Brost seinen Standpunkt. Zum anderen möchte man verhindern, dass sich das Personal unkontrolliert zum Rauchen in irgendwelche, meist feuergefährdeten Räumlichkeiten, wie zum Beispiel das Zellstofflager, verzieht. Darum gibt es im RNK auf jeder Ebene je einen Patienten-Aufenthaltsraum für Raucher und einen für Nichtraucher. Für Mitarbeiter gibt es ausgewiesene Raucherzimmer, die in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und dem Bauordnungsamt eingerichtet wurden und den Brandschutzanforderungen genügen.

Weniger kompliziert gestaltet sich das Rauchverbot in der Kunsthalle. Dass in den Ausstellungsräumen nicht geraucht werden darf, ist für Petra Förster, die seit 15 Jahren in der Kunsthalle arbeitet, eine Selbstverständlichkeit. Und auch die Besucher hätten damit noch nie ein Problem gehabt. „Wer unbedingt rauchen muss, kann und darf dies im Garten der Kunsthalle tun.“

Auch im Publikumsbereich der Stadtbücherei besteht seit Jahren Rauchverbot, erklärt Gerhard Kühn. Eine Selbstverständlichkeit auch für die Nutzer. Für die Mitarbeiter gibt es, vom Publikumsbereich getrennte, Raucherinseln.


Ein generelles Rauchverbot würde auch für die Volkshochschule keine Änderungen bringen, denn auch dort besteht bereits Rauchverbot in allen Räumen, auf Fluren und in Treppenhäusern. „Raucher werden rigoros vor die Tür gejagt“, sagt Christina Heide, die selbst Raucherin ist und ihre Zigarette an der frischen Luft „genießen“ muss. Das gelte für alle Gebäude, die von der VHS genutzt werden.

Ein generelles Rauchverbot gebe es im Rathaus nicht, erklärt Arnold Preuß, Pressesprecher der Stadt und „aktiver Nichtraucher“. Mitarbeiter und Publikum hielten sich quasi von allein an die Regelung, im Rathaus nicht zu rauchen. Selbst bei Ratssitzungen und Empfängen werde nicht geraucht, erklärt Preuß. „Wer rauchen will, muss vor die Tür gehen.“ Für die Mitarbeiter gebe es zudem getrennte Frühstücksräume für Raucher und Nichtraucher.

Striktes Rauchverbot selbst in der Kantine gehört für die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit zum Alltag. Dafür dürfen sie, natürlich nach Absprache mit den Kollegen, in den Büros rauchen. Im öffentlichen Kundenbereich bleibt selbst bei langen Wartezeiten der Glimmstängel aus.

Besser haben es da die Finanzbeamten. Sie sitzen in Arbeitszimmern, die nach Raucher oder Nichtraucher getrennt sind. „Bei uns gibt es kein Rauchverbot“, erklärt Folkert Hamer, der Leiter des Finanzamts. Auch die Besucher müssen ihre Zigarette nicht gleich beim Betreten des Hauses ausmachen. Lediglich wenn sie in ein Nichtraucherarbeitszimmer kommen, sollten sie das Rauchen einstellen. „Erstaunlich ist, dass es viel weniger Raucher als Nichtraucher gibt“, findet Hamer, der selbst Nichtraucher ist. Ein generelles Rauchverbot in seinem Hause würde ihn jedoch vor Probleme stellen. Denn wenn eingefleischte Raucher zum Rauchen das Haus verlassen müssten, dann gehe das schließlich zu Lasten der Arbeitszeit.

Erfahrungen mit dem gesetzlich verordneten Rauchverbot konnten die Schulen ja bereits sammeln. Der stellvetretende Direktor des Gymnasiums am Mühlenweg, Hartwig Pape, sieht seine Bedenken bestätigt, denn die Oberstufenschüler würden jetzt zum Rauchen das Schulgelände verlassen und in Grüppchen auf der Straße stehen. „Die altbekannte Raucherecke hat sich lediglich vom Schulhof auf die Straße verlagert.“ Im Gebäude und auf dem Schulgelände dürfen selbst die Lehrer nicht mehr rauchen, so dass diese gelegentlich sogar die „außerschulische Raucherecke“ bevölkern, oder gar heimlich irgendwo rauchen, wer weiß das schon.

Und nachdem sie die große Pause an der „frischen Luft“ verbracht haben, laufen Schüler und Lehrer – vielleicht sogar um die Wette – zurück zu ihrer rauchfreien Wirkungsstätte. Wer sagt da noch, dass Rauchen ungesund sei.

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