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NWZonline.de Sport Weitere Wintersport

Sportmediziner droht lange Haft

01.03.2019

Seefeld /Erfurt DOSB-Präsident Alfons Hörmann sprach von einem „Schatten auf dem gesamten Sport“, Doping-Experte Fritz Sörgel von einer „neuen Dimension“ der Manipulation: Der Doping-Skandal bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld hat in Deutschland großes Entsetzen ausgelöst, zumal in dem Sportmediziner Mark S. die zentrale Person aus Erfurt stammt.

„Ich gehe davon aus, dass dieser Fall weitere Kreise ziehen wird, auch in andere Sportarten hinein“, sagte Lars Mortsiefer, Vorstand der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada). Es sei klar, „dass sicher noch andere Sportarten betroffen“ sind, erklärte Dieter Csefan vom österreichischen Bundeskriminalamt.

Am Mittwoch war es bei Razzien des österreichischen Bundeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft München in Seefeld und Erfurt zu neun Festnahmen und 18 Hausdurchsuchungen gekommen. Fünf Sportler wurden festgenommen, zwei Österreicher, zwei Esten und ein Kasache.

Sportmediziner Mark S. wurde am Mittwoch aus seiner Praxis in Erfurt abgeführt. Die Zollbeamten hatten bei dem 40-Jährigen brisantes Material gefunden, zahlreiche Blutbeutel und eine Zentrifuge, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Der Sportarzt wurde wie drei Komplizen festgenommen und soll zunächst in München in Haft bleiben, wie die Münchner Staatsanwaltschaft bestätigte. Dem früheren Radsport-Teamarzt droht eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren. Sollte dem Mediziner ein gewerbs- oder bandenmäßiges Delikt nachgewiesen werden, sieht das 2015 verabschiedete Anti-Doping-Gesetz dieses Strafmaß vor.

Mark S. ist schon länger im Spitzensport aktiv, hatte sich nach dem Studium zunächst dem Radsport zugewandt und für die Teams Gerolsteiner und Milram gearbeitet. Vor wenigen Jahren soll er angegeben haben, etwa 50 bis 60 Spitzensportler regelmäßig betreut zu haben, „vor allem Schwimmer, Radsportler, Fußballer, Handballer und Leichtathleten“.

Die kriminelle Organisation sei verdächtig, seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchgeführt zu haben, teilten die Behörden mit. „Wir haben der Staatsanwaltschaft unsere Unterstützung angeboten. Wir können alte Proben auftauen oder auch Informationen zu den Blutpässen liefern“, sagte Mortsiefer.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) muss also mit weiteren Hiobsbotschaften rechnen, auch wenn die Lage schon prekär genug ist. Hörmann betonte aber auch, dass der Kampf gegen Doping fortgesetzt werden müsste, um „die abschreckende Wirkung auf Sportler und vor allem die kriminell agierenden Hinterleute zu verstärken“.

Vielleicht benötigt man aber auch eine Stärkung der Kronzeugenregelung. Denn ausschlaggebend für den Erfolg der Ermittler waren bei der „Operation Aderlass“ Aussagen, die der österreichischen Skilangläufer Johannes Dürr gemacht hatte. Dürr reihte sich damit in die Gruppe wichtiger Whistleblower ein, die in der Vergangenheit großen Anteil daran hatten, dass Doping-Skandale aufgedeckt wurden.

Österreichs Skiverbandspräsident Peter Schröcksnadel warf Dürr indes vor, nicht früher ausgepackt zu haben: „Wenn Dürr nach 2014 schon ausgesagt hätte, dann wären wir heute nicht da.“ Vor fünf Jahren hatten bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi wie auch schon 2006 in Turin Doping-Skandale den österreichischen Langlaufsport überschattet.

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