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NWZonline.de Sport Weitere Wintersport Skispringen

Freitag setzt zum Höhenflug an

28.12.2017

Oberstdorf Richard Freitag kennt die engen Gassen von Oberstdorf inzwischen aus dem Effeff. Die warmen Bäckereien, die kleinen Kapellen, das bayerische Idyll. „Ich mag es hier“, sagt der Sachse über seine neue Heimat am Fuße der Alpen, in der an diesem Samstag (16.30 Uhr/ARD und Eurosport) ein Wintermärchen seinen Anfang nehmen soll. Als erster deutscher Skispringer seit Sven Hannawald kann und will Freitag die Vierschanzentournee gewinnen – und der Startschuss fällt direkt vor seiner Haustür.

Im Sommer war der 26-jährige Freitag mit seiner Schwester Selina (16), einer ebenfalls talentierten Skispringerin, nach Oberstdorf gezogen. Seither zeigt die Formkurve steil bergauf. Schon drei Siege in dieser Saison, die Führung im Gesamtweltcup: Freitag ist in der Form seines Lebens. Erstmals in seiner Karriere geht er nun als Topfavorit in ein Großereignis.

Der neue Lebensmittelpunkt ist freilich nur ein Grund von vielen für den Aufschwung. Wenn Werner Schuster über den „neuen“ Richard Freitag spricht, leuchten seine Augen. „Sein Sprung ist kompletter geworden, sein Charakter hat an Stabilität und Reife gewonnen“, sagt der Bundestrainer und betont: „Ich höre ihm im Moment gerne zu, weil er authentisch ist.“ Oder, um es mit Teamkollege Andreas Wellinger zu sagen: „Der Ritsch ist einfach ein geiler Hund!“

Dabei befand sich Freitag, der in Erlabrunn im gleichen Krankenhaus wie Sven Hannawald und Jens Weißflog geboren wurde, zuletzt im Sinkflug. 2011 hatte er wie einst sein Vater Holger in Harrachov seinen ersten Weltcup-Sieg geholt. Bei Olympia 2014 musste er dann zusehen, wie Severin Freund, Andreas Wellinger, Marinus Kraus und Andreas Wank Team-Gold gewannen. Sein Sieg beim Tourneespringen in Innsbruck im Januar 2015 war für fast drei Jahre sein letzter. Schuster bezeichnete Freitags Entwicklung noch vergangene Saison als „stabil rückläufig“.

Doch Freitag kämpfte sich zurück. „Manchmal musst du einfach aufstehen und weitermachen, so war es bei mir auch“, sagt er heute. Im Herbst kam plötzlich die Form zurück, und gleich nach dem ersten Sprung der Saison in Wisla lag Freitag in Führung. Seither fliegt der einstige Flattermann mit einer beängstigenden Konstanz. Wohl nur der Kopf kann ihm noch einen Strich durch die Rechnung machen. „Jetzt kommt die nächste Herausforderung: Er hat bis zur Tournee viel Zeit zum Nachdenken“, sagte Schuster vor Weihnachten.

Gelingt am Ende also der ersehnte Tournee-Triumph? Schuster glaubt fest daran. „Ritschi kann alle vier Schanzen. Er ist einer der konstantesten Tournee-Springer. Wenn er in Form ist, müssen sich alle lang machen“, sagt der Bundestrainer. Aber: Mehr als Rang sechs der Gesamtwertung sprang für Freitag bei acht Teilnahmen bislang nicht heraus. Und auch mit seiner neuen Heimat Oberstdorf wurde er noch nicht so richtig warm, sein bestes Ergebnis am Schattenberg ist ein neunter Platz.

Das wahre Geheimrezept, da ist sich zumindest Teamkollege Markus Eisenbichler sicher, ist ohnehin nicht der Umzug nach Oberstdorf, sondern Freitags neuer Schnurrbart. „Seit er den hat, läuft es einfach. Da steckt Power drin“, sagt Eisenbichler. Dann kann bei der Tournee ja nichts mehr schief gehen.

Für die Springen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen sind neben den Spitzenathleten Freitag und Wellinger noch diese Springer nominiert: Markus Eisenbichler, Karl Geiger, Stephan Leyhe, Pius Paschke, Constantin Schmid, Moritz Baer, Martin Hamann, Felix Hoffmann, David Siegel, Andreas Wank.

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