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NWZonline.de Sport Weitere Wintersport Skispringen

Er fliegt und fliegt und fliegt

18.11.2017

Wisla Die großen Gewissheiten prägen das menschliche Leben. Der Geburt folgt irgendwann der Tod, nach dem Sommer kommt zwangsläufig der Winter – und mit dem Winter folgt Noriaki Kasai. Seit 1988 geht das japanische Skisprung-Idol im Weltcup an den Start, an diesem Wochenende beginnt im polnischen Wisla seine 29. Saison. Doch erstmals muss man sich um den ewigen „Nori“ Sorgen machen.

„Man sieht, dass an ihm auch der Zahn der Zeit nagt. Es wird mühsamer“, sagte der deutsche Bundestrainer Werner Schuster. Und die deutsche Nummer eins Andreas Wellinger, der sieben Jahre nach Kasais Weltcup-Debüt geboren wurde, meint: „Noriaki ist einfach eine Legende für sich. Man sieht, dass er körperlich nicht mehr ganz mithalten kann. Aber er hat sich in den letzten 25 Jahren so viel Erfahrung und Gefühl angeeignet, da kann sich wirklich jeder etwas abschauen.“

Natürlich machen die Knie Probleme. Kasai, den sie voller Respekt „Flugsaurier“ nennen, wird schließlich im kommenden Juni 46 Jahre alt. Es reicht aber immer noch, um an guten Tagen ganz vorne mitzuspringen. Gerade auf den großen Anlagen macht Kasai die Zipperlein mit seiner überragenden Technik wett. Zuletzt gewann er die japanischen Meisterschaften auf der Großschanze, bei den Weltcup-Fliegen in Vikersund und Planica war er im März Zweiter und Dritter. Einer, der seine ersten Springen noch im Parallelstil bestritt.

„Ich musste immer viel Aufwand betreiben, um die Veränderungen erfolgreich zu überstehen“, sagt der immer höfliche, immer lächelnde Asiate: „Und vielleicht muss man mich aufschneiden und eine Autopsie durchführen. Das Geheimnis steckt in mir drin, in meinem Körper.“

Dass Kasai, der Skiflug-Weltmeister von 1992 (!), immer noch da ist und immer noch zur erweiterten Weltspitze gehört, ist ein wahres Wunder. Er hat es damals mit Nykänen, Weißflog und Thoma aufgenommen, später mit Schmitt, Hannawald und Malysz, heute mit Prevc, Kraft und Schlierenzauer.

Es ist so, als ob ein Tennisspieler, der mit Holzschläger begonnen, die Wilanders und Beckers seinerzeit gefordert hat, heute noch den Nadals und Federers auf Augenhöhe entgegentritt.

Wie aber geht es weiter? In der vergangenen Saison zeigten sich erstmals Abnutzungserscheinungen, Bedenken lächelt Kasai aber einfach weg. „Mit 40 hatte ich das Ziel, bis 50 weiterzumachen. 1998 in Nagano dachte ich, dass dies mein einziges Olympia in Japan wird. Falls 2026 tatsächlich mein Wohnort Sapporo die Spiele bekommt, möchte ich dabei sein“, sagt Kasai: „Dann bin ich 54.“

Vorerst ist er 45 und muss im polnischen Wisla zeigen, dass er kein Maskottchen ist, sondern noch ein ernstzunehmender Skispringer. Nori will kein „Eddie the Eagle“ werden, keine Witzfigur. „Ich hasse es zu verlieren“, sagt Kasai. Und wenn er verliert, dauerhaft, wird er aufhören. Auch das ist eine Gewissheit.

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