Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Bahn Modernisierung der ICE 3-Flotte kurz vor Abschluss

Modernisierter ICE-3-Hochgeschwindigkeitszug der Deutschen Bahn.

Modernisierter ICE-3-Hochgeschwindigkeitszug der Deutschen Bahn.

picture alliance / Paul Zinken/dpa

Kassel/Berlin (dpa) - Es wird geputzt, geschleift, lackiert und geschraubt: Rund 500 Wagenübergänge der ICE 3-Flotte der Deutschen Bahn (DB) hat der Kasseler Bahntechnik-Hersteller Hübner in den vergangenen sechs Jahren modernisiert. «Dabei ist vor allem Handarbeit gefragt», sagt Sebastian Harz, der den Bereich Service & Refurbishment Solutions - zu deutsch Sanierungslösungen - leitet.

Ab 1997 hat die Hübner Gruppe die Züge der Baureihen 403 und 406 mit den Übergängen erstausgestattet - die ersten ICE 3 gingen laut Bahn Anfang der 2000er-Jahre in Betrieb. Die ziehharmonikaartigen Faltenbälge verbinden die einzelnen Wagen miteinander und ermöglichen den Fahrgästen, von einem in den anderen Wagen zu wechseln. Sie wölben und strecken sich, wenn die rot-weißen Züge mit einer regelmäßigen Spitzengeschwindigkeit von bis zu 300 Stundenkilometern bei Wind und Wetter über die Schienen rasen.

Wagenübergänge sind besonders wartungsaufwendig

Das hinterlässt deutliche Spuren: Der Stoff der Wellenbälge ist abgewetzt und verwittert, die Aluminiumrahmen, an denen sie befestigt sind, sind verschmutzt und abgeschabt. In Kassel haben die Komponenten eine Frischekur bekommen. «Die wiederverwendbaren Teile werden aufgearbeitet. Was nicht mehr brauchbar ist, wird entsorgt und ersetzt», sagt Harz. Dazu gehören etwa die Faltenbälge, die abschließend wieder mit den überarbeiteten Rahmen zusammengebracht werden.

Die Übergangssysteme sind laut Markus Hecht, Leiter des Fachgebiets Schienenfahrzeuge am Institut für Land- und Schienenverkehr an der TU Berlin, besonders wartungsintensiv. Sie werden etwa in den Kurven stark beansprucht. «Ihre Lebensdauer ist wesentlich kürzer als die der Züge», sagt Hecht. «Die Lebensdauer der Züge der ICE 3-Flotte wird in der Regel bei etwa 40 Jahren liegen», erklärt er. Bei einer jährlichen Laufleistung von rund 600.000 Kilometer komme ein Fernverkehrszug in dieser Zeit auf 20 Millionen Kilometer. «Das kann er natürlich nicht ohne Wartung überstehen.»

Im Schnitt 600.000 Kilometer pro Jahr

Die größten Kosten verursache dabei der Radverschleiß, sagt Hecht. So führten unter anderem Abnutzungserscheinungen immer wieder zu Flachstellen, also zu Unrundheiten am Rad. Sie entstehen, wenn das Rad des sich bewegenden Fahrzeugs nicht mehr rollt, sondern über das Gleis rutscht. In der Folge rumpelt der Zug und macht mehr Lärm. Stark beansprucht werden laut Hecht zudem die Achswellen.

Die Aufbereitung der Wagenübergänge ist nur ein Baustein der Modernisierung der ICE 3-Flotte. Noch bis Ende Juli sollen einem Sprecher der Bahn zufolge 49 Züge der Baureihe 403 «redesignt» werden. Dazu würden unter anderem Kabel und Komponenten in den elektrischen Anlagen ausgetauscht und das neue digitale Zugsicherungssystem ETCS eingebaut. Zudem solle die IT-Plattform «IT on ICE» für besseres, ausfallsichereres Wlan und aktuelle Kundeninformation sorgen. Es gebe neue Informationsmonitore außen und innen sowie eine umfassende Aufarbeitung des Innenraums etwa mit neuen Sitzen und Teppichen.

Bordrestaurants statt Bordbistros

Auch die WC-Anlagen werden dem Sprecher zufolge modernisiert, die Bordbistros durch neue Bordrestaurants ersetzt. «Wir erhöhen so die Lebensdauer und halten die Züge über ihre gesamte Lebenszeit technisch und aus Fahrgastsicht auf dem neuesten Stand. Das ist eine Form der Nachhaltigkeit», sagt der Sprecher. Bei 16 Zügen der Baureihe 406 wurden ihm zufolge weniger umfangreiche Maßnahmen durchgeführt, da diese Fahrzeuge mittelfristig durch den ICE 3 Neo ersetzt werden sollten.

Ein Manko - laut Hecht das größte der ICE 3-Flotte - bleibt allerdings trotz Modernisierung: der fehlende stufenlose Einstieg, was für Rollstuhlfahrer und Reisende mit Rollatoren eine große Erschwernis bedeutet. Auch der ICE 3 Neo, der neue Schnellzug der Flotte, verfügt nicht über einen barrierefreien Zugang. Einen stufenlosen Einstieg wird erstmals der neue ICE L bieten, der ab Oktober 2024 zwischen Berlin und Amsterdam verkehren soll. Das L im Namen steht für «Low Floor» und bedeutet Niederflureinstieg.

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Lara und Philipp Schumacher wollen gemeinsam mit ihren drei Kindern ein neues Leben auf Mallorca beginnen. Dafür bereiten sie seit Jahren alles vor – und der letzte, mehrmonatige Aufenthalt vor der Auswanderung begann mit einem herben Rückschlag.

BETROGEN UND ENTTÄUSCHT Emder Familie kämpft nach Betrug auf Mallorca um ihren Traum

Aike Sebastian Ruhr
Emden
Mit Video
Nach der Sprengung inspizierten Midgard-Beschäftigte die Überreste der Verladebrücke.

KRANSPRENGUNG IN NORDENHAM Koloss aus Stahl fällt in 15 Sekunden zusammen

Norbert Hartfil
Nordenham
Wo ist der Obdachlose hin? Kurz vor der Einmündung des Heidkamper Wegs in die Metjendorfer Straße in Neusüdende hatte sich der Mann mehrere Monate aufgehalten.

MANN WIRD MEDIZINISCH BETREUT Polizei und Landkreis räumen Obdachlosen-Schlafplatz in Neusüdende

Frank Jacob
Neusüdende
Analyse
Am Sonntag, 26. Juni,  war in Thüringen über Landräte, Oberbürgermeister, Bürgermeister sowie über Kreistage, Stadt- und Gemeinderäte abgestimmt worden. Nun stehen Stichwahlen vor der Tür.

STICHWAHLEN IN THÜRINGENS KOMMUNEN IM JUNI „AfD neben der CDU sozusagen die Volkspartei“

Mey Dudin Büro Berlin
Nach einer Fahrt unter Cannabiseinfluss ist der Führerschein weg. Durch das Cannabisgesetz ändern sich aber nicht nur die Blutwerte, ab denen die Fahrerlaubnis entzogen wird, sondern auch, wie man sie zurückbekommt. Der Fachdienst Straßenverkehr des Landkreises Wesermarsch erklärt, warum Kiffer nicht mehr zur MPU müssen (Symbolbild).

FÜHRERSCHEINENTZUG NACH CANNABISKONSUM Kiffer müssen nicht mehr zwingend einen „Idiotentest“ ablegen

Tim Rosenau
Brake