Hude/Langenberg - Mit einer durchaus kontroversen Diskussion rechnet Hudes Bürgermeister Holger Lebedinzew in der öffentlichen Sitzung des Gemeinderates am kommenden Mittwoch, 29. April. Es geht dabei um die Ausübung des Vorkaufsrechtes für eine rund vier Hektar große Gewerbefläche in Langenberg. Dieses Vorkaufsrecht hatte sich die Gemeinde 2008 im Zuge der teilweisen Umsiedlung der Amazonen-Werke von Hude nach Altmoorhausen vertraglich gesichert.

Das Areal gehört laut Lebedinzew der Firma Amazone, vertreten durch die CJ Beteiligungs GmbH. Amazone hatte die Fläche bislang genutzt. Jetzt wurde ein Käufer gefunden.

Die Gemeinde Hude wollte seinerzeit das Gewerbeareal zur Deckung des Bedarfs für die Ansiedlung von ortsnahen Gewerbebetrieben sichern. Zurzeit, so Lebedinzew auf Nachfrage der NWZ , kann der Bedarf aber durch das neu erschlossene Gewerbegebiet Am Bahndamm in Hude gedeckt werden. Auch in Holler–Neuenwege stünden noch Gewerbeflächen zur Verfügung.

Die Verwaltung sieht zwar auch Vorteile, wenn die Gemeinde das Areal erwirbt. Sie nennt die Einflussnahme auf die anzusiedelnden Betriebe sowie eine mittel- bis langfristige Sicherung von Bevorratungsflächen. Auch die Möglichkeit, einen einladenden Ortseingang in diesem Bereich zu schaffen, sei gegeben.

Allerdings geht es, wie bei vielen anderen Dingen, auch ums liebe Geld. Die Verwaltung hat sehr hohe Kosten für den Ankauf und die Erschließung des Areals errechnet. „Das ist kein Schnäppchen“, so der Bürgermeister.


Mindestens 1,7 Millionen Euro müssten dafür aufgebracht werden, noch nicht eingerechnet eine von der Landesbehörde für Verkehr geforderte Linksabbiegespur.

Maximal 33 000 Quadratmeter könnten als Gewerbefläche vermarktet werden. Um die Investitionen wieder hereinzuholen, müsste der Preis, zu dem die Gemeinde die Flächen wieder verkaufe, bei mehr als 50 Euro pro Quadratmeter liegen. Das ist laut Lebedinzew völlig unrealistisch.

„Wenn man alles abwägt“, so der Bürgermeister, sei es aus finanziellen Gründen ratsam, das Vorkaufsrecht nicht auszuüben.

Die Gemeinde müsste sich weiter verschulden. Selbst die kompletten Haushaltsmittel von einer Million Euro, die für Ankauf und Erschließung von Bauland im Haushalt 2015 bereitstehen – hauptsächlich für neue Wohnbauflächen – würden nicht ausreichen.

Laut Lebedinzew kann auf dem besagten Areal Gewerbe jeglicher Art angesiedelt werden. Das gibt der Bebauungsplan her.

Nicht möglich sei dort aber die Ansiedlung von Einzelhandelsgeschäften, betonte der Bürgermeister.