Wildeshausen - Zahlreiche Schaulustige stehen am Zaun vor dem Schafkoben beim Pestruper Gräberfeld und schauen gebannt auf die Hände von Schafscherer Holger Petzold. Denn der holte vor ihren Augen im Zweieinhalb-Minutentakt die Wolle von 100 Moorschnucken (weiße, hornlose Heidschnucke).
Zur neunten öffentlichen Schafschur hatte am Sonntag das niedersächsische Fortamt Ahlhorn auf dem Pestruper Gräberfeld eingeladen. Zweieinhalb Kilo Wolle pro Schaf holte Petzold von den einjährigen Jungtieren. Auch die siebenjährige Nele aus Klosterseelte war hautnah dabei, wie die Tiere ihre schützende Wolle verloren. Und Nele wusste auch genau warum: „Damit es nicht so heiß ist.“
Wenn gutes Wetter bleibe, kommen die geschorenen Tiere in den nächsten Tagen auch ins Freie, oder bei kälteren Temperaturen in den Koben, sagt Jan Teerling von der gleichnamigen Schäferei. „Die Tiere sind ja im Moment sehr empfindlich.“
Ein Großteil der Wolle werde dann nach England verkauft, wo aus ihr Tweedanzüge hergestellt werden, berichtet der Schafhalter. Aber es gehe nicht darum, Wolle zu produzieren, sondern den Landschaftsschutz zu pflegen, sagt er. Denn die Moorschnucken „verbeißen“ die Heide auf dem Pestruper Gräberfeld und helfen dadurch, die Heide in ihrer Form zu erhalten. In dem Naturlebensort seien zudem auch seltene Vogelarten, wie die Heidelerche, beheimatet, weiß Teerling.
Dabei handele es sich bei dem Pestruper Gräberfeld auch um ein Naturschutzgebiet, sagt Revierleiter Heiner Brüning von der Revierförsterei Barnstorf. So stünden am Ende Naturschutz, Denkmalschutz und Landschaftsschutz bei der Beweidung im Vordergrund.
Zweimal im Jahr – in der Frühjahrsperiode von Anfang April bis Mitte Mai und der Herbstbeweidung von Oktober bis Anfang Dezember – werde die 35 Hektar große Fläche beweidet, erklärt der Revierleiter. „Damit die Heide so bleibt, wie sie jetzt ist.“
Die öffentliche Schafschur diene dabei dazu, den Kontakt mit der Bevölkerung zu suchen, sagt Brüning. Und die sei besonders bei Familien mit Kindern beliebt. Diese konnten sich aber auch bei einem Infostand der Landesforsten über deren Arbeit informieren. Auch die Spinngruppe Hatten war vertreten und zeigte an ihren Spinnrädern, wie auf traditionelle Weise die Wolle verarbeitet wurde.
Auch Hundeliebhaber kamen auf ihre Kosten. So stellte sich „Charly’s Hundeschule“ bereits zum dritten Mal vor und zeigte den Zuschauern Elemente der Grundausbildung, wie beispielsweise den Gehorsam. Aber auch das Agility war wieder ein echter Höhepunkt, bei dem die Hundehalter mit akustischen und optischen Signalen die Tiere durch einen Parcours aus Wippe, Steg oder Tunnel führten, berichtete Andrea Langemeyer von der Hundeschule.
