Berlin/Hannover - Angesichts der Bankenrettungsmanöver auf Zypern, bei dem auch Sparer mit ihren Einlagen oberhalb 100 000 Euro herangezogen werden, fragt sich mancher deutsche Sparer: Sind meine Einlagen im Krisenfall in Deutschland eigentlich sicher? Bleiben von Spareinlagen und auf Girokonten auch hier „nur“ 100 000 Euro garantiert – und der Rest wäre im Krisenfall gefährdet?

Hintergrund der Sorgen ist auch: In den nächsten Wochen werden weitere Vorschläge der EU-Kommission zur Banken-Union erwartet.

Was viele aber gar nicht wissen: Schon seit einigen Jahren sind in der EU 100 000 Euro pro Kunde bei einer Bankenpleite geschützt. Das gibt die EU-Richtlinie 2009/14/EG vor, wie der EU-Experte Rolf-Dieter Krause vom WDR aus Brüssel berichtet. „Wir haben damit nach der Umsetzung in nationales Recht die Sicherung von 100 000 Euro in jedem Land“, sagt Stefan Marotzke, Pressesprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes in Berlin.

Und er betont ausdrücklich: In Deutschland geht man weit darüber hinaus. Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben eine Institutssicherung installiert, private Banken bieten über ihren Verband hohe Einlagen-Garantien (siehe Info-Box). Das gibt es so in anderen EU-Staaten nicht.

Die Garantie von 100 000 Euro in den EU-Staaten steht nach Informationen dieser Zeitung nicht zur Diskussion. Fest steht aber, dass die EU Weichenstellungen plant: eine Richtlinie mit Mindeststandards für Einlagensicherung sowie andere Vorgaben für die Banken – gestützt auf Beschlüsse der Regierungschefs und Finanzminister. Spätestens im Juni/Juli will Brüssel seine Pläne präzisieren, wie es in Europa über eine Bankenaufsicht (ab März 2014) weiter geht in Richtung Bankenunion. „Die Bankaufsicht wird Fehlentwicklungen entdecken und korrigieren“, hofft Kanzlerin Angela Merkel.


Die Bankenunion sieht neben der (praktisch zustimmungsreifen) zentralen Aufsicht eine gemeinsame Einlagensicherung in der Euro-Zone vor. Mancher Bankkunde wittert Nachteile für sich und Deutschlands Sparer insgesamt. Tatsächlich ist das Projekt der gemeinsamen Einlagensicherung erst einmal in der Schublade verschwunden. Dort wird das für deutsche Sparer sensible Thema aber – wie in Berlin unüberhörbar ist – nicht bleiben, weil es zur Bankenunion gehört. „Eine gemeinsame Einlagensicherung, mit der deutsche Spargroschen für ausländische Vermögen haften, wird man erst nach der Bundestagswahl präsentieren“, sagt Professor Stefan Homburg vom Institut für Finanzwissenschaft an der Universität Hannover.

Die düstere Prognose des Euro-Kritikers: „Im Ernstfall bleibt dem Sparer dann kaum etwas übrig, denn eine Einlagensicherung schützt nur bei Insolvenz einzelner Banken, nicht aber bei allgemeinen Bankenkrisen.“ Er sieht angesichts der überschuldeten Staaten hier „im Wesentlichen eine Chimäre“.

Die Pläne sehen anderes vor. Viele Details zur Bankenunion sind noch unklar: Wie genau wird eine gemeinsame Einlagensicherung bestückt? Man darf gespannt sein auf die Vorschläge von EU-Kommissionspräsident Barroso.

Politisch unstrittig: Der Steuerzahler soll langfristig von der Last, marode Banken retten zu müssen, befreit werden. Auch die Abwicklung von Problembanken ist ein wichtiger Pfeiler der Bankenunion. Bundesbank-Chef Jens Weidmann bestätigt: „Wir arbeiten auf europäischer Ebene an einem Abwicklungsregime“.

Dazu wird ein einheitlicher Abwicklungsfonds eingerichtet, in den Banken einzahlen. Banken retten Banken, lautet die politische Zielvorgabe. Dann müssen nicht mehr Steuerzahler für eine Bankpleite gerade stehen, sondern letztlich europäische Bankkunden. In Deutschland gibt es ein Gesetz dafür, auf europäischer Ebene dürfte eine Einigung schwierig werden.

Fest steht aus dem großen Paket: Die Bankenaufsicht kommt, und sie wird in die Hände der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt gelegt. Kontrolliert werden künftig die 200 größten Geldhäuser von annähernd 6000 Banken in der Euro-Zone. Der Rest unterliegt weiter der nationalen Aufsicht.

Aber wer kontrolliert die Kontrolleure? Bei der SPD, die den Weg zur Bankenunion und damit im Pleitefall zur Haftung von Eigentümern, Großinvestoren und größeren Geldanleger begrüßt, gibt es Sorgen. „Also der Papst hat noch den lieben Gott über sich, aber bei der EZB muss ich mich angesichts der Ausweitung der Befugnisse schon fragen, ob es noch jemanden gibt, der darüber sitzt“, sagt der SPD-Finanzexperte Carsten Schneider.