Wildeshausen - Sie währt schon seit 14 Jahren: Die Diskussion um ein Gewerbe- und Industriegebiet rund um die Autobahnanschlussstelle Wildeshausen-West. Hintergrund war bereits 2003 der bis heute nicht behobene Mangel an Industrieflächen – sowohl für auswärtige Investoren als auch für städtische Firmen, die aussiedeln wollen. Angedacht waren anfangs bis zu 70 Hektar. Doch dann kamen die ambitionierten Planungen jahrelang nicht vom Fleck.
Pläne und Proteste
Erst 2008 sprach man sich für eine Weiterentwicklung der Fläche aus – allerdings ohne millionenschwere Zuschüsse aus dem knappen Etat. Die Stadt brachte die erforderliche Änderung des Flächennutzungsplans (F-Plan) auf den Weg, und im Falle einer Erschließung sollten potenzielle Investoren selbst zahlen. Schnell formierte sich jedoch Protest gegen das nun konkreter werdende Industriegebiet, unter anderem von den Anliegern in Steinloge sowie der UWG, die von wertvoller Waldabholzung und einem Millionensteuergrab sprach.
pause
Erneut passierte wenig. Anfragen von an- und umsiedlungswilligen Unternehmen liefen ins Leere. Die F-Planänderung ließ auf sich warten. Im April 2015 bekundete schließlich der Landkreis Oldenburg erhebliche Bedenken. Im Gegensatz zum städtischen Planungsbüro sah er schützenswerte Flora und Fauna in Aumühle. Die Stadt zog ihren Antrag zurück und versprach nachzubessern.
Parallel dazu verhandelte Wildeshausen mit den Nachbargemeinden Dötlingen und Harpstedt über ein interkommunales Industrie- und Gewerbegebiet an der Bundesstraße 213 in Hockensberg. Doch auch hier kam man bis heute nicht recht voran.
Ergänzend dazu äußerten Wildeshauser Firmen immer dringlicher ihre Umsiedlungswünsche. Neben der Hähnchenschlachterei Kreienkamp und Getränke Nordmann ist das insbesondere die kunststoffverarbeitende Firma Grashorn, die bislang mitten in einem Wohngebiet liegt.
Bewegung in die Planung von Wildeshausen-West brachte auch die Tatsache, dass der Tiefbauunternehmer Karsten Scheele vor einigen Jahren den dortigen Campingplatz kaufte. Er will das riesige Füllsandvolumen in Aumühle abbauen.
Im Zuge der aktuellen Haushaltsbesprechungen ist es deshalb vorgesehen, den Ratsbeschluss vom März 2015 aufzuheben, der eine Priorisierung des Gebietes in Hockensberg vorsieht (die NWZ berichtete). Man will zwar weiter mit Dötlingen und Harpstedt verhandeln, aber parallel dazu auch Wildeshausen-West weiterplanen.
Zahlen hat inzwischen der städtische Wirtschaftsförderer Claus Marx vorgelegt. „Die bisherige Kalkulation basiert allerdings auf diversen Annahmen“, betont er. Verträge mit den Besitzern gibt es noch ebenso wenig wie eine Ausschreibung für die Erschließung. Geklärt werden muss auch, ob die Stadt die Fläche kauft oder doch mit einem Investorenmodell arbeitet. Davon hängen auch die Modalitäten des Sandabbaus ab. Wenn die Stadt Investoren beziehungsweise die Grundstückseigentümer ins Boot holt, ist jedoch fraglich, ob und in welcher Form Zuschüsse fließen.
„Damit es irgendwie weitergehen kann, müssen erst die Haushaltsmittel da sein“, betont der Wirtschaftsförderer. Falls die Stadt die inzwischen auf 22,2 Hektar begrenzte Nettofläche in Aumühle kauft, kalkuliert er mit Kosten von rund 13,6 Millionen.
enger Zeitplan
Doch der Zeitplan ist eng. Zum einen läuft noch in diesem Jahr das faunistische Gutachten aus. Zum anderen muss die Stadt sich bezüglich der Förderung des Vorhabens durch die NBank sputen. Die möchte die Maßnahme mit 50 bis 90 Prozent unterstützen. Das entsprechende Programm „Förderung hochwertiger wirtschaftsnaher Infrastrukturmaßnahmen“ läuft allerdings 2022 aus. Das heißt, sämtliche Erschließungsmaßnahmen müssen bis dahin abgeschlossen sein. Damit das Gebiet rechtzeitig erschlossen werden kann, müsste der Sandabbau – in welcher Form auch immer – circa zwei Jahre vorher beendet sein.
Der Ball ist nun beim Ausschuss für Finanzen, Controlling und Wirtschaft. Der wird sich am Donnerstag, 9. Februar, ab 18.15 Uhr im Stadthaus mit der Anpassung der Prioritäten sowie der Gewährung der nötigen Mittel befassen.
