Nordenham - Einmal schick machen für den Fotografen. Monika Hellwig-Schramm sitzt auf dem Stuhl von Helga Sonnentag. Die Visagistin hat ihr Studio am Donnerstag in die Nordenhamer Jahnhalle verlegt. Dort legt sie ein letztes Mal Hand an, bevor ihre „Kunden“ vor die Linse von Michael Stammwitz kommen. Kosmetik- und Fotostudio – zwei Angebote, die besonders gut ankommen bei den rund 300 Besuchern in der Jahnhalle, wo an diesem Donnerstag eine Job-Messe stattfindet.
Freie Stellen
Jobcenter, Arbeitsagentur und die Wirtschaftsförderung der Stadt Nordenham haben das Angebot gemeinsam auf die Beine gestellt. 16 Aussteller präsentieren sich an ihren Ständen, informieren über freie Stellen und über Ausbildungsmöglichkeiten. Arbeitsvermittler Udo Witpeerd freut sich über die gute Resonanz, die noch ein wenig besser ist als bei der Jahnhallen-Premiere vor zwei Jahren.
Längst sind es die Unternehmen, die bei der Suche nach Fachkräften und Auszubildenden aktiv und kreativ sein müssen, um nicht von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Nach den Worten von Udo Witpeerd ist aus dem Arbeitsmarkt ein „Arbeitnehmermarkt“ geworden. Die zahllosen Job-Angebote, die an einer Wäscheleine auf der Jahnhallen-Galerie aufgehängt sind, verdeutlichen dies. Wer über eine gute Ausbildung verfügt, dem rollen viele Unternehmen den roten Teppich aus. Und wer eine Ausbildung sucht, hat ebenfalls gute Chancen, fündig zu werden, wenn auch nicht immer im Traumberuf.
Bärbel Stührenberg, Geschäftsführerin bei Stührenberg Transporte, vertritt ein Unternehmen, das ebenfalls „händeringend“ nach Fachkräften sucht, vor allem in der Abteilung Erd- und Tiefbau. „Tiefbaufacharbeiter sind aber leider schwer zu finden“, sagt sie. Nach ihren Worten wird durch diesen Mangel das Wachstum gebremst. „Wir werden in Zukunft wohl verstärkt ausbilden müssen“, so Bärbel Stührenberg.
Bürojob beliebt
Eduard Oswald und Lilli Beußel machen Werbung für den Braker Standort von Niedersachsen Ports. Sie werfen die Angel nach jungen Leuten aus, die eine Ausbildung machen wollen. Gesucht werden vor allem Industriemechaniker. Wie Eduard Oswald mitteilt, war es früher leichter, geeignete Kandidaten zu finden. Er hat die Erfahrung gemacht, dass es den Auszubildenden zunehmend schwerer fällt, ihr schulisches Wissen in der Praxis anzuwenden. Lilli Beußel hat festgestellt, dass viele lieber ins Büro gehen. Es werde schwerer, Schulabgänger für einen Handwerksberuf zu begeistern.
Finja Laschke hat just ein Bewerbungsfoto machen lassen. Zufrieden hält sie den Ausdruck in der Hand. Die 21-Jährige will eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau machen, ist bisher aber noch nicht fündig geworden, obwohl sie schon 20 Bewerbungen verschickt hat. „Mit den neuen Fotos klappt’s vielleicht besser“, hofft die Burhaverin.
Udo Witpeerd freut sich, dass auch Flüchtlinge zur Messe gekommen sind. Er hat den Eindruck, dass bei der heimischen Wirtschaft die Türen für diese Menschen offen stehen. Voraussetzung sei aber, dass sie möglichst schnell die deutsche Sprache lernen.
