Friesoythe - Die Anfahrt nach Friesoythe war für Roland Stahn und Birte Adomat von der Planungsgesellschaft Grontmij GmbH, Bremen, nervenaufreibend. Im Gepäck hatten sie das Regionale Entwicklungskonzept (REK), mit dem sich die Region Soesteniederung für EU-Fördermittel aus dem „Leader“-Programm bewerben wollte. Die Frist für die Bewerbung endete am Montag. Nicht auszudenken, hätten sie etwa eine Autopanne gehabt.
Hatten sie nicht und so konnten sie im Kulturzentrum Wassermühle zehn Exemplare des fast 200 Seiten starken Werks inklusive digitaler Dateien an Ulrich Gloystein vom Amt für regionale Landentwicklung im Beisein der Bürgermeister der in der Region Soesteniederung vertretenen Kommunen sowie Vertreter von Institutionen übergeben. „Es ist geschafft“, freute sich Hubert Frye, kommissarischer Vorsitzender der Lokalen Arbeitsgruppe.
Frye gab sich zuversichtlich, bei dem zunächst einmal 2,4 Millionen Euro Budget im „Leader“-Projekt zum Zuge zu kommen, über das die Region weitgehend eigenständig entscheiden könnte. Dafür gibt es laut Ulrich Gloystein allerdings 51 Bewerbungen für 40 Regionen. Selbst wenn die Region Soesteniederung – dazu zählen die Städte Cloppenburg und Friesoythe sowie die Gemeinden Bösel, Cappeln, Emstek, Garrel, Molbergen und Saterland – darunter sein sollte, würden erst im zweiten Halbjahr 2015 Fördermittel fließen, informierte Gloystein.
„Ein starkes Image für eine starke Region“ ist das Konzept überschrieben. Der Titel macht ein großes Handlungsfeld deutlich: das Image der Region zu verbessern, sagte Roland Stahn. Die Region sei wirtschaftlich stark und erfolgreich, habe zugleich aber Herausforderungen etwa in der Entwicklung der Orte oder im Umweltbereich, so die Ergebnisse der zwei Zukunftskonferenzen und einer Online-Befragungen mit rund 230 Teilnehmern.
Die Defizite der Region, resultierend etwa aus der intensiven Tierhaltung, überwögen in der Außenwahrnehmung die touristischen Werte etwa mit der Thülsfelder Talsperre, stellte Stahn die Ergebnisse vor. Bemängelt wurde auch die mangelnde Erlebbarkeit der Soeste oder anderer Gewässer. In diesem Themenbereich sehen die Experten Handlungsbedarf auch in der Vernetzung touristischer Angebote. Diese sollten zudem barrierefreier gestaltet werden, um sie auch für Menschen mit Behinderungen erlebbar zu machen.
Nährstoffproblematik und Artenrückgang sind weitere Punkte auf der Handlungsagenda. Zudem sollen Zentren und Ortskerne gestärkt oder die medizinische Versorgung gesichert werden. Den Fachkräftebedarf sichern, die Frauenerwerbsquote erhöhen, die Breitbandanbindung ausbauen und das Image gemeinsam mit der Wirtschaft aufwerten – all dieses sind weitere Ziele.
2,4 Millionen Euro für all diese Ziele in den nächsten fünf Jahren – scheint nicht gerade üppig. Doch, so Stahn: Mit Zusage für dieses Leader-Programm könnten weitere EU-Fördermittel beantragt werden. Ob die Soesteniederung den Zuschlag erhält, entscheidet sich voraussichtlich im Mai.
