Januar
Grünen-Fraktionschef Sebastian Beer will das neue Jahr mit einem Imagewechsel beginnen. „Die Grünen sind ja jetzt eine Volkspartei, da müssen wir seriöser rüberkommen“, sagt Beer. Als erste Maßnahme verabschiedet er sich von seiner Mail-Adresse „Mutantenelchi“. Dann will er seinen Dauerstreit mit Filmfest-Macher Torsten Neumann beenden. „Aber nur, wenn er beim nächsten Festival auf den ökologisch unsinnigen Limousinenservice für die Stars verzichtet.“ Außerdem soll Neumann fürs Filmfestposter eine Kröte mit Krönchen küssen und zu Spenden für den Molchteich in Wechloy aufrufen.
Das Schlaue Haus kommt nur wenige Monate nach der Eröffnung in finanzielle Bedrängnis. Grund ist die Jahresrechnung der EWE. Eigentlich sollte das Haus ja Strom und Wärme selbst produzieren. Doch weil der Internetanschluss bisher nicht funktioniert, kann die moderne Technik nicht online gesteuert werden. Die ersatzweise provisorisch aufgestellten Nachtspeicheröfen haben Strom für 15 000 Euro gefressen.
Februar
Nach der Landtagswahl treffen sich die Spitzen von SPD und Grünen auf neutralem Grund, um angesichts des Wahlergebnisses auszuhandeln, welche Stillhalteabkommen in der Ratspolitik noch gelten und welche nicht. Als erstes wird der von der SPD seit langem beerdigte Plan auch offiziell begraben, die Gas- und Stromnetze für 50 Millionen Euro zu kaufen und eigene Stadtwerke zu gründen. Die SPD billigt den Grünen als Trostpflaster zu, eine städtische Carsharing-Agentur unter dem Namen „Stadtwerke“ zu gründen. Dafür werden zunächst mehrere Gutachten in Auftrag gegeben – natürlich nur von Gutachter-Büros, die keine eigenen Autos haben.
Oberbürgermeister Gerd Schwandner kommentiert das mit einem Achselzucken. Seit er nebenbei als „DJ Prof-Prof“ bei Silver-Nights in ganz Norddeutschland auflegt, ist er „echt tiefenentspannt“. Das zeigt sich auch beim Kohlessen in Berlin. Während Schwandner sonst stets zu den ersten Gästen gehörte, die die Feier Richtung Hotelbett verließen, ist er diesmal noch um fünf Uhr früh mit vollem Einsatz dabei. „Ich bin jetzt ein Feierbiest“, verrät der OB.
März
In Oldenburg wird immer mehr gerast. Seit die Stadt nicht mehr blitzt, ist die Verkehrsmoral schlagartig gesunken. Erste Stadträtin Silke Meyn begründet den Verzicht aufs Blitzen so: „Wir brauchen alle verfügbaren Mitarbeiter, um die Bettensteuer zu kontrollieren.“
CDU-Chef Olaf Klaukien kündigt ebenfalls einen Strategiewechsel an. Die Partei soll cooler werden und mehr Jüngere erreichen. Erste Maßnahme sind After-School-Partys mit „DJ Prof-Prof“. Außerdem müssen alle Fraktionsmitglieder bei den Ratssitzungen Jeans und T-Shirt tragen. „So werden wir auch für Grün-Wähler attraktiv“, meint Klaukien.
April
Zur Eröffnung der Weser-Ems-Halle kommt „Wetten, dass . . .“ nach Oldenburg. Dabei stiehlt Ex-Ratsfrau Jutta Bohne Cindy aus Marzahn mit einem gewagten Outfit die Show. Bohne verliert die Saalwette. Sie hatte darauf gesetzt, dass es nicht gelingen würde, alle Ratsherren in Baströckchen vor die Halle zu locken und dreistimmig als Kanon „Heil, Dir o’ Oldenburg“ zu singen.
Nach dem Winter sind die Straßen Oldenburgs kaum noch als solche zu bezeichnen. Überall Schlaglöcher. Die Grünen blockieren zunächst eine Freigabe der notwendigen Sanierungsgelder. Schließlich gelingt Stadtbaurätin Gabriele Nießen der Durchbruch. Für jede sanierte Straße lässt sie einen Streuparkplatz abbauen.
Mai
Bei der Sanierung des Olantis treten nach Ablassen des Wassers Schäden ungeahnten Ausmaßes zutage. Offenbar wurden die Kacheln im Schwimmbecken nur mit Pattex festgeklebt um Kosten zu sparen. Und in den Saunen waren die Thermometer manipuliert. Statt 95 Grad sei es dort nur 75 Grad heiß gewesen. Unterdessen wird aus Weil am Rhein gemeldet, dass Bäderchef Carl-Stephan Matti auch dort das Handtuch geworfen hat.
Juni
Auch das Olantis-Freibad muss geschlossen werden. Die Kosten für das Beheizen des Wassers seien zu hoch, teilt die Stadt mit. Der Sommer sei bisher einfach zu kalt. Protestierende Frühschwimmer demonstrieren nur in Badehosen bekleidet vorm Rathaus.
Für 250 000 Euro hat die Stadt einen autofreien Sonntag organisiert. Tatsächlich lassen die Oldenburger ihren Wagen stehen, was aber nicht am Aktionsprogramm liegt, sondern am Wetter. Alles radelt zu den Badeseen oder in die Natur. Vor der Bühne am Pferdemarkt herrscht hingegen gähnende Leere. Die Stadt weist jede Kritik an den Kosten zurück. Dank der vielen Bußgelder von Bettensteuer-Schummlern habe man genug Geld in der Kasse.
Juli
Um die Stimmung während der Sommerpause unter den Fraktionen zu verbessern, lädt der OB als „DJ Prof-Prof“ nicht nur zum großen Grillfest ein, sondern vor der Weser-Ems-Halle ruft er auch zum indischen Holi-Farbenfest auf. Kämmerin Silke Meyn muss Geld locker machen, damit die Tüten mit Farbpulver in Mengen gekauft werden können. Nur bei der Farbenlehre bleibt Schwandner klassisch: Die Grünen bekommen grünes Pulver, die SPD rotes Pulver und so weiter. Dann stimmt er am Mischpult alle auf das Farbenwerfen ein und verkündet auch gleichzeitig, dass nach Südafrika die Reihe Begegnungen nun mit Indien fortgesetzt wird. Jede Ratssitzung, so ordnet er an, beginnt mit dem großen Sonnengruß und anschließend wird gemeinsam Lach-Yoga gemacht.
Die Bahn sorgt mit einer überraschenden Ankündigung für Aufruhr. Alle Züge, die durch Oldenburg fahren sollen mit Lautsprecherwagen ausgerüstet werden. Um den Lärm der Züge zu übertönen werde man Musik spielen – tagsüber die Top-Hitparade, nachts Klassik. „Musik ist kein Lärm. Deshalb haben die Anwohner auch keinen Anspruch auf Lärmschutzwände“, begründet ein Bahn-Sprecher.
August
Die Wirtschaftsförderer aus der Stadt kommen wieder inspiriert aus Südafrika zurück. Sie wollen nicht nur noch mehr Sektempfänge besuchen, um besser zu netzwerken, sondern irgendwie grenzenloser kreativ denken. Als erstes soll an der Mühlenhunte Gold gewaschen werden. In nächtlicher Aktion werden schon mal Falschgoldkrümel verteilt, damit die Aktion besser anlaufen kann. Goldene Zeiten für die Stadt heißt der Slogan, mit dem man auch beim Städteranking noch besser abschneiden will.
Carl-Stephan Matti ist wieder in Oldenburg. Der ehemalige Olantis-Chef übernimmt den Abfallwirtschaftsbetrieb. „Als harter Sanierer kenne ich mich mit dem Sparen bestens aus“, begründet er den Wechsel ins neue Aufgabenfeld. Als erste Maßnahme wird die Müllabfuhr auf vierwöchigen Rhythmus umgestellt. „Das ist ausgesprochen bürgerfreundlich“, weist Matti jede Kritik zurück. „Die Oldenburger brauchen jetzt nur noch einmal pro Monat ihre Tonnen an die Straße zu stellen.“
September
Es wird darüber diskutiert, dass beim Filmfest alle auch Bettensteuer zahlen müssen. Schließlich ist das ja nicht wirklich ein berufliches, sondern eher privates Vergnügen, also wird Matratzen-Maut fällig. Die Bettenpolizei muss jede Menge Überstunden machen und nach den Partys kontrollieren, wer bei wem unter die Bettdecke schlüpft.
Oktober
Nachdem der Rat mit seiner kompromisslosen Forderung nach einer Bahnumfahrung das Planfeststellungsverfahren gesprengt hat, schließt Ammerlands Landrat Jörg Bensberg die Grenzen zur Stadt. Überlegungen der Bahnlärm-Initiativen von IBO und LiVe, unter Berufung auf alte Rechte des Erbgroßherzogs die für die Umfahrung notwendigen Gebiete der Gemeinde Rastede zu annektieren, scheitern am Veto der Grünen, die an ihrem pazifistischen Grundmuster festhalten.
Stattdessen verhängt die grün-schwarz-dunkelrote Ratsmehrheit einen Einfuhrzoll auf Ammerländer Schinken und Moorwurst.
Oktober
Grünen-Ratsherr Armin Frühauf legt sein zweites Buch vor – diesmal nicht als Herausgeber, sondern als Autor. Es trägt den Titel: „Ich“, was Frühauf damit begründet, dass er sich auf die wirklich wichtigen Dinge konzentriert habe.
November
Nach längerer Debatte beschließt der Rat mehrheitlich die Aufstellung des Reiterstandbildes von Graf Anton Günther auf dem Pferdemarkt. Die Zustimmung der Grünen zum SPD-Vorschlag erfolgt, nachdem die Verwaltung erklärt hat, dass das Denkmal dort den Raum von vier öffentlichen Streuparkplätzen verbraucht.
Nach langer Zeit gibt es für die Narren am 11.11. wieder einen offiziellen Empfang im Rathaus. Karnevalsprinz Hanfried I. hatte dies mit einem schlauen Schachzug eingefädelt als er „DJ Prof-Prof“ für die Feier verpflichtete.
Dezember
Nach einem plötzlichen Wintereinbruch versinkt Oldenburg im Schnee. AWB-Chef Matti hat kein Salz zum Streuen. „Unsere Vorräte haben wir mit ordentlichem Gewinn nach Österreich verkauft“, erklärt er. Die Oldenburger sollten sich nicht über die nicht geräumten Straßen aufregen, sondern im Zweifel auf Skiern zu Arbeit fahren. „Das schont auch noch die Umwelt“, meint Matti.
Im Schlauen Haus laufen immer noch die Nachtspeicheröfen. Uni-Präsidentin Babette Simon will das nicht länger hinnehmen. Sie kündigt eine Expertenkommission an, die darüber beraten soll, wer wann endlich den notwendigen Wlan-Router installiert. Als 1. Tagungstermin für die Runde wird der 15. März 2014 festgelegt.

