Oldenburger Land - Mit der wirtschaftlichen Lage ist 2023 auch der Arbeitsmarkt im Oldenburger Land abgekühlt. Hier waren im Jahresschnitt rund 33.400 Menschen arbeitslos, das waren 9,4 Prozent mehr als noch 2022. Zudem schrieben die Unternehmen weniger Stellen aus, wie aus den jetzt veröffentlichten Daten der regionalen Arbeitsagenturen hervorgeht. Gleichzeitig hatten beispielsweise in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta deutlich mehr Menschen einen Job als noch vor der Corona-Pandemie. Mehr Arbeitslose und mehr Beschäftigte – wie passt das zusammen? Der regionale Arbeitsmarkt im Überblick:
Die Ausgangslage
„2023 haben wir noch immer die Folgen der Pandemie, der Energiekrise sowie auch die Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine gespürt“, sagt Dr. Thorsten Müller, der die Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven leitet. Auch die schlechtere wirtschaftliche Lage mit gestiegenen Preisen und Materialengpässen habe sich durchgeschlagen.
Gleichzeitig wird in manchen Branchen händeringend nach Fachkräften gesucht. Und für die geburtenstarken Jahrgänge der sogenannten Babyboomer rückt der Renteneintritt näher. Die meist hohe Arbeits- und Fachkräftenachfrage in den Unternehmen habe auch 2023 dazu beigetragen, dass der regionale Arbeitsmarkt trotz der anhaltenden Wirtschaftsflaute weitgehend robust gewesen sei, erklärt die Leiterin der Agentur für Arbeit Vechta, Tina Heliosch. Für ihren Bezirk meldet sie sogar einen neuen Höchststand an Beschäftigten.
Mehr Beschäftigte
Im Oldenburger Münsterland ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bis zur Jahresmitte um 755 auf rund 150.400 Menschen gestiegen. Damit lag die Beschäftigung um 7,1 Prozent über dem Niveau von 2019, also vor der Corona-Pandemie und der Energiekrise. Wesentlich zum Wachstum beigetragen haben laut Tina Heliosch ausländische und ältere Beschäftigte. Zudem arbeiteten mehr Menschen in Teilzeit. Und auch mit Blick auf das laufende Jahr zeigt sie sich zuversichtlich: „Auch wenn es für alle erstmal nicht leichter wird, ist insgesamt kein anhaltender Einbruch zu erwarten. Der Trend zum Ausbau der Beschäftigung hält an.“
Diese Einschätzung deckt sich mit einer Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit erwartet für die Landkreise und kreisfreien Städte im Oldenburger Land und in Ostfriesland, dass in diesem Jahr sowohl die Beschäftigung als auch die Arbeitslosigkeit leicht wachsen werden. So dürften auch aufgrund des Ukraine-Krieges weitere Menschen nach Deutschland flüchten und erst mit der Zeit ins Erwerbsleben kommen.
Auswirkungen des Ukraine-Krieges
Allein im Bezirk der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven waren Ende 2023 fast 4000 arbeitssuchende Ukrainerinnen und Ukrainer gemeldet, von denen rund 2300 nicht als arbeitslos galten, weil sie beispielsweise Sprachkurse oder Weiterbildungsangebote besuchten. „Die Integrationschancen ukrainischer Schutzsuchender sind günstig“, erklärt eine Sprecherin der Arbeitsagentur auf Nachfrage. Das liege auch an einem vergleichsweise hohen Bildungs- und Qualifikationsniveau und einem starken Wunsch zu arbeiten. Allerdings gebe es auch einen hohen Anteil an geflüchteten Frauen, die hierzulande vorübergehend alleinerziehend und damit stark durch die Kinderbetreuung gebunden seien. Auch Sorgen um Familienangehörige in der Ukraine spielten eine Rolle.
Mehr jüngere Arbeitslose
Die schwächere Konjunktur hat auch bei den Menschen unter 25 Jahren zu einer höheren Arbeitslosigkeit geführt. Bei dieser Gruppe seien aber auch Spätfolgen der Pandemie zu erkennen, erklärt die Sprecherin der Arbeitsagentur. Während der Corona-Lockdowns waren jüngere Menschen eher in der Schule geblieben und hatten seltener eine Ausbildung begonnen, weil Praktika und Berufsorientierung fehlten. „Diese jungen Menschen haben nun oft die Schule beendet und sind nun auf dem Arbeits- beziehungsweise Ausbildungsmarkt zu finden.“
Ausblick auf 2024
Die IAB-Forscher gehen davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen im Agenturbezirk Oldenburg-Wilhelmshaven in diesem Jahr um 3,5 Prozent auf 26.700 Menschen und die Zahl der Beschäftigten um 0,1 Prozent auf 294.200 steigen wird. Für die Landkreise Cloppenburg und Vechta erwarten sie ein Plus um 0,7 Prozent auf 151.800 Beschäftigte und zeitgleich einen Anstieg um 2,6 Prozent auf 8000 Arbeitslose.
