Sandkrug - Urlaubsfahrten, die von Landfrauen organisiert werden, so glaubt mancher, führen in den Harz, vielleicht auch noch über die Grenze in die Niederlande.
Die Sandkrugerin Maren Meyer, stellvertretende Vorsitzende des Landfrauenverbandes Weser-Ems und Mitglied der Streeker Landfrauen, muss seit einigen Wochen bei vielen Landfrauen-Treffen von einem ganz anderen Reiseziel berichten.
Gemeinsam mit zehn anderen Frauen und einem Mann war sie 13 Tage im Iran unterwegs. Parvin Hemmecke-Otte, Vorsitzende der Braunschweiger Landfrauen, stammt aus dem Iran. Sie war im Februar bei den Streeker Landfrauen zu Gast und berichtete über ihr Heimatland. „Dann hat sie von einer Reise erzählt, die sie anbieten wollte“, erinnert sich Meyer, die gemeinsam mit Tochter Wiebke die Chance sofort nutzte.
Wieder zurück in Deutschland berichtet die 57-Jährige viel von ihren Erfahrungen. „Die Perser legen sehr viel Wert auf Bildung, auch für die Frauen“, erzählt sie. Zwar gelten strenge Kleidervorschriften, im Vergleich zu einigen arabischen Ländern könnten sich die Frauen im Iran aber viel freier bewegen. Die Gruppe sei überall freundlich aufgenommen worden, sagt Meyer, andererseits gehörte Überwachung für die Gäste ebenso wie für die Iraner selbst zum Alltag. „Der Reiseunternehmer musste unsere Route genau festlegen und die Einhaltung dokumentieren“, erzählt sie. Genau wie die Gäste sind auch die Bewohner ständig unter Beobachtung. „Sagen darf man eigentlich alles“, hat Meyer erfahren, „es wird erst schwierig, wenn man etwas gegen den Staat unternimmt“.
Viele Iraner übten sich deshalb in stiller Opposition. „In die Moschee zu gehen, gilt als Unterstützung für die Regierung, deshalb beten viele Leute zu Hause“, sagt sie. Die Menschen im Iran suchten den Kontakt zur Welt und zum Westen, gleichzeitig spürten sie schmerzhaft die Sanktionen gegen ihre Regierung.
„Zu Großdemonstrationen werden Staatsbedienstete, Studenten und Schüler verpflichtet“, hat die Landfrau erfahren, während ihres Aufenthalts im September erregte ein Islam-kritisches Video Proteste in vielen islamischen Ländern – auch im Iran.
Mindestens ebenso wie die Kultur hat Meyer aber die Landschaft, die Architektur und die Geschichte des Landes fasziniert. „Wir sind 2200 Kilometer gefahren, zum Teil auf der Seidenstraße, die meiste Zeit durch die Wüste“, erzählt sie. „Und dann findet man wunderschöne Moscheen, mit kühlenden Wasserläufen und Gartenanlagen.“ Das knappe Wasser wird auch zur Produktion von wichtigen Exportgütern wie Safran, Datteln, Feigen und Mandeln gebraucht.
Eine Erfahrung hat Maren Meyer aber ganz besonders aus dem Iran mitgenommen: „Die Menschen dort sind ganz anders, als wir uns das hier vorstellen“, sagt sie, und das gilt auch für die Reiseziele von Landfrauen.
