Neustadt - Es ist eine Tragödie, die sich von Donnerstag auf Freitag auf der Weide an der Neustädter Straße zugetragen hat. „Ich bin am Freitag um 11.30 Uhr zur Schafherde gefahren, um nach dem Rechten zu schauen. Was ich dann gesehen habe, das werde ich in meinem Leben nicht mehr vergessen. Zu Dutzenden lagen die Tiere tot im zwei Meter breiten Graben – sie sind auf der Flucht ertrunken“, sagt Alke Feise-Addicks im Gespräch mit der NWZ.
Seit sieben Jahren züchtet die 50-Jährige in Neustadt mit großem Erfolg Zwartbless-Schafe. „Mein Lebensgefährte Gerard Luten und ich haben mit zwei Schafen begonnen. Bis Donnerstag hatten wir eine Herde von 44 Schafen. „26 sind jetzt ertrunken, ein Tier wird noch vermisst“, sagt Feise-Addicks.
Die Tiere, die ein bis drei Jahre alt waren, grasten in aller Ruhe auf der Weide Nummer 5 an der Neustädter Straße. Die Weide wird auf einer Seite von einem Elektrozaun, auf zwei Seiten von einem Maschendrahtzaun und auf einer Seite von dem zwei Meter breiten Graben begrenzt.
In Panik in den Graben
Eines steht für Alke Feise-Addicks unzweifelhaft fest. Die Tiere sind in Panik geraten und geflüchtet. Dabei ist ein Großteil der Herde im Graben ertrunken. „Einige Tiere konnten sich vermutlich nur retten, weil sie über die ertrunkenen Tiere auf die Nachbarweide gelangen konnten. Sie haben die toten Tiere vermutlich als Brücke benutzt“, sagt die Schäferin aus Neustadt. Sie wird diesen schwarzen Freitag vor dem 3. Advent wohl nie vergessen. Am Sonnabend in der Früh ist sie schweißgebadet aufgewacht. Allein den Tierschaden veranschlagt sie mit mindestes 9000 Euro.
„Es sind zahlreiche Muttertiere verendet. Die Lämmer hätten in vier Wochen das Licht der Welt erblickt“, sagt Feise-Addicks, die jedes ihrer Tiere ganz genau kennt. Jedes Schaf trägt zum einen eine amtliche Ohrmarke und zudem ein Nummernhalsband. Einige Schafe haben bereits einen Kosenamen wie „Eumel“ oder „Nuckelchen“ erhalten.
Ob streuende Hunde oder Wölfe die Schafe in Panik versetzt haben, ist ungeklärt. Klar ist aber, dass unterdessen auch der Wolfsberater der Wesermarsch, Franz-Otto Müller, eingeschaltet wurde. Er hat zahlreiche Proben gesammelt, Tatort-Fotos gemacht und zum Wolfsbüro nach Hannover geschickt. „Die DNA-Tupferproben werden am Senckenberg-Institut ausgewertet. Bis die Ergebnisse vorliegen, werden wohl noch Wochen vergehen“, sagt Müller im Gespräch mit der NWZ .
Er weist daraufhin, dass es in der Wesermarsch in diesem Jahr bereits der vierte Übergriff auf Tiere sei. Bei zwei Übergriffen auf dem Elsflether Sand sowie in Wehrder habe man zweifesfrei klären können, dass es kein Wolf war, der die Tiere gerissen hat.
4. Übergriff des Jahres
Der neue Fall in Neustadt sei jetzt darauf konkret zu prüfen. Wo das noch vermisste 27. Zwartbless-Schaf abgeblieben ist, konnte Müller nicht erklären. „So ein Schaf wiegt 80 Kilogramm. Und Schleifspuren konnten wir am Tatort jedenfalls nicht erkennen“, sagt der Wolfsberater.
