Nordenham - Die verwitterte Inschrift ist kaum noch zu entziffern. Auch das Emblem auf der Vorderseite hilft bei der geschichtlichen Zuordnung des grau-grünen Steinklotzes nicht so recht weiter. Wer weiß schon, dass sich hinter dem verzierten Kronen-Ornament die Insignien des Königreiches Dänemark verbergen? Die meisten Spaziergänger, die im Friedeburg-Park auf das Relikt aus der Dänenzeit stoßen, können nicht ahnen, dass es sich dabei um einen 271 Jahre alten Sielstein handelt. „Hier ist der historische Bezug nicht zu erkennen“, sagt Jürgen Keup. Daher möchte er das geschichtsträchtige Exponat aus seinem Schattendasein in der Atenser Parkanlage befreien und es dort aufstellen, wo es herkommt: am Flagbalger Sieltief.
30 Vereinsmitglieder
Sein großes Interesse an der Stadt- und Regionalgeschichte hatte Jürgen Keup 2006 dazu veranlasst, mit einigen Mitstreitern den Förderverein ehemaliger Kulturgüter Nordenham aus der Taufe zu heben. Ihr wichtigstes Ziel war der Wiederaufbau des Schützfelder Tores an der Bernhardstraße. Seit diesem Vorhaben, das 2007 vollendet wurde, ist es ruhig um den 30 Mitglieder zählenden Verein geblieben. Inzwischen sind sich die Kulturgut-Förderer darüber einig, dass sich der damalige Gründungszweck überholt hat. Aber bevor sie ihren Zusammenschluss ganz auflösen, wollen sie noch ein Projekt auf den Weg bringen und dafür die verbliebenen Vereinsgelder verwenden.
Bei der Suche nach einer geeigneten Maßnahme, die auch zu den finanziellen Möglichkeiten des Fördervereins passt, fiel die Wahl auf den alten Sielstein. In einer Mitgliederversammlung reifte die Idee, den 3,35 Meter langen und 1,04 Meter hohen Stein zu restaurieren und ihn in die Nähe des Flagbalger Sieltiefs zu versetzen.
„Da kommt er her, da gehört er hin“, betont Jürgen Keup. Deswegen hält er auch nichts von der Anregung des Rüstringer Heimatbundes, das Dänenzeit-Relikt lieber in dem Park hinter dem Nordenham-Museum aufzustellen. Stattdessen möchten die Kulturgut-Förderer den Stein „gut sichtbar“ auf einer Grünfläche an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße/Sielstraße platzieren. Als Unterbau wollen sie ein Betonfundament und einen Sockel aus Klinkern errichten. Das Podest soll etwa 50 Zentimeter hoch werden.
Von dem neuen Standort verspricht sich der Förderverein eine erhöhte Aufmerksamkeit für das Kulturdenkmal und damit für die Bedeutung des Sielbaus. „Vieles verfällt, weil sich die jüngeren Generationen wenig Gedanken über die Geschichte machen“, sagt Wolfgang Odenbach. Daher hat er sich entschlossen, bei dem Vorhaben mit anzupacken und das Fundament für den neuen Sielsteinplatz anzufertigen.
Standort-Diskussion
Im Nordenhamer Rathaus ist die Standortfrage nicht unumstritten. Grundsätzlich stoßen die Pläne des Fördervereins zwar auf Zustimmung, aber gegen die künftige Lage an dem Verkehrsknotenpunkt gibt es Einwände. Mit dem Für und Wider der Umsetzung hat sich jetzt der Bauausschuss des Stadtrates befasst. Letztlich gab das Gremium grünes Licht für den Wunsch-Standort des Fördervereins, der in dieser Frage auch nicht kompromissbereit war. Ergänzend will die Stadt Nordenham dafür sorgen, dass auf dem Rasen eine gepflasterte Fläche angelegt und eine Informationstafel aufgestellt wird. Auch eine Beleuchtung soll installiert werden.
Nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Jürgen Keup ist vorgesehen, den Stein noch in diesem Jahr umzusetzen. Auf eine aufwendige Restaurierung kann der Verein verzichten. Laut Denkmalschutzbehörde reicht es aus, wenn das gute Stück gesäubert wird.
