Cloppenburg - „Wenn es keine solche Gruppe gäbe, würde ich noch heute eine gründen“, zeigt sich Renate Deters im Gespräch mit der NWZ überzeugt. Wer die agile 66-Jährige trifft und sich mit ihr unterhält, der zweifelt nicht an ihren Worten. Denn die Kontaktgruppe für Menschen, die an Multiple Sklerose (MS) erkrankt sind, ist für sie mehr als einfach nur ein Zusammenschluss. Die Gruppe ist eine Gemeinschaft mit einer ganz eigenen Dynamik, in der Herzlichkeit, Interesse und Freundschaft Platz finden.
Knapp 30 Jahre war die gebürtige Cloppenburgerin Renate Deters die Leiterin der Gruppe, nun gab sie die Verantwortung in die Hände von Mechthild Carmichael. „Und das sehr gerne, Frau Carmichael ist in die Aufgabe hineingewachsen, und es ist Zeit, dass Jüngere die Leitung übernehmen.“
Schwer ist ihr der Schritt nicht gefallen, sagt sie, dabei wurde die Gruppe 1987 von ihr gegründet. Zu diesem Zeitpunkt lebte die Cloppenburgerin bereits seit zwei Jahren mit der Diagnose Multiple Sklerose und besuchte regelmäßig eine MS-Selbsthilfegruppe in Quakenbrück. Als sie ermuntert wurde, mutig voranzugehen und in Cloppenburg eine eigene Gruppe zu gründen, stellte sie sich der Herausforderung. „Leicht war es nicht“, räumt sie auf Nachfrage ein. Es galt, ein barrierefreies Gebäude zu finden, und auch ein Fahrdienst musste organisiert werden, doch die Gründung klappte. „Sieben bis acht waren wir zu Beginn.“
Im Laufe der Zeit warb Renate Deters mit Nachdruck beim Landkreis und beim DRK um Unterstützung – mit Erfolg. Ein Fahrdienst wurde organisiert, die Finanzierung gesichert. Die Gruppe setzte sich für mehr Barrierefreiheit in der Stadt Cloppenburg ein, ging in Schulen und klärte über die Krankheit und ihre Folgen auf. Unterstützung erfuhren Betroffene wie Angehörige auch durch den Lions-Club, den ehemaligen Kneipp- und heutigen Verein für Breitensport und zahlreiche weitere Sponsoren.
Sie ermöglichen unter anderem noch heute, dass die Familienfreizeit für die Erkrankten und ihre Familien Jahr für Jahr realisiert werden kann. Auszeichnungen erfuhr Renate Deters unter anderem durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande und Ehrungen durch die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft.
Heute besuchen 30 bis 35 MS-Erkrankte und ihre Angehörigen die Treffen der Kontaktgruppe. Die Alterspanne reicht von 22 bis 78 Jahre. Mal gibt es Vorträge, mal wird geplaudert. Auch wenn Renate Deters die Verantwortung in jüngere Hände legt, „der Gruppe bleibe ich treu“.
