Oldenburg - Im Besprechungszimmer der Firma HS 42 an der Wilhelmshavener Heerstraße hängt ein Poster, das einen Mountainbiker vor einem gigantischen Wasserfall zeigt. Darunter steht: „Für viele ist der Weg am ersten Hindernis zu Ende. Für Erfolgreiche fängt er jetzt erst an.“ Horst Sudholz (58) und sein Kompagnon Dieter Müller (48) suchen solche Herausforderungen – zwar nicht als Extremsportler, aber als Tüftler in den Bereichen der Mechatronik und Elektronik. Neue Wege zu finden bei der Entwicklung, Konstruktion und Umsetzung von Produkten, ist das Metier der beiden Diplom-Ingenieure. „Wir übernehmen Projekte in jeder Größe“, sagt Sudholz.
Ohne Kabel und Stecker
Ein wichtiger Kunde ist die Automobilindustrie: Einen internationalen Innovationspreis hat HS 42 für ein Lenksäulenmodul gewonnen, das im BMW 1er verwendet wird. So wurde die Schaltereinheit für Blinker, Wischer, Tempomat und Licht völlig neu entwickelt. Herzstück ist eine flexible Leiterplatte, die weitere Bauteile wie Kabel oder Stecker überflüssig macht. Für Daimler Chrysler haben Sudholz und Müller einen Gangwahlschalter konstruiert, für den Audi A8 ein Notrufmodul. Für die Firma Hella wurde ein spezieller Nottrennschalter für Batterien entwickelt. In der Automobilindustrie kommen weitere innovative Lösungen „made in Oldenburg“ zum Einsatz: Zum Beispiel ein Hochtemperatursensor für die Motorsteuerung oder eine Membranpumpe für die Scheinwerferreinigung.
Auch die Medizintechnik profitiert von der HS 42-Ideenschmiede: In Krankenhäusern wird die Rohrpostbüchse „Smart Open“ verwendet, die das Team von Sudholz und Müller für die Firma „Swisslog“ so konstruiert hat, dass das automatisierte Be- und Entladen – beispielsweise beim Versand von Laborproben – erleichtert wird. Im Auftrag eines Kunden aus Nordenham haben sie eine Massageliege aus Naturholz für Schwimmbäder optimiert: „Wir haben eine Methode entwickelt, die einen Ausgleich für Materialverformungen bei wechselnder Luftfeuchtigkeit schafft“, sagt Sudholz.
Und auch im ganz normalen Haushalt sind von ihm ersonnene Ideen zu finden, die das Leben leichter machen. Für Melitta wurde eine Verschiebeplattform entwickelt, mit der sich hochwertige Kaffee-Vollautomaten besser bedienen lassen. Für ein Hamburger Designbüro entstand ein Klappbuggy, der in Gewicht und Maßen den im Flugzeug geltenden Handgepäck-Vorschriften entspricht. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, denn bei Sudholz und Müller gibt es für (fast) alles eine Lösung. Daher auch der Firmenname HS 42, der nicht nur Sudholz’ Initialen, sondern auch ein Zitat aus dem Science-Fiction-Klassiker „Per Anhalter durch die Galaxy“ enthält: „42“ hat darin ein Computer als Antwort auf die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ errechnet.
Internationale Kunden
Die Kundenkartei ist international besetzt: So werden derzeit für das US-amerikanische Kommunikationsunternehmen Avaya Prototypen von Gehäusen für Telefonanlagen gebaut. „Viele Kontakte ergaben sich durch Mundpropaganda“, weiß Tatjana Metzger (29), die bei HS 42 im Vertrieb und in der Produktentwicklung arbeitet. Die langjährige Erfahrung zahlt sich ebenfalls aus: Horst Sudholz hatte sich schon 1999 mit einem Konstruktionsbüro selbstständig gemacht. 2002 kam Dieter Müller mit seiner Frau Ulrike als Partner hinzu. 2010 wurde die Firma in „HS 42 Sudholz und Müller Partnerschaft“ umgetauft.
Angefangen hatte man zu dritt, heute platzt der Betrieb mit 22 Mitarbeitern aus allen Nähten. Die Stammbelegschaft wird ergänzt durch Bachelor-Absolventen wie den türkischen Medizintechnik-Studenten Ugur Hayran, der hier ein Praxissemester absolviert. „Wichtig ist, dass sich alle wohlfühlen. Die Mitarbeiter sind unser Kapital“, betont Ulrike Müller (49), die sich hauptsächlich um das Personal kümmert. Strenge Hierarchien gibt es nicht, alle duzen sich.
Für die räumliche Enge hat die Firma übrigens auch eine Lösung gefunden: Möglichst noch im November will man in einen Neubau im Gewerbegebiet am Patentbusch ziehen – gerade wurde Richtfest auf der Baustelle gefeiert. Hier wird künftig an einem langfristigen Ziel getüftelt. Ulrike Müller: „Wir können uns vorstellen, auf 50 Mitarbeiter zu kommen.“
