Berlin - Angesichts des Booms des Online-Handels warnen die Kommunen vor einer Verödung der Innenstädte, vor allem in Mittel- und Unterzentren. „Bis zu 50 000 Läden sind in Gefahr!“, erklärte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, am Dienstag im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion.

„Leere Schaufenster in unseren Innenstädten führen zu einer Abwärtsspirale, die Zentren verlieren an Attraktivität. Dieser Entwicklung muss aktiv gegengesteuert werden, denn die Innenstadt ist das Gesicht einer Stadt und die Visitenkarte gegenüber Besuchern und Touristen.“

Bei den Ladenöffnungszeiten sollten die Länder den Kommunen einen größeren Entscheidungsspielraum einräumen. „Zwar schafft eine Verlängerung von Ladenöffnungszeiten allein noch keine Revitalisierung der Innenstädte, jedoch kann sie zusammen mit Einzelhandels- und Stadtmarketingkonzepten, die die Kommunen zusammen mit dem Handel aufstellen, ein wichtiger Mosaikstein sein“, sagte Landsberg. Allerdings sind die Ladenöffnungszeiten in Deutschland in den meisten Bundesländern weitgehend freigegeben worden. Gesetzliche Vorgaben für den Ladenschluss an Werktagen gibt es lediglich in Bayern, Rheinland-Pfalz und Sachsen.

Von den bestehenden Möglichkeiten zur Ladenöffnung an Abenden während der Woche, sonnabends sowie sonn- und feiertags machen die Geschäfte in sehr unterschiedlichem Maße Gebrauch.

Nach Auffassung des Gemeindebundes muss sich der stationäre Handel auf seine Stärken besinnen. „Der Einkauf in der Innenstadt muss zum Erlebniseinkauf werden, der zum Beispiel durch Angebote zur Kinderbetreuung, durch Ruhe- und Kommunikationsräume oder durch ausgefallene Verkaufsaktionen abgerundet wird“, so Landsberg.


Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert flexiblere Ladenöffnungszeiten. Der Online-Handel sei schließlich 24 Stunden sieben Tage die Woche geöffnet. „Die Regelungen müssen mehr Spielräume für unternehmerische Entscheidungen bieten. Die Händler wissen selbst am besten, wann es sich rechnet zu öffnen“, erklärte Stefan Genth, HDE-Hauptgeschäftsführer, im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion.