Oldenburg - Bei der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) steht im Herbst die Neuwahl der Hauptversammlung für die Periode 2016 bis 2020 an. Bis zum Beginn des eigentlichen Wahlvorgangs im September ist es noch ein weiter Weg. Aktuelle Herausforderung: In der Wirtschaft des Oldenburger Landes werden Frauen und Männer gesucht, die kandidieren möchten. Es geht um 71 Sitze im „Parlament der Wirtschaft“.

„Mein Appell ist ganz klar, sich zur Wahl zu stellen“, sagte IHK-Ehrenpräsident Dr. Karl Harms aus Jever in einem Gespräch. Er habe sich schon 35 Jahre in IHK-Gremien engagiert. Dies habe die Chance geboten, „vieles mit zu bewegen“. Harms, der von 2002 bis 2011 auch Präsident war, nannte als Beispiele die Bereiche Infrastruktur, Häfen, Einzelhandelskonzepte und den IHK-Kernbereich der Ausbildung.

Bis zum 26. Mai können sich interessierte Persönlichkeiten aus dem Kreis der 66 000 zur IHK gehörenden Betriebe bei der Kammer für eine Kandidatur melden.

Harms appellierte speziell auch an Frauen: „Wir wollen versuchen, die Zahl der Frauen in der nächsten Vollversammlung zu erhöhen“. Als Zielmarke sei von dem aktuell amtierenden Gremium 25 Prozent formuliert worden. Gegenwärtig sind es zehn Prozent (sieben von 71 Sitzen). Insgesamt seien viel zu wenig Frauen in Führungspositionen, meinte Harms. Das sei aus gesamtwirtschaftlicher Sicht „schon fast fahrlässig“.

Konkret hat die Kammer unter anderem Kontakt zu Organisationen aufgenommen, in denen Unternehmerinnen und Gründerinnen sich organisieren. Auch direkt seien Frauen aus der Wirtschaft schon angesprochen worden.


Auch IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Peters betonte die Bedeutung der Vollversammlung und aus ihr hervorgehender Fachausschüsse und Regionalbeiräte für die wirtschafts- und regionalpolitische Positionierung der Oldenburgischen IHK. Diese bekomme durch das „Parlament der Wirtschaft“ letztlich die Legitimation. Zudem stimmten die Vollversammlungsmitglieder auch über den Haushalte und Gebühren (wie Entgelte in der Berufsbildung) ab. Und aus ihr gingen Präsident und sieben Vizepräsidenten (zurzeit alles Männer) hervor.

Die in Kürze zu wählende Vollversammlung solle möglichst ein „Spiegelbild“ der regionalen Wirtschaft sein, erläuterte IHK-Geschäftsführer Theo Hünnekens. Deshalb würde auch die Verteilung der Sitze auf die einzelnen Branchen (Wahlgruppen) stets leicht verändert. Ein aktueller Trend: Immer mehr Dienstleistungen, auch unternehmensnahe Dienstleistungen.

Aber die Kammer appelliert nicht nur an potenzielle Kandidaten. Sie möchte auch die Wahlbeteiligung steigern: Sie lag zuletzt bei nur zwölf Prozent (davor 14 und 15 Prozent). Ein Grund wird darin gesehen, dass zahlreiche IHK-Mitglieder eher „kammerfremd“ seien – wie etwa Privatleute, die für ihre Solaranlage ein Gewerbe anmelden und automatisch (Zwangs-) Mitglied in der IHK werden.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)