Oldenburg - Man kann es so sehen: Ein Flachdachbau aus den 70ern, hellbraun verklinkert, energetisch naja, seit dem Bau wenig dran gemacht. Oder so: 180 Quadratmeter Wohnfläche, gut geschnittene Räume, unverbaubarer Blick in die Haarenniederung, ruhige Lage und doch in zehn Minuten per Rad in der Stadt.

Familie Koesler neigt der zweiten Sichtweise zu – und hat das Haus am Bremersweg gekauft. Da auch die erste Sichtweise ihre Berechtigung hat, nutzte die Familie die geförderte Sanierungsberatung der Stadt und ging mit Architekt Hannes Spille die Substanz des Hauses durch. Am Ende standen für Koesler 75 Euro für den Sanierungscheck – und errechnete Kosten von rund 75 000 Euro für die energetische Sanierung. Immerhin haben die bisherigen Bewohner 230 Kilowattstunden Heizenergie pro Jahr und Quadratmeter verbraucht. Da muss sich was tun.

„Häuser aus den 70ern sind von der Bausubstanz nicht per se schlecht“, sagt Spille. Dennoch hätten sie Eigenheiten. „Die erste Wärmeschutz-Verordnung gab es erst 1978“, ergänzt Michaela Hechsel vom Fachdienst Umweltmanagement der Stadt. Als das Haus in Bloherfelde gebaut wurde, war die erste Ölkrise noch weit. Energetisch bauen, daran dachte kaum jemand – im Dach des Hauses in Bloherfelde wurden dennoch schon zehn Zentimeter Glaswolle verbaut. Der Sanierungsbedarf ist dennoch erheblich. „Es ist uns aber auch ein Anliegen, das Haus energetisch zu sanieren“, sagt Andreas Koesler (44). Allerdings: „Wir wollen keine Tupperdose“, sagt er. Das Haus soll nicht luftdicht verpackt werden. Dennoch habe sich die Familie für eine Lüftungsanlage ausgesprochen „Wegen der Wärmerückgewinnung. Das gefällt uns.“

Weitere Einzelheiten für die Sanierung liefert Spille: Was dem Fachmann zuerst ins Auge fällt, ist das „Kaltdach“. Das bedeutet: Das Flachdach ist unterlüftet, damit aus dem Haus kommende Feuchtigkeit mit dem Luftstrom abtransportiert werden kann. Aus energetischer Sicht wäre es am besten, das ganze Dach zu dämmen – wenn sich die Besitzer nicht die Option offenhalten wollten, das Haus später aufzustocken. Auch dafür gibt es Lösungen: Es wird von unten gedämmt, die Unterlüftung beibehalten. Übrigens: Architekt Spille sieht das Flachdach gelassen. Heute müsse niemand befürchten, dass es immer wieder zu Lecks komme, unter denen viele Bewohner von Bungalows aus den 70ern litten: „Es gibt heute viel bessere Materialien.“ Man müsse sich um Flachdächer mehr kümmern, aber sie seien auch sehr viel billiger als Pfannendächer.

70er-Jahre-typisch sei der Kriechkeller des Hauses, in dem die Ver- und Entsorgungsleitungen verlaufen. „Das macht die Dämmung der untersten Geschossdecke sehr viel einfacher“, sagt Spille. Bei der Dämmung der Außenwand setzen Spille und Koesler auf eine Hohlwanddämmung, wenngleich der Zwischenraum im zweischaligen Mauerwerk eher schmal ist. Zudem gibt’s neue Fenster.


„Wir werden keinen Niedrigenergie-Standard erreichen, aber eine Einzelmaßnahmenförderung durch die KfW“, sagt Architekt Spille. Gut ist: Die Heizung wurde bereits erneuert. Koeslers spielten mit der Idee, eine Wärmepumpe zu nutzen, doch Spille war skeptisch: Wegen des Strombedarfs würde sich das nur lohnen, wenn man den Strom per Photovoltaik selbst erzeuge. Nun wird die bestehende Brennwert-Heizung durch Solarthermie auf dem Dach unterstützt.

Kein Energiethema, aber in den 70ern – absichtlich? – mit Weitblick geplant: Das Haus hat keine Treppe, ist somit barrierefrei und öffnet sich mit viel Glas zum Garten.