Frankfurt/Berlin - Der drohende Pilotenstreik bei der Lufthansa hat bereits vor Beginn an diesem Mittwoch die Reisepläne vieler Fluggäste durchkreuzt. Europas größter Luftverkehrskonzern musste wegen des bis Freitag angekündigten Ausstands nahezu das komplette Flugprogramm absagen. 425 000 Reisende wurden auf andere Verkehrsmittel umgebucht oder auf spätere Termine vertröstet.
Am Dienstag lief der Streik bereits mit großer Wucht auf die Passagiere zu. 67 Flüge, zumeist Fernflüge, die am Mittwochmorgen in Frankfurt oder München landen sollten, sagte die Lufthansa bereits am Dienstag ab.
Eine kurzfristige Einigung wurde von beiden Seiten als unwahrscheinlich bezeichnet. Ohnehin sei der Schaden für das Unternehmen bereits eingetreten, sagte Lufthansa-Sprecherin Barbara Schädler dem ZDF. Ein so kompliziertes Netzwerk mit so vielen Flügen könne man nicht innerhalb eines Tages „hoch- und runterfahren“.
Lufthansa hatte auf die Androhung eines dreitägigen Streiks der rund 5400 Kapitäne und Co-Piloten reagiert und für diese Woche 3800 Verbindungen gestrichen.
Bundesverbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) warnt vor den Folgen des Pilotenstreiks. „Für alle betroffenen Reisenden ist dieser Streik mit viel Ärger verbunden“, sagte er dieser Zeitung. „Die Fluggesellschaft sollte jetzt alles dafür tun, den betroffenen Fluggästen schnell zu helfen. Umbuchung oder Kostenerstattungen sollten unbürokratisch und kulant ermöglicht werden.“
Maas forderte ein Entgegenkommen des Konzerns: „Die Passagiere sollten umfassend über ihre Rechte informiert werden. Nur so ist es möglich, noch größeren Schaden für die betroffenen Passagiere abzuwenden.“
Auf weitere Streiks in den Osterferien will die Vereinigung Cockpit (VC) verzichten, wie VC-Sprecher Jörg Handwerg bekräftigte. Er verteidigte das Ausmaß der Arbeitsniederlegung: „Nein, ein Streiktag hätte unserer Ansicht nach nicht gereicht.“ Den Streitwert zwischen Piloten und Lufthansa hatte er auf etwa eine Milliarde Euro beziffert.
Streikanlass sind die von Lufthansa einseitig gekündigten Übergangsrenten, die den Piloten bislang ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglichten. Offen ist zudem der Tarifvertrag zu den Gehältern, bei dem die VC ein Plus von knapp 10 Prozent verlangt.
Lufthansa bezifferte die vom Streik ausgelösten Verluste auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.
