ABBEHAUSEN - Die Planungen sind noch in der Anfangsphase und Beschlüsse noch längst nicht getroffen. Trotzdem regt sich schon jetzt erheblicher Widerstand gegen die Überlegungen der Stadt Nordenham, auf der Hofstelle des Ummenschen Fundus in Abbehausen eine Biogasanlage zu errichten. Am Wochenende haben Anwohner eine Unterschriftenaktion gegen das Vorhaben gestartet.
„Nicht mit uns“ steht über der Liste mit den Unterschriften. Am Sonntagmorgen zogen Malte Hoffmann, Julia Funke, Kai und Heike Hahnel sowie Dirk Lüdemann auf dem Abbehauser Wischweg von Tür zu Tür, um die Anwohner um Unterstützung gegen das Biogas-Projekt zu bitten. An diesem Montag wollen sie die Unterschriftensammlung fortsetzen.
Sorgen um die Straßen
Dabei beschränken sich die fünf Initiatoren nicht auf die Abbehauser Wisch: Sie werden auch in Moorsee und im Hasennest anzutreffen sein. Denn wenn eine Biogasanlage auf dem Hof, der über den Kurfürstendamm angefahren wird, installiert würde, fürchten die Nachbarn Benachteiligungen. Julia Funke zum Beispiel denkt, dass die umliegenden Straßen durch zusätzlichen Verkehr in Mitleidenschaft gezogen würden. Schon jetzt seien die Fahrbahnen durch landwirtschaftlichen Schwerlastverkehr reparaturbedürftig, andere – auch durch Anliegerbeiträge – gerade erst saniert. Heike Hahnel sieht Alternativen: „Die können besser Solarzellen aufs Dach legen“, sagt sie.
Gespräche mit den Anwohnern schürten auch die Sorge, dass sich die Land- und Pachtpreise durch eine Biogasanlage vor Ort erheblich verteuern würden. Schon in den vergangenen Jahren seien die Landpreise gestiegen.
Biogasanlagenbetreiber könnten es sich leisten, einen vielfach höheren Pachtpreis zu zahlen als die Milchvieh- und Grünlandbetriebe. In der Abbehauser Wisch seien viele Ländereien von den ansässigen Bauern nur gepachtet. Die Anwohner haben die Befürchtung, dass die Landeigentümer ihre Flächen zu höheren Preisen an die Biogasanlagenbetreiber vergeben. „Und unsere Bauern stehen ohne Land da“, befürchtet Julia Funke.
Auch im Internet wird über das Biogasanlagen-Projekt diskutiert. Im Sozialen Netzwerk „meinVZ“ haben die Nachbarn eine Gruppe angelegt und tauschen sich dort über Vor- und Nachteile aus.
Heute CDU-Versammlung
Dass der Abbehauser Ortsbürgermeister Karl-Heinz Wedemeyer sich in derNWZ
deutlich für das Projekt ausgesprochen hat, kann die Nachbarschaftsinitiative nicht verstehen. Die Gegner rufen via Internet dazu auf, den CDU-Gesprächsabend an diesem Montag ab 19.30 Uhr im Butjadinger Tor zu besuchen. Dort wollen sie ihre Ablehnung zum Ausdruck bringen.Die Anwohner hoffen, die politischen Vertreter überzeugen zu können, auf eine Biogasanlage am Ummenschen Hof zu verzichten. „Liebe Stadträte und lieber Ortsbürgermeister, schlagen Sie sich das aus dem Kopf“, fordert Dirk Lüdemann.
Manfred Wolf kritisiert den Abbehauser Ortsbürgermeister Karl-Heinz Wedemeyer (CDU), weil der durch „frühzeitige Äußerungen in der Öffentlichkeit“ den Planungsprozess im Rathaus störe. Manfred Wolf betont, dass es bei dem Vorhaben, die Stadt preisgünstig mit Energie zu versorgen, eine Vielzahl von Lösungsansätze gebe. Der Bau einer Biogasanlage mit Mitteln der Stadt sei nur eine der möglichen Varianten und werde zurzeit von Gutachtern überprüft.
hat aus Manfred Wolfs Sicht zwar einen Anspruch, an den Überlegungen beteiligt zu werden. Aber die Entscheidung treffe letztlich der Stadtrat. Da stelle sich die Frage, ob der Bau einer Biogasanlage eine Kernaufgabe der Stadt sei oder ob das Projekt der Privatwirtschaft überlassen werden sollte. Auch die Haltung der Kommunalaufsicht zu einer solchen Investition müsse geklärt werden.
zur FDP im Ortsrat kann sich Manfred Wolf einen Verkauf des Ummenschen Bauernhofes durchaus vorstellen. „Die Stadt Nordenham muss nicht Besitzer einer Hofstelle sein“, sagt er.
