Abbehausen - „Tourismus sucht Landwirt“ – so lautete das Thema der Veranstaltung, zu der die Touristikgemeinschaft Wesermarsch, die Arbeitsgemeinschaft Urlaub & Freizeit auf dem Lande, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Kreislandvolkverband Wesermarsch und der Kreislandfrauenverband Wesermarsch für Mittwoch ins Butjenter Brauhaus eingeladen hatten. Mehr als 40 Interessierte, darunter viele Landwirte, hatten sich zu dem ersten Informationsabend anlässlich des Themenjahres „Landleben – Landliebe“ eingefunden.
Die touristischen Angebote auf dem Land erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Das belegen auch die aktuellen Zahlen. Allein in der Wesermarsch beläuft sich die Anzahl der Übernachtungen derzeit auf 2,3 Millionen. Dazu kommen 1,8 Millionen Tagesgäste, so dass der Bruttoumsatz bei stolzen 170 Millionen Euro liegt. Aus den drei Vorträgen von Julia Bittner (Touristikgemeinschaft Wesermarsch), Vivien Ortmann (Arbeitsgemeinschaft Urlaub Freizeit auf dem Lande) und Rita-Maria Conradt (Landwirtschaftskammer Niedersachsen) ging ferner hervor, dass es vor allem das Bedürfnis nach Entschleunigung, Ruhe, Natur, die Angst vor unsicheren Urlaubsgebieten im Ausland und die in der Regel kürzeren Anfahrtswege und stärker genutzten Kurzurlaube sind, die den Landtourismus so attraktiv machen.
Für Naturfreunde
Vor allem Familien, Paare, Gruppen und alle, die die Naturnähe zu schätzen wissen, reisen mittlerweile oft als Stammgäste in die Wesermarsch. Manche bevorzugen Bauernhof-Ferien, andere mieten sich lieber in Ferienhäusern oder -wohnungen, Pensionen, Hotels oder auf Campingplätzen ein. Wiederum andere suchen nach ganz besonderen Übernachtungsmöglichkeiten wie zum Beispiel dem Heuhotel in Ruhwarden oder dem Bauwagen Louisenhof in Schweiburg.
Gefragt sind zudem zunehmend touristische Angebote jenseits des Mainstreams, zum Beispiel Hofcafés, Hofläden, Hofführungen und das Melkhüs. Der Bedarf ist längst nicht gedeckt, der Landtourismus bietet vor allem kreativen Köpfen jede Menge Potenzial.
Vor diesem Hintergrund bietet die Landwirtschaftskammer Niedersachsen allen Interessierten auch eine Einstiegsberatung an. Dazu gehört eine Ortsbesichtigung, bei der die jeweiligen individuellen Voraussetzungen besprochen werden. Für landwirtschaftliche Betriebe macht ein zweites Standbein im Tourismusbereich nur dann Sinn, wenn die familiäre und arbeitswirtschaftliche, betriebliche und finanzielle Situation dies zulassen. Wichtig ist es zudem, dass die Gegebenheiten des jeweiligen Standorts, die Zielgruppen, gewerberechtliche und versicherungstechnische Aspekte bei der Planung berücksichtigt werden. Und es bedarf auf jeden Fall der so genannten „4 Ms“: Man muss Menschen mögen, das heißt kommunikativ sein und mit seinen Gästen den Dialog suchen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, ist es sinnvoll, Zuschüsse bei der Wirtschaftsförderung zu beantragen.
Während der sich an die Vortragsreihe anschließenden Diskussion wurden in Kleingruppen schließlich die verschiedenen Aspekte des Landtourismus geklärt und persönliche Erfahrungen ausgetauscht. Dabei wurde unter anderem offensichtlich, dass der Umgang mit den Gästen keineswegs immer unproblematisch ist. Manchmal kennen die Kinder beziehungsweise deren Eltern keine Grenzen. Mitunter sind schwierige Charaktere zu besänftigen, gleich mehrere Haustiere zu beherbergen.
Vermieten macht Spaß
Allerdings überwogen bei allen Anwesenden, die bereits in der Tourismusbranche nebenberuflich tätig sind, die positiven Erfahrungen. So auch bei Claudia Cornelius. „Mir macht das Vermieten einfach Spaß. Dann ist man selbst schon fast in Urlaubsstimmung, und am schönsten ist es, wenn die Kinder am Ferienende mit Tränen in den Augen wieder abfahren“, sagte die Butjenterin. „Auch wenn es manchmal befremdlich ist, dass die Kinder früher als erstes nach dem Pony fragten und sich heute mitunter zunächst für das WLAN-Passwort interessieren.“
