ABBEHAUSERWISCH - Den Tag vor Heiligabend wird Merle Lindert so schnell nicht vergessen. Am späten Nachmittag war sie gemeinsam mit ihrem Mann auf dem Weg nach Hause am Abbehauser Wischweg. Mit ihrem Auto blieben die beiden im Schnee stecken. Nichts ging mehr. Zwei Stunden mussten sie in ihrem Auto ausharren. Merle Lindert rief bei der Stadt an, bei der Feuerwehr, bei der Polizei, bei einem Abschleppdienst. Niemand konnte helfen. Schließlich befreite sie ein Landwirt mit dem Traktor aus ihrer misslichen Lage.

So wie Merle Lindert erging es vielen – besonders an Heiligabend und am Tag zuvor. Vor allem in den ländlichen Gebieten bildeten sich durch den starken Wind Schneeverwehungen. „Bei uns haben drei Landwirte mit ihren Treckern die Leute aus dem Schnee gezogen“, berichtet Merle Lindert. Sie ist dankbar für die Hilfe der Bauern. Aber sie ist sauer auf die Stadt: Die 41-Jährige findet, dass der Abbehauser Wischweg vernachlässigt wird. Auch viele Nachbarn seien dieser Meinung. Erst am ersten Weihnachtsfeiertag sei hier geräumt worden, sagt sie.

Bauhof-Leiter Enno Bachmann widerspricht: Die Räumfahrzeuge seien am 23., 24. und 25. Dezember ständig im Einsatz gewesen – auch am Abbehauser Wischweg. Allerdings sei die Wetterlage so extrem gewesen, dass einige Straßen sehr schnell wieder zugeschneit waren. „Das Telefon stand nicht still“, sagt Enno Bachmann. Auch von der Polizei habe der Bauhof immer wieder Nachricht bekommen, dass Autofahrer stecken geblieben sind. „Einige haben wir selbst herausgezogen.“

Nach den Worten von Enno Bachmann werden die Straßen in einer festgelegten Reihenfolge abgearbeitet. An erste Stelle stehen die Hauptverkehrstraßen in der Innenstadt, Schulwege und die Straßen zu den Industriebetrieben. An letzter Stelle stehen Wirtschaftswege, und dazu zählt Enno Bachmann auch den Abbehauser Wischweg.

Merle Lindert ist damit nicht einverstanden. Mehrfach habe sie auf das Problem in Abbehauserwisch hingewiesen – „aber es ist nichts passiert.“ Die 41-Jährige ist besorgt, weil auch Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge nach heftigen Schneefällen nicht durchkommen könnten. Sorgen macht sich Merle Lindert auch um ihren Job. In der nächsten Woche muss sie wieder zur Arbeit nach Bremerhaven. Für die Fahrt zur Fähre plant die 41-Jährige bereits jetzt mehr als eine Stunde ein. Merle Lindert fürchtet aber, dass sie bei einem erneuten Schneechaos gar nicht losfahren kann. „Ich möchte meinen Arbeitsplatz nicht verlieren“, sagt sie.