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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Abgehoben - Energieriese EWE in der Krise

01.07.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-09-13T17:40:45Z 280 158

Ewe In Der Krise:
Abgehoben

Oldenburg/KiewDie EWE, das wichtigste Unternehmen im Nordwesten, befindet sich seit Monaten in der größten Krise der fast 90-jährigen Unternehmensgeschichte. Begonnen hat alles mit einem anonymen Schreiben, das die Redaktion der NWZ auf eine umstrittene 253.000-Euro-Spende an die Stiftung der Klitschko-Brüder aufmerksam machte.

Seither recherchieren wir, seither erreichen uns nahezu täglich neue Hinweise auf fragwürdige Vorgänge bei dem Oldenburger Energieversorger, seither berichten wir. Kaum ein Thema hat unsere Leser in den vergangenen Jahren so beschäftigt wie die EWE.

Wie konnte es zu dieser Krise kommen? Was ist überhaupt alles passiert seit der Klitschko-Spende? Wer führt die EWE, wer kontrolliert sie? Diese Multimedia-Reportage erklärt das EWE-Puzzle.

Hier erfahren Sie, wie die NWZ-Reporter monatelang recherchiert haben.

Kiew, Ukraine. Am 25. März 2016 steigt im Großen Ballsaal des Luxushotels Intercontinental in Kiew ein Fest. Eingeladen hat der Boxer Wladimir Klitschko, er feiert an diesem Freitag seinen 40. Geburtstag. Auf dem rotgoldenen Ballsaalteppich stehen weiß gedeckte Rundtische voller Fingerfood, davor sitzen lächelnde Pärchen, die Männer gekleidet zumeist im lässigen Klitschko-Look: blaugrauer Anzug, weißes Hemd, keine Krawatte, oberster Hemdknopf offen. Die Frauen tragen bevorzugt Schwarz.

So auch vorn an einem Tisch zwei Gäste aus Oldenburg: Matthias Brückmann, seit sechs Monaten Vorstandsvorsitzender des Energieversorgers EWE, und seine Frau Claudia.

Wladimir Klitschko ist Weltmeister, Olympiasieger, Werbestar, kurz: ein Mann, der alles hat. Geburtstagsgeschenke braucht so jemand nicht, er wünscht sich deshalb von seinen Gästen Spenden für die Klitschko Foundation: eine Stiftung der Brüder Vitali und Wladimir Klitschko, die seit 2003 benachteiligte Kinder in der Ukraine unterstützt.

Das „Inter Continental Hotel“ in Kiew. Bild: Sergey Dolzhenko/dpa

Die Gäste spenden reichlich. 1000 US-Dollar haben sie bereits als Eintritt für die Geburtstagsgala gezahlt, auch das soll der Stiftung zugutekommen, jetzt übertreffen sie sich gegenseitig mit weiteren Geldzusagen. Als die Gesamtsumme die 2,5-Millionen-Grenze überschreitet, hat der Gast aus Oldenburg seinen großen Auftritt: Matthias Brückmann kündigt an, die Summe auf drei Millionen Dollar aufzurunden – mit einer Spende des Oldenburger Energieversorgers EWE in Höhe von umgerechnet 253 000 Euro. „Spontan“, so wird sich Wladimir Klitschko später an Brückmanns Zusage erinnern, „freiwillig und bedingungslos“. Die Arbeit der Stiftung und ihre Projekte hätten Brückmann „sehr beeindruckt“. Man macht ein gemeinsames Foto, es zeigt die Brückmanns Arm in Arm mit den Klitschkos.

Nach der Gala bleibt das Paar aus Oldenburg noch zwei weitere Tage in Kiew, es wohnt auf Einladung des Gastgebers in Klitschkos Design-Hotel 11 Mirrors. Am Samstag trifft es sich mit Klitschko zu einem privaten Abendessen, am Sonntag reist es nach Oldenburg zurück.

Die Flugtickets, die Parkgebühr am Flughafen, die Teilnahmekosten für die Gala hat die EWE übernommen. Gesamtkosten: 4589,69 Euro.

Oldenburg, 319 Tage später. Acht Männer mit verschlossenen Gesichtern treffen sich in einer Villa am Oldenburger Schlossgarten: Türmchen und Erker, Kutscherhaus und Wagenremise, gebaut vor 115 Jahren für einen Brennereibesitzer, genutzt heute als Gästehaus der EWE. Vor den Männern liegen Papiere mit dem Aufdruck „streng vertraulich“, jedes Blatt trägt ein fast seitenhohes Wasserzeichen mit einer Zahl. Die Dokumente sind durchnummeriert, keiner der Männer soll ungestraft Kopien weitergeben können.

Das EWE-Gästehaus in der Gartenstraße. Bild: von Reeken.

Die Papiere enthalten einen Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, der sich mit verschiedenen Vorwürfen gegen EWE-Chef Brückmann beschäftigt. Im Mittelpunkt stehen die Vorgänge um die Klitschko-Spende. Die Männer diskutieren stundenlang, dann fällen sie eine Entscheidung. Um 15.52 Uhr veröffentlicht die EWE AG eine Pflichtmitteilung für die Finanzmärkte, sie ist nur sechs Zeilen knapp: „Das Präsidium des Aufsichtsrats hat dem Aufsichtsrat mit Beschluss vom heutigen Tag empfohlen, die Bestellung von Herrn Matthias Brückmann zum Mitglied des Vorstands und zum Vorstandsvorsitzenden mit sofortiger Wirkung zu widerrufen.“

Die EWE, fünftgrößter Energieversorger Deutschlands, wichtigster Arbeitgeber im Nordwesten, feuert fristlos ihren Chef. Ein einmaliger Vorgang in der fast 90-jährigen Geschichte des Unternehmens – und der Anfang einer Krise, wie sie die EWE noch nie erlebt hat.

Dieser Text erzählt die Geschichte dieser Krise. Er beginnt mit der Geburtstagsfeier in Kiew, aber er wird viele Abzweigungen nehmen: Ein Detektiv baut in der Nähe von Hamburg einen Peilsender an ein Auto, jemand lässt sich spätnachts in den Skiurlaub nach Österreich fahren, von unbekannten Orten aus werden anonyme Briefe verschickt. Vor allem aber tun sich Freunde immer wieder gegenseitig einen Gefallen. Ein Freund bestellt auf Firmenkosten, der andere liefert: mal geht es um 6000 Ohrenstöpsel, mal   um   28   Fitnessgeräte,  mal   um einen überaus teuren Imagefilm für die EWE.

Das Ende der Krise ist nicht in Sicht. Heute, ein halbes Jahr nach dem Rauswurf von Brückmann, wird die EWE, ein Konzern mit 9000 Mitarbeitern und einem jährlichen Umsatz von 7,5 Milliarden Euro, statt von ursprünglich fünf Vorständen nur noch von zweien geführt, das ist die vorgeschriebene Mindestzahl. Gegen einen dieser beiden Vorstände ermittelt die Staatsanwaltschaft. Zwei Kandidaten für die offenen Vorstandsposten haben inzwischen öffentlich ihren Verzicht erklärt; gegen beide soll ebenfalls die Staatsanwaltschaft ermitteln. Der Aufsichtsrat, der eigentlich Aufsicht führen soll über andere, geriet selbst in die Schlagzeilen. Eine mehrstellige Zahl an EWE-Kunden hat mittlerweile ihre Verträge gekündigt.

Matthias Brückmann, 55 Jahre alt, aufgewachsen in Heidelberg, ist ein Mann, der stolz ist auf seine Freunde. Besonders gern erzählt er von den Prominenten unter ihnen, zum Beispiel von Schauspielerin Veronica Ferres und Star-Unternehmer Carsten Maschmeyer, die zu Brückmanns Hochzeit ins Oldenburger Dobbenviertel kamen. Oder von SAP-Gründer Dietmar Hopp, Mäzen des Fußballbundesligisten 1899 Hoffenheim, der mit Brückmann ins Weserstadion ging (und dort seinen Verein gegen Werder verlieren sah).

Die schönsten Anekdoten erzählt Brückmann aber von seinem Freund, dem Boxer: zum Beispiel die, als Wladimir Klitschko ein Autogramm auf die Haube des neuen Porsche von Frau Brückmann schmierte (zum Glück unterschrieb er auf der Innenseite). Brückmann und der Boxer, beide kommunizier(t)en regelmäßig per Whats­app-Nachrichten.

Der ehemalige EWE-Vorstandschef, Matthias Brückmann. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Brückmann ist aber nicht nur ein Freund, er ist auch ein ausgebuffter Geschäftsmann. Stolz berichtet er nach seinem Besuch in der Ukraine, dass Wladimir Klitschko nach Oldenburg kommen werde für PR-Termine. Er erzählt davon auf einer Aufsichtsratssitzung der EWE Baskets, auch der Oldenburger Oberbürgermeister hört zu. Gemeinsam schmiedet man den Plan, dass Klitschko sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen soll. (Später wird es aus dem Rathaus dazu knapp heißen: „Es gab nie eine offizielle Anfrage.“)

Vier Monate nach der Ballsaalreise weist Brückmann die zuständige Fachabteilung der EWE an, einen Sponsoringvertrag mit der Klitschko-Foundation zu erstellen. Sponsoring ist keine Spende, Sponsoring bedeutet: Leistung gegen Gegenleistung. Die Leistung der EWE sind 253 000 Euro, die Gegenleistung Klitschkos sollen Werbeaktivitäten für die EWE und Oldenburg sein. Doch der Vertrag kommt nicht zustande, die Informationen Brückmanns zu Klitschkos Gegenleistungen reichen der Fachabteilung nicht aus.

Waldimir Klitschko kommt auch nicht nach Oldenburg. Später wird er über sein Management mitteilen lassen, dass an Brückmanns Spendenzusage „zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Bedingungen geknüpft“ gewesen seien.

Aber die 253 000-Euro-Zusage aus dem Ballsaal, die gibt es.

Am 25. Oktober 2016 geht eine Zahlungsanforderung aus dem Vorstand an die zuständige Abteilung im Haus der EWE. Sie wird nicht per Hauspost zugestellt, sondern persönlich überbracht, „aus Gründen der Vertraulichkeit“, wie es intern heißt. Der Verwendungszweck auf der Anforderung lautet: „Charitable Donation for Klitschko Foundation“, was übersetzt so viel heißt wie: „Spende für die Klitschko-Stiftung“. Unterschrieben haben das Papier Matthias Brückmann und sein Vorstandskollege Michael Heidkamp.

Der zuständige EWE-Mitarbeiter O. weist Brückmann zunächst schriftlich, dann persönlich darauf hin, dass die Spende gegen die unternehmenseigenen Spendenrichtlinie verstoße. Brückmann fordert O. auf, die Zahlung zu leisten, „lautstark und unmissverständlich“, wie O. später berichtet. Das Geld wird überwiesen.

Noch am selben Tag schreibt Brückmann erleichtert einem weiteren Freund, einem Druckerei-Unternehmer aus Heidelberg, eine E-Mail. „Lieber Winni“, schreibt er, „heute ist die Zahlung der Spende für die Klitschko-Foundation raus. Die Kohle müsste am Mittwoch auf dem Konto sein. Ich bin erleichtert, da ich meine Zusage gegeben habe (…).“

Winni ist ebenfalls ein Klitschko-Freund. Der Boxer war auch schon Gast bei Winni in der Druckerei.

Die Konzernanweisung „Spenden“ der EWE hält fest, dass der EWE-Vorstand über ein eigenes Spendenbudget in Höhe von 500 000 Euro verfügt. Brückmann selbst ließ diese Anweisung überarbeiten; im Dezember 2015 beschloss der Aufsichtsrat die Änderung. Künftig soll der Vorstand demnach nur noch über ein Spendenbudget in Höhe von 50 000 Euro verfügen dürfen. Größere Spenden sollen fortan über die EWE-Stiftung abgewickelt werden, dafür sollen 450 000 Euro aus dem alten Vorstandsbudget jährlich an die Stiftung gehen.

Prüfer von KPMG und von der Kanzlei DLA Piper untersuchen die Vorgänge später im Auftrag des Aufsichtsrats. Sie stellen fest, dass Brückmann mit der Spendenzusage gegen Konzernrichtlinien verstoßen hat. Sowohl nach der alten als auch nach der neuen Fassung hätte der Gesamtvorstand über die Spende befinden müssen, zudem hätte der Aufsichtsrat beteiligt werden müssen. Besonders pikant: Im März 2016, als Brückmann im Ballsaal die Spende zusagte, gab es gar keine 253 000 Euro mehr im Spendentopf des Vorstands. Bereits am 23. Februar waren wie vereinbart 450 000 Euro aus dem Topf an die EWE-Stiftung gegangen.

Die Prüfer haben den Gesamtschaden für die EWE ermittelt, als Ersatzanspruch „mit hinreichender Erfolgswahrscheinlichkeit gerichtlich durchsetzbar“: 4589,69 Euro aus der Spesenabrechnung, hinzu kommt die sechsstellige Spende.

Freund Winni antwortet Brückmann am 25. Oktober per E-Mail: „Wahnsinn, was Du für ein toller Typ bist… Vielleicht kannst Du auch schauen, ob Dein Winni ins Geschäft kann mit EWE.“

Er kann.

Die Familie von Freund Winni betreibt in Süddeutschland nicht nur eine Druckerei. Zur Unternehmensgruppe gehört auch eine Firma, die Werbemittel vertreibt. Für die Besucher der Oldenbora, eines Festivals für elektronische Musik am Nethener See im Landkreis Ammerland, ordert die EWE 6000 Ohrenstöpsel bei der Firma. Auch diesen Fall untersuchen die Wirtschaftsprüfer und Anwälte. Sie kommen aber zu dem Schluss, dass die Vergabe ordnungsgemäß verlaufen ist „und ohne Nachteil der EWE AG“.

Winnis Familie hat mehrere Firmen, eine dritte vermarktet Anzeigen. Ein Angebot für ein Inserat im Weinkatalog des Sylter Restaurants Sansibar geht an Brückmann persönlich, mit der handschriftlichen Anrede „lieber Matthias, dein Winni“. Die EWE schaltet insgesamt zweimal eine Anzeige im bundesweit an „Sansibar“-Kunden verteilten Weinkatalog. Die norddeutsche EWE ist weder auf Sylt aktiv noch bundesweit unterwegs.

Die Prüfer beziffern den dadurch verursachten und „ersatzfähigen“ Schaden auf 10 000 Euro.

Im November 2015 beschließt der EWE-Vorstand, 250 000 Euro aus dem Werbeetat für sogenannte Bewegtbildkommunikation bereitzustellen. Das bedeutet: Es soll ein Imagefilm über und für die EWE produziert werden. Der Vorstandschef, Matthias Brückmann, hat auch eine Idee, wer diesen Job übernehmen könnte: Ulf D., ein privater Freund aus Oldenburg.

D. ist zuvor nicht als Bewegtbildfachmann in Erscheinung getreten; im Internet sucht man vergeblich nach Referenzen oder überhaupt nach Hinweisen, die D. mit Film in Verbindung bringen.

Trotzdem beauftragt Brückmann die EWE-Kommunikationsabteilung, mit D. in Verhandlungen zu treten. Am späten Abend des 20. Dezember, ein Sonntag, erreicht Brückmann eine Warn-Mail aus der Fachabteilung. Der Absender, den nach eigenen Aussagen Bauchschmerzen in der Sache plagen, möchte wissen, ob Brückmann D. „das gesamte Auftragsvolumen bereits fest zugesagt“ habe. Ansonsten würde er empfehlen, an D. doch lieber zunächst einen Probeauftrag zu vergeben oder, noch besser, weitere Angebote von anderen Anbietern einzuholen.

Die Antwort erfolgt schnell und kurz: „Danke für die Nachfrage, aber Herr Heidkamp und ich haben Herrn D. bereits die 250 000 Euro zugesagt.“

D. bekommt den Auftrag, ein Vertrag wird erstellt. „Anstrengend“ empfinden die EWE-Fachleute die Zusammenarbeit, hört man später. Das liegt vor allem daran, dass D. offenbar tatsächlich wenig Erfahrung hat. D. erstellt den Film auch nicht selbst, er handelt wie ein Makler und vergibt Aufträge an andere Anbieter. Der fertige Film über „Die neue EWE“ wird unter anderem dem Aufsichtsrat gezeigt, er ist auch im Internet bei Youtube zu finden. D. kassiert dafür 240 000 Euro netto.

Dieses Video produzierte Ulf D. für EWE:

Die Wirtschaftsprüfer stellen später fest, dass bei der Auftragsvergabe die Beschaffungsrichtlinie der EWE verletzt wurde. Sie weisen auch nach, dass andere Anbieter den Film deutlich kostengünstiger hätten produzieren können.

Den so entstandenen Schaden, „mit überwiegendem Erfolg einklagbar“, beziffern sie auf 82 826 Euro.

D. ist nicht nur im Bewegtbildgeschäft tätig. Er ist auch Geschäftsführer und Gesellschafter einer Sportfirma.

Im Mai 2015 sendet D. an Brückmann ein erstes Angebot für die Anschaffung von sogenannten Vibrationstraingsgeräten der Marke Polaris 3000. In einem Gespräch mit D. verabreden die Vorstände Brückmann und Nikolaus Behr die Details. Anschließend beauftragen sie die Einkaufsabteilung der EWE, den Handel abzuschließen.

Die Fitnessgeräte sollen die Gesundheit von EWE-Mitarbeitern fördern. Eine Mitarbeiterin aus dem EWE-Gesundheitsbereich warnt, die Geräte seien unnütz. Die Warnung wird ignoriert.

Im Dezember liefert D. 28 Trainingsgeräte zum Stückpreis von 1848,74 Euro an die EWE. 27 dieser Geräte stehen bis heute ungenutzt in Originalverpackung auf Euro-Paletten in einem EWE-Lager.

Die Wirtschaftsprüfer bemängeln nach ihrer Untersuchung, dass Brückmann und Behr zunächst weder die zuständige Fachabteilung der EWE eingebunden noch Vergleichsangebote eingeholt hätten. (Vergleichbare Geräte sind nach Recherchen der Prüfer für gut ein Zehntel der Summe zu haben.) Es sei zudem nicht ersichtlich, zu welchem Zweck die Geräte angeschafft wurden. Vielmehr dränge sich „der Verdacht einer ungerechtfertigten Verschaffung von Vorteilen zu Gunsten Herrn D.s auf“, schreiben sie in ihren Berichten.

Den Schaden beziffern sie auf 51 764,72 Euro.

Oldenburg, 14. Januar 2017. Im Oldenburgischen Staatstheater findet der Opernball statt. An einem der sogenannten VIP-Tische sitzt EWE-Chef Brückmann nebst Begleitung.

1000 Besucher kamen zum zweiten Oldenburger Opernball. Bild: Frick

So ein VIP-Tisch kostet Geld. Kosten inklusive Bewirtung: 5300 Euro netto. Brückmann gibt den Auftrag, einen entsprechenden Sponsoringvertrag aufzusetzen. Die zuständige Fachabteilung meldet Bedenken an, ein solcher Handel passe nicht „zur neuen Sponsoringstrategie der EWE“. Brückmann besteht auf dem Sponsoring.

Am 14. Januar sitzen dann aber nicht EWE-Geschäftspartner, Kunden oder Amtsträger neben Brückmann am VIP-Tisch, sondern Bekannte. Mit dabei: Ulf D. nebst Begleitung.

Das Sponsoring diente nicht dazu, „etwaige Kunden- oder Geschäftskontakte zu pflegen“, stellen die Prüfer später fest. „Es handelt sich vielmehr um eine vorwiegend private Veranstaltung für Herrn Brückmann und seine Bekannten.“ Die Prüfer beziffern den Schaden, da das Sponsoring „keinen ersichtlichen Nutzen für die EWE hatte“, auf 5300 Euro.

In Mannheim gibt es seit 50 Jahren einen Club kochender Männer, die Rustikale Feinschmeckerchuchi. Der Club verleiht jährlich die „Mannheimer Kochschürze“ an prominente Persönlichkeiten. Matthias Brückmann, vor seinem EWE-Engagement Vorstandsmitglied beim Mannheimer Energieversorger MVV, ist Mitglied dieses Clubs.

Im Juni 2013 lud Brückmann 13 Mitglieder der Rustikalen Feinschmeckerchuchi zu einem dreitägigen Besuch nach Oldenburg ein. Auf dem Programm stehen unter anderem eine Stadt- und Schlossführung in Oldenburg, der Besuch einer Aalräucherei, eine Schiffsrundfahrt auf dem Zwischenahner Meer – und immer wieder gemeinsame Essen, angerichtet von bekannten Oldenburger Köchen.

Programmpunkte mit EWE-Bezug stehen nicht auf der Tagesordnung. Die Männer haben auch keinen Bezug zur EWE: Unter den Gästen sind ein Blumenhändler, ein Spediteur, ein Uhrenauktionator. Zwei Teilnehmer sind ehemalige MVV-Kollegen von Brückmann. Die MVV hat keine geschäftlichen Verbindungen zur EWE.

Die EWE hat für die Teilnehmer der Oldenburg-Reise die Kosten für Hotel, Bus, Verpflegung und Kulturprogramm übernommen, obwohl „eine betriebliche Veranlassung“ nicht ersichtlich sei, wie die Prüfer später feststellen. Sie beziffern den „ersatzfähigen Schaden“ für das Unternehmen auf 10 594,99 Euro.

Über seinen Anwalt lässt Matthias Brückmann ausrichten, dass die Vorwürfe gegen ihn rund um die Klitschko-Spende „haltlos“ seien. Zu allen anderen Vorgängen äußert er sich auf unsere Nachfrage nicht.

„Wir wenden uns heute an Sie, weil wir der Meinung sind, dass die aktuellen Geschehnisse bei EWE endlich an das Licht der Öffentlichkeit gehören.“ So beginnt ein Brief ohne Unterschrift, der Ende Januar 2017 die Redaktion der Nordwest-Zeitung erreicht. Es ist der erste in einer Flut von Briefen mit Hinweisen, die in den kommenden Monaten an die Zeitung gehen werden.

„Aktuell herrscht in der Firma eine Angst- und Selbstbedienungskultur, wie es sie noch nie gegeben hat. Getreu dem Motto: Der Fisch stinkt vom Kopf – ist es auch hier der Fall“, schreibt der Informant weiter. Es folgen Hinweise auf den Fall Klitschko.

Warum wenden sich die Hinweisgeber anonym an die Presse? In den Chefetagen des Konzerns reagiert man überrascht und verärgert. Matthias Brückmann spricht von einer „seltsamen Sitte“, die er erst hier im Norden kennengelernt habe. Eine andere Führungskraft wundert sich ebenfalls im Hintergrundgespräch: Es gebe doch hinreichend Möglichkeiten für EWE-Mitarbeiter, auf Missstände hinzuweisen – über den externen Ombudsmann, einen Anwalt, über die Direktansprache von Vorständen oder Aufsichtsräten, notfalls anonym über das firmeneigene Intranet!

Die Führungskräfte unterschätzen zweierlei.

Erstens: das Misstrauen. Muss ich als Mitarbeiter Konsequenzen fürchten, wenn ich mich gegen Vorgesetzte oder Kollegen stelle? Wie anonym bleibe ich, wenn ich mich an den Ombudsmann wende oder das Intranet nutze? Möglicherweise ist es das, was der anonyme Briefeschreiber mit „Angstkultur“ meint.

Zweitens: die Resignation. Was bringt es, wenn ich Missstände melde? Reagiert darauf jemand? Der anonyme Briefeschreiber erzählt von „gefälschten Berichten“ im Fall Klitschko: Lassen sich fehlerhafte Vorgänge überhaupt nachweisen? Und falls ja: Wer verfolgt sie? Funktionieren die Kon­trollinstanzen? „Früher wurde hart für die Region gearbeitet“, klagt der anonyme Hinweisgeber, „heute geht es dem Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden um Statussymbole …“.

Nach den ersten Recherchen und Veröffentlichungen in der regionalen Presse landen immer mehr Hinweise in den Redaktionen, unterschrieben sind sie mit „Die enttäuschten Mitarbeiter der EWE“ oder „Ein Betroffener“. Das hat sicherlich damit zu tun, dass sich im Unternehmen das Gefühl ausbreitet: Endlich passiert etwas.

Der EWE-Chef und die Klitschko-Spende machen seit drei Tagen Schlagzeilen, als der Vorstand an einem Freitag die Führungskräfte des Unternehmens zu einer Konferenz zusammenruft. Man berichtet, man diskutiert, Brückmann selbst spricht zu seinen Mitarbeitern (eine gute Rede, berichten Teilnehmer später). Am Ende fordert der Moderator der Veranstaltung die Führungskräfte auf, ein Solidaritätsschreiben für den Chef zu unterschreiben, Tenor: Die Unterzeichner sprechen ihrem Chef „allseitig das vollste Vertrauen“ aus.

Das, so berichten Zeugen der Veranstaltung, sei der berühmte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Noch am Wochenende treten 19 Führungskräfte aus dem EWE-Konzern an den Aufsichtsratsrat heran. Sie verweigern Brückmann die Gefolgschaft und bringen weitere Vorwürfe gegen den Vorstandschef vor. Dabei geht es vor allem um fehlerhafte Mitarbeiterführung und um Auftragsvergaben an private Freunde.

So kommt es, dass dem Aufsichtsrat, als er einige Tage später über Brückmanns Entlassung diskutiert, eine Liste mit insgesamt 17 Vorwürfen vorliegt.

In der Energiebranche kursieren schnell Gerüchte. Brückmann, so heißt es etwa auf der Branchenmesse E-World in Essen, sei der Meinung, Kollegen hätten ihn „zu Fall“ gebracht. Er habe auch den Rädelsführer der meuternden Führungskräfte identifiziert, heißt es weiter: Timo Poppe, 37 Jahre jung, Vorstand bei den Stadtwerken Bremen (SWB) und seit vielen Jahren als möglicher Kandidat für den EWE-Vorstand gehandelt.

Das wird am Ende dieser Geschichte eine Rolle spielen.

Dr. Werner Brinker (Archivbild).

Wer verstehen will, was diese Meuterei für die EWE bedeutet, muss einen Blick zurückwerfen. Vor Brückmann war Werner Brinker, heute 65 Jahre alt, 17 Jahre lang Vorstandschef bei der EWE.

Brinker stand für einen autoritären Führungsstil, er galt als aufbrausend, nachtragend. Wünsche von Brinker wurden befehlsgleich aufgenommen, berichten Mitarbeiter. Für Schlagzeilen sorgte die sogenannte „Sign“-Affäre: Die EWE hatte ein Präventionsprogramm für Schulen mit Millionensummen unterstützt. Die damit beauftragte Agentur Prevent verdiente Millionen mit „Sign“. Kontrollen, was mit dem Geld geschah, gab es offenbar kaum; „Sign“ galt als Lieblingsprojekt Brinkers. Handschriftliche Notizen Brinkers genügten den Mitarbeitern im Unternehmen, Geld zu überweisen.

Lesen Sie hier eine Übersicht der EWE-Skandale der vergangenen Jahre.

Als Brückmann im Oktober 2015 Brinker ablöste, sollte alles anders werden. Er sagte: „Wir brauchen eine neue Kommunikationskultur. Wir brauchen eine neue Fehlerkultur.“ Er versprach, dass er für einen „Kulturwechsel“ stehe. „Spenden dürfen einfach nicht nach dem Gutdünken von Einzelpersonen vergeben werden, sondern jeder Cent muss der Satzung entsprechen.“ Brückmann setzte sich für eine Änderung der Spendenregelungen ein, er betonte immer wieder die Bedeutung von Compliance, also von unternehmenseigenen Verhaltensregeln.

Ein Brief an die Politik, unterschrieben von Matthias Brückmann. Es geht um das Türkei-Geschäft von der EWE. Nach dem Putschversuch in der Türkei 2016 hatten sich Gesellschaften der EWE Türkei-Gruppe von Mitarbeitern getrennt, die der regierungskritischen Gülen-Bewegung angehörten. Der EWE-Chef weist in dem Brief den Verdacht zurück, politische Gründe könnten dafür ausschlaggebend gewesen sein. Grund seien allein Verstöße gegen die im Unternehmen gültigen Compliance-Regeln gewesen.

Konkret: „Die Compliance-Verstöße bestanden darin, dass Führungskräfte, die Anhänger der Gülen-Bewegung sind, bei Einstellung und Beförderung gezielt die Mitarbeiter bevorzugt haben, die ebenfalls zur Gülen-Bewegung gehören. Auch bei der Auswahl von Lieferanten wurden solche Bevorzugungen festgestellt.“ Brückmann nennt es in dem Schreiben „für EWE inakzeptabel, wenn Personal- und Einkaufsentscheidungen von persönlichen Beziehungen zu Bewerbern oder Dienstleistern beeinflusst werden“.

Und dann fuhr Brückmann zur Klitschko-Gala und handelte mit alten Freunden.

Aber etwas änderte sich doch: Nicht nur 19 Führungskräfte standen bei der Freitagskonferenz auf und verweigerten ihrem Chef die Gefolgschaft. Auch auf den Zwischenebenen gab es Widerstand. Bei fast jedem Vorgang, ob bei der Klitschko-Spende, beim Opernballsponsoring oder beim Kauf der Vibrationstrainingsgeräte, stand ein Mitarbeiter auf und wies hin, warnte, weigerte sich.

Nur: Am Ende setzte sich immer der Chef durch. Notfalls „lautstark und unmissverständlich“, so wie in der Klitschko-Affäre.

Oldenburg, Amalienstraße: 22.  Februar 2017, kurz vor 16 Uhr. Schwarze Limousinen fahren vor das Haus der EWE-Akademie, Männer und Frauen klingeln an der Eingangstür. Sie müssen in diesen Tagen sehr genau hinschauen: Gleich neben der Klingel befindet sich ein „Alarm“-Knopf.

Der 20-köpfige EWE-Aufsichtsrat soll an diesem Mittwoch endgültig über die Zukunft Matthias Brückmanns entscheiden. Dass er der Empfehlung des Präsidiums vom 7. Februar folgen wird, den Vorstandschef fristlos zu entlassen, gilt als sicher.

Aufgabe des Aufsichtsrats ist es, den Vorstand zu kontrollieren. Durch die Enthüllungen der vergangenen Tage ist auch das Kontrollgremium unter Druck geraten: Haben die Kontrolleure versagt? Reagierten sie zu langsam? Was wussten sie überhaupt?

Das Gremium, das jeweils zur Hälfte mit Vertretern der Anteilseigner und der Arbeitnehmer besetzt ist (Lesen Sie auch: Wer führt, wer kontrolliert bei EWE?) , gilt zudem als zerstritten. Aufsichtsratschef Stephan-Andreas Kaulvers, dessen Amtszeit eigentlich noch bis Mai geht, hat bereits seinen vorzeitigen Rückzug angekündigt. 2012, nach den Verwirrungen rund um die „Sign-Affäre“, war Kaulvers, Ex-Chef der Bremer Landesbank, in das Gremium geholt worden, um den Kommunalpolitikern als Vertretern der Anteilseigner mehr Wirtschaftskompetenz entgegenzusetzen. Am 22. Februar steht längst fest, dass wieder einer der Kommunalpolitiker an die Spitze rücken soll: Bernhard Bramlage, ehemaliger SPD-Landrat im Landkreis Leer.

Bernhard Bramlage, Aufsichtsratschef von EWE. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Dann rüttelt eine eigene Affäre den Aufsichtsrat auf. Die Nordwest-Zeitung enthüllt, dass die sechs Arbeitnehmervertreter aus dem Hause EWE seit Jahren ihrer Abführungspflicht nicht nachkommen.

Alle sechs Vertreter sind Mitglieder der Gewerkschaft Verdi („Als Nichtmitglied kommt man da gar nicht erst rein“, berichten Mitarbeiter über den Zugang zum Aufsichtsrat) – und Verdi verpflichtet alle Mitglieder, einen Großteil ihrer Bezüge für Aufsichtsratsmandate an Gewerkschaftseinrichtungen abzugeben. Es geht dabei um stattliche Summen: Die EWE zahlt den Gremiumsmitgliedern je nach Aufgabe zwischen 20 000 und 40 000 Euro pro Jahr, hinzu kommen Sitzungsgelder von rund 200 Euro pro Tag. Wer bei Tantiemen in Höhe von 20 000 Euro der satzungsgemäßen Pflicht nachkommt, darf als Verdi-Mitglied „nur“ rund 6000 Euro behalten.

Immerhin 2487 Verdi-Mitglieder haben bundesweit ein Aufsichtsrats- oder Verwaltungsratsmandat. 2125 davon sind ihrer Abführungspflicht nachkommen. Lediglich 362 Mitglieder haben laut Verdi „gar nichts oder zu geringe Beträge“ abgeführt. Zu dieser Minderheit zählen seit vielen Jahren die Verdi-Mitglieder bei der EWE im Aufsichtsrat.

Die Bundeszentrale von Verdi droht zwar Konsequenzen bei Verstößen gegen die Richtlinie an, aber auch die werden regional nicht umgesetzt. Entgegen der Vorschriften arbeiten die EWE-Vertreter beispielsweise weiter in Tarifkommissionen mit.

Nach der Berichterstattung kündigen die betroffenen Mitglieder des Aufsichtsrats an, dass sie künftig der Abführungspflicht nachkommen werden.

Der Aufsichtsrat aber ist angeschlagen. Seither steht die Frage im Raum: Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure?

Um 21.57 Uhr verschickt die EWE am 22. Februar 2017 eine Pressemitteilung: „EWE trennt sich mit sofortiger Wirkung von Brückmann“.

Der geschasste Vorstandschef kehrt schnell auch Oldenburg den Rücken, bald stehen Umzugswagen vor seiner Villa im Dobbenviertel.

Die EWE ist das Thema Brückmann damit aber noch lange nicht los. Beim Landgericht Oldenburg liegt eine Klage vor gegen seine fristlose Entlassung.

Vor allem aber hat sich Brückmann, der ja gern über seine prominenten Freunde spricht, bekannte Mitstreiter gesucht: Der Frankfurter Rechtsanwalt Bernd-Wilhelm Schmitz unterstützt ihn juristisch, der Hannoveraner Kommunikationsexperte Béla Anda strategisch. Anda, 54 Jahre alt, einst Sprecher von Bundeskanzler Gerhard Schröder und später von AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, gilt als hochbegabter Netzwerker. „Ich bin mir nicht sicher, ob die EWE eigentlich weiß, mit wem die sich da anlegt“, sagt ein Aufsichtsratsmitglied, nachdem es vom Engagement Andas gehört hat.

Bald landen wieder Briefe in Zeitungsredaktionen. Der Inhalt: vertrauliche Dokumente. Plötzlich interessieren sich auch überregionale Medien für die Themen EWE und Brückmann.

Die vertraulichen Dokumente beschäftigen sich nicht mit dem Fall Brückmann. Sie erzählen vom Verdacht der Korruption bei der Konzerntochter EWE Netz. Von Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Schichtzulagen, ebenfalls bei EWE Netz. Von lokalen Kungeleien zwischen einem Aufsichtsratsmitglied und einer EWE-Führungskraft beim Bau einer Biogasanlage.

Neue Fragen werden gestellt: Musste Brückmann vielleicht gar nicht wegen der Klitschko-Affäre gehen, sondern weil er bei EWE aufräumen wollte? Weil er bei den Kungeleien im Weg stand? Weil es den Kommunalpolitikern im Aufsichtsrat nicht passte, dass er die Spenden- und Sponsoringpraxis für die lokalen Vereine und Institutionen auf den Prüfstand stellte?

In einem Interview mit dem Düsseldorfer „Handelsblatt“ sagt Brückmann nach seinem Rauswurf: „Ich war unbequem, habe Leute überfordert. Ich bin Leuten auf die Füße getreten.“

Interview vom „Handelsblatt“ mit Brückmann.

Auf die Feststellung der „Handelsblatt“-Redakteure, dass sein Rauswurf kam, kurz nachdem Brückmann Korruptionsuntersuchungen bei EWE Netz eingeleitet habe, entgegnet Brückmann: „Den zeitlichen Zusammenhang sehe ich auch.“

Doch nicht nur neue Fragen werden gestellt, auch neue Namen rücken ins Rampenlicht. Mit den Vorwürfen gegen EWE Netz taucht die Frage auf, welche Verantwortung der Geschäftsführer von EWE Netz, Torsten Maus, und der ehemalige Aufsichtsrat von EWE Netz und einstige Generalbevollmächtigte für Infrastruktur bei der EWE, Timo Poppe, spielen. Beide Namen wurden kurz zuvor genannt, als es um mögliche Kandidaten für die offenen Vorstandsposten ging.

Timo Poppe, 37 Jahre alt, gilt seit vielen Jahren als möglicher Kandidat für den EWE-Vorstand. Er kennt das Unternehmen wie kaum ein Zweiter, seit fast zwei Jahrzehnten arbeitet er im Konzern; aktuell ist er einer von drei Vorständen bei den Stadtwerken Bremen (SWB), einer EWE-Tochterfirma. Und Poppe kennt die Region: geboren in Wildeshausen, wohnhaft in Wildeshausen, Studium im nahen Vechta, Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr und in der Schützengilde. Ein Durchstarter, der als Kumpeltyp gilt.

Als der Aufsichtsrat am 22. Februar in der EWE-Akademie tagt, ist der Fall Brückmann nicht der einzige Tagesordnungspunkt. Es soll auch über die Besetzung zweier offener Vorstandsposten gesprochen werden. Deshalb sind an diesem Tag die Kandidaten Poppe und Maus vor Ort.

Poppe hat dafür eigens seinen Skiurlaub verschoben. Seit Jahren fährt er mit einer Freundesclique in den Schnee, diesmal ließ er die Freunde vorfahren. Aber nachkommen will er, er spricht darüber in den langen Wartezeiten, die er an diesem Abend hat.

Als die Sitzung gegen 22.30 Uhr endlich beendet ist (und die Vorstandsfrage wieder einmal vertagt wurde), fährt er los Richtung Österreich. Er fährt nicht selbst, eine Nachtfahrt wäre zu viel nach der Acht-Stunden-Sitzung. Er lässt sich fahren in seinem Privatwagen: von einem Feuerwehrfreund aus Wildeshausen, der gleichzeitig als Vorstandsfahrer bei der EWE ist. Poppe gibt dem Freund dafür später 300 Euro.

Etwa einen Monat später, am 27. März, erreicht den EWE-Aufsichtsratsvorsitzenden ein anonymer Brief. Der Verfasser schildert darin Poppes Urlaubsfahrt und kritisiert, dass Poppe einen EWE-Fahrer für eine Summe „unter der Hand“ engagiert habe, „ohne die korrespondierenden steuerrechtlichen bzw. sozialversicherungspflichtigen Beiträge ordnungsgemäß abzuführen“. Stephan-Andreas Kaulvers, der Aufsichtsratschef, tut das, was er in den vergangenen Monaten bereits häufig getan hat: Er beauftragt die Wirtschaftsprüfer von KPMG, die Vorwürfe zu untersuchen.

Die Prüfer erarbeiten ein 26 Seiten langes Gutachten. Sie kommen darin zu dem Schluss, dass Poppes Verhalten „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weder unter arbeitsrechtlichen noch unter steuerrechtlichen Gesichtspunkten eine justiziable Pflichtverletzung“ darstelle. Aber die Prüfer schreiben auch: „Dies schließt eine Berücksichtigung im Rahmen der Auswahlentscheidung des Aufsichtsrats nicht aus, etwa im Rahmen der Beurteilung der charakterlichen Eignung.“

Der Name Poppe beschäftigt die Prüfer auch an anderer Stelle. In ihrem Bericht zu Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Schichtzulagen für die Leitstellenmitarbeiter bei EWE Netz schreiben sie: Weil Poppe, zeitweise Aufsichtsrat bei EWE Netz, 2010 und 2014 an EWE-Vorstandssitzungen teilgenommen habe, in denen die Unregelmäßigkeiten Thema waren, hätte er reagieren können. Dies lege „eine Verletzung seiner Pflichten als Aufsichtsrat nahe“.

In Medienberichten wird Poppes Name zudem in Zusammenhang mit den Korruptionsuntersuchungen bei EWE Netz genannt. Poppe war einst Generalbevollmächtigter für Infrastruktur bei der EWE und somit für den Bereich Netze verantwortlich.

In Sachen Schichtzulagen ermittelt inzwischen auch die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue gegen drei EWE-Führungskräfte. Poppe soll eine dieser Führungskräfte sein.

Auch in Sachen Korruption ermittelt die Staatsanwaltschaft, angeblich bislang aber nicht gegen Einzelpersonen.

Poppe jedenfalls ist verärgert: über die Berichterstattung, über die Befragungen durch die Wirtschaftsprüfer, über die Aussagen im Gutachten zu seiner charakterlichen Integrität. Er sagt, er habe sich nie um einen Vorstandsposten bei der EWE beworben, er sei gefragt worden. Mitte Juni erklärt er im Interview mit der Nordwest-Zeitung seinen Verzicht auf einen EWE-Vorstandsposten.

Auch Torsten Maus, 54 Jahre alt, Geschäftsführer bei EWE Netz, legt Wert auf die Feststellung, dass er sich nie um einen Vorstandsposten bei der EWE beworben habe. „Ich bin gefragt worden“, sagt er. Im privaten Gespräch sagt er aber auch, dass er den Job gern übernehmen würde und dass damit „so etwas wie ein Traum für mich“ in Erfüllung gehen würde.

Doch dann taucht sein Name plötzlich in den Medien auf. Zunächst, schmeichelhaft, in Zusammenhang mit Spekulationen über mögliche Kandidaten für die vakanten Vorstandsposten. Dann, weniger schmeichelhaft, in Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen bei EWE Netz. Niemand beschuldigt Maus persönlich, aber er ist der Geschäftsführer des Unternehmens, deshalb fehlt sein Name in keinem Zeitungsartikel. Schlimmer noch wird es im Zusammenhang mit den Abrechnungsproblemen bei den Schichtzulagen. Auch hier fällt sein Name als Geschäftsführer, und jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft ganz konkret gegen einzelne Führungskräfte.

Es gibt einen weiteren Fall, der Maus betrifft. Seit Jahren prozessiert eine ehemalige Führungskraft von EWE Netz, Christian C., gegen das Unternehmen. Jüngst hat C. wieder Klage eingereicht und Strafanzeige gestellt, auch gegen Torsten Maus persönlich. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob es einen Anfangsverdacht gibt.

Torsten Maus sagt: Um seine Person sei sehr viel „Unruhe“ entstanden. Diese Unruhe habe das Unternehmen stark belastet, „und nicht zuletzt natürlich auch mein persönliches Umfeld, meine Familie und mich“.

Fünf Tage nach dem zweiten Kandidaten für ein Vorstandsamt bei der EWE AG, Timo Poppe, erklärt auch Torsten Maus seinen Verzicht.

Die EWE, die derzeit nur von der vorgeschriebenen Mindestzahl von zwei Vorständen geführt wird, steht aktuell ohne Kandidaten da. Die international renommierte Personalberatungsfirma Egon Zehnder soll nun geeignete Bewerber für die drei vakanten Stellen rekrutieren. Im firmeneigenen Intranet hat  der  neue EWE-Aufsichtsratschef Bernhard Bramlage die EWE-Mitarbeiter bereits darauf vorbereitet, dass die Suche „natürlich einige Monate dauern“ werde.

Ein Mann macht sich an der Stoßstange eines geparkten Autos zu schaffen. An einem Freitagabend, im April 2016, irgendwo in der Nähe von Hamburg. Der Mann schaut sich um. Vielleicht ist er nervös? Kurze Zeit später steht er auf, schaut noch einmal, verschwindet in der Dunkelheit.

Das ist keine Szene aus einem Spionagefilm, sondern der Beginn der „Spitzelaffäre“, die Monate später die EWE durchrüttelt, noch bevor die Vorgänge um die Klitschko-Spende bekannt werden. Dokumentiert mit Bildern einer heimlich aufgestellten Kamera.

Ein Detektiv installiert einen Peilsender am Wagen von Christian C. Foto: Privat.

Den Peilsender lässt Personalvorstand Nikolaus Behr an den Privatwagen des ehemaligen EWE-Mitarbeiters Christian C. montieren. So lässt sich ein Bewegungsprofil von C. erstellen. Aber warum? Stecken berufliche Interessen dahinter? Oder doch eher private, wie in EWE-Kreisen spekuliert wird? Behr, 56 Jahre alt, sagt gegenüber der Staatsanwaltschaft aus, dass er als EWE-Vorstand gehandelt habe.

Tatsache ist, dass sich die EWE seit 2012 in juristischen Auseinandersetzungen mit C. befindet. C. wehrt sich gegen seine Kündigung, es gab bereits mehrere Prozesse. Vor wenigen Wochen hat er wieder eine Klage eingereicht, es geht darin unter anderem um die Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte und um den Vorwurf des Prozessbetrugs. Betroffen ist davon auch EWE-Netz-Geschäftsführer Torsten Maus, siehe Kapitel zehn.

Von der Bespitzelung des Ex-Mitarbeiters soll auch der damalige Vorstandschef Matthias Brückmann gewusst haben. Die EWE bestreitet das.

Ist die Spitzelaffäre ein Fall Behr? Oder doch ein Fall EWE? Warum musste C. überhaupt gehen?

Insider vermuten, dass sich C. den Zorn des ehemaligen Vorstandschefs Werner Brinker zugezogen hat, als er ihn kritisierte.

Fest steht, dass Leistungen der Privatdetektei über die Anwaltskanzlei Hogan Lovells der EWE in Rechnung gestellt wurden. Die EWE hat die Rechnungen mit Stempel und Unterschrift bestätigt. Wieder stellt sich die Frage: Haben hier Kontrollinstanzen im Hause EWE versagt?

Ein EWE-Sprecher erklärt: Die Rechnungen seien „verschleiert“ gewesen. Insgesamt sollen die Leistungen der Detektei in vierstelliger Höhe zu Buche geschlagen haben.

Der Name Behr findet sich auch in den Berichten der internen EWE-Ermittler. Er war demnach an der umstrittenen Anschaffung von 28 Vibrationstrainingsgeräten beteiligt.

Nikolaus Behr verlässt die EWE im September 2016 ohne Abfindung.

Im Dezember 2016 verliert die EWE ein weiteres Vorstandsmitglied: Ines Kolmsee, 46 Jahre alt, im Konzern zuständig für den Bereich Technik.

Diesmal gibt es keine Affäre, keine Ermittlungen, keine internen Untersuchungen. Es gibt aber ein großes Fragezeichen: Warum geht Kolmsee?

Schnell gibt es Hinweise, dass Kolmsee wegen interner Querelen das Unternehmen verlässt. Sie setzt eigens einen privaten Sprecher ein, der entsprechende Berichte als „haltlos, frei erfunden und bewusst böswillig“ zurückweist.

Am Ende bleibt ein Satz stehen: „Frau Kolmsee möchte aus Gründen der Loyalität gegenüber dem Unternehmen, der dem Aufsichtsrat gegenüber zugesicherten Diskretion und aus Rücksicht auf Dritte ihre Beweggründe für ihre Entscheidung nicht öffentlich kommentieren.“

Am 24. Oktober 2016 wendet sich in der Chefetage der EWE Vorstandschef Matthias Brückmann an seinen Vorstandskollegen Michael Heidkamp und bittet ihn, „das mal eben zu unterzeichnen“. So wird sich Heidkamp später erinnern.

„Das“– das ist die Zahlungsanforderung für die Klitschko-Spende in Höhe von 253 000 Euro. Brückmann wollte das auch bei der EWE geltende Vier-Augen-Prinzip wahren und brauchte deshalb die Unterschrift eines zweiten Vorstands.

Heidkamp wird später gegenüber internen Prüfern erklären, dass er die Anforderung „auf Zuruf“ unterschrieben habe. Seine Unterschrift sei nicht als Billigung der Spende zu verstehen gewesen. Er habe auf einen Gegenleistung der Empfängerin vertraut, so wie Brückmann es ihm berichtet habe.

Im Unternehmen hält sich das Gerücht, dass Heidkamp nicht habe erkennen können, dass es sich um eine Spende handelte und nicht um die Zahlung einer Sponsoringsumme. Das ist aber falsch, wie die Recherchen ergeben haben: Auf der Zahlungsanforderung steht klar erkennbar „Spende für die Klitschko Foundation“, siehe Kapitel eins.

Die Anwälte von DLA Piper halten Heidkamp zugute, dass er die Zahlungsanforderung „in einem Rahmen“ unterzeichnet habe, „der (wohl bewusst) keine Prüfung zuließ und in dem Vertrauen auf die falschen Informationen von Herrn Brückmann“.

Sie weisen aber auch darauf hin, dass rechtlich alle Vorstandsmitglieder gesamtschuldnerisch haften, wenn sie ihre Pflichten verletzt haben. Und im Fall der Klitschko-Spende, so die Juristen weiter, könnten „möglicherweise pflichtwidrige Handlungen“ von Heidkamp vorliegen.

Ähnlich verhält es sich mit der Auftragsvergabe an Brückmanns Freund Ulf D., der einen Werbefilm für die EWE erstellen sollte, siehe Kapitel drei. Auch hier habe Heidkamp, der nach Aussagen von Brückmann bei den Preisverhandlungen mit D. dabei gewesen sein soll, seine „Sorgfaltspflicht, zum Wohle der Gesellschaft zu handeln“, verletzt. (Nach Informationen unserer Zeitung bestreitet Heidkamp, in die Preisverhandlungen überhaupt involviert gewesen zu sein.)

Mit Blick auf die Beteiligung von Heidkamp urteilen die Prüfer aber auch: „Qualitativ sind diese Vorwürfe unserer Auffassung nach jedoch mit einer im Vergleich zu den Vorwürfen gegen Herrn Brückmann deutlich geringeren Intensität verbunden.“ Brückmann sei stets als „zumindest initial treibende Kraft“ hervorgetreten.

Mit Blick auf die Beteiligung von Heidkamp urteilen die Prüfer aber auch: „Qualitativ sind diese Vorwürfe unserer Auffassung nach jedoch mit einer im Vergleich zu den Vorwürfen gegen Herrn Brückmann deutlich geringeren Intensität verbunden.“ Brückmann sei stets als „zumindest initial treibende Kraft“ hervorgetreten.

Wolfgang Mücher, EWE-Finanzvorstand. Foto: EWE

Hätte der EWE-Aufsichtsrat am 22. Februar allerdings auch Heidkamp freigestellt, wäre das Unternehmen vermutlich in die Handlungsunfähigkeit gerutscht. Dann wäre nämlich nur noch ein Vorstand an Bord geblieben: Wolfgang Mücher, 56 Jahre, zuständig für den Bereich Finanzen und erst seit April 2016 an Bord.

Letzteres ist Vorteil und Nachteil zugleich für Mücher. Vorteil: Er ist von den meisten derzeit diskutierten Vorwürfen nicht berührt, weil er noch gar nicht im Amt war, als die damit verbundenen Vorgänge angeschoben wurden. Nachteil: Mücher ist neu im Unternehmen, neu in der Region, neu sogar in der Energiebranche.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt im Fall der Klitschko-Spende wegen Verdachts der Untreue gegen Heidkamp und Brückmann. Die Ermittlungen dauern an, teilte ein Behördensprecher auf Nachfrage mit.

1,8 Millionen Gaskunden. 1,3 Millionen Stromkunden. Fast 800 000 Telekommunikationskunden. Wasserrechnungen. Sponsoring im Profisport (EWE Baskets, VfL Oldenburg) und im Kulturbereich (Filmfest, Kultursommer, Oldenbora). Es ist fast unmöglich im Nordwesten, der EWE aus dem Weg zu gehen. Fast jeder ist EWE-Kunde oder war es zumindest einmal. Fast jeder hat schon Veranstaltungen besucht, die von EWE gefördert wurden.

Es gibt einen Satz, den man in unserer Region in diesen Tagen immer wieder hört, wenn es um die 253 000 Euro für die Klitschko-Stiftung geht, um 51 000 Euro für ungenutzte Fitnessgeräte, um Detektivbüro-Rechnungen und Opernballkarten: „Das ist doch mein Geld!“ (Lesen Sie hier dazu einen Kommentar: Link).

9000 Mitarbeiter. 25 000 Arbeitsplätze insgesamt in der Region, die direkt oder indirekt an der EWE hängen. Fast jeder hier kennt jemanden, der bei der oder für die EWE arbeitet. Oder er kennt zumindest jemanden, der jemanden kennt.

Und streng genommen gehört uns die EWE ja sogar. 84 Prozent der Anteile liegen bei 21 Städten und Landkreisen im Ems-Weser-Elbe-Gebiet. Weitere zehn Prozent hält die EWE selbst, womit auch dieses Paket wieder zu 84 Prozent den Kommunen gehört.

Deshalb reagieren Menschen im Nordwesten emotionaler auf Nachrichten, die sich mit der EWE beschäftigen, als auf die über andere Unternehmen – vor allem, wenn es um einen womöglich liederlichen Umgang mit Geld geht.

Und deshalb war es taktisch womöglich der größte Fehler von Vorstandschef Matthias Brückmann, als er auf dem Höhepunkt der Diskussion um die Klitschko-Spende kurzerhand erklärt: Dann zahle ich die Spende eben aus eigener Tasche!

Die Folge: empörte Reaktionen von Lesern, die Brückmann Arroganz vorwerfen, und eine Debatte über hohe Managergehälter bei EWE.

Gezahlt hat Brückmann, der am 22. Februar seinen Job verlor, übrigens bis heute nicht. Die EWE verhandelt aktuell mit der Maecenata-Stiftung, die die Spendensumme für die Klitschko Foundation verwaltet, über eine Rückgabe des Geldes. Die externen Prüfer beurteilen die Aussichten auf eine Rückzahlung als gut.

Es gibt im EWE-Konzern Leute , die sagen: „Es wird Zeit, dass wir endlich wieder anfangen, unsere Arbeit zu machen.“

Zurzeit arbeiten viele Stellen vor allem an der Bewältigung der großen Krise, ein gewaltiger Kraftakt. Die interne Revision untersucht die Korruptionsvorwürfe und die Abrechnungsprobleme. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG feilen an ihren Abschlussberichten. Die Anwälte von DLA Piper berechnen den entstandenen Schaden und den juristisch einforderbaren Ersatz. Die Staatsanwaltschaften Oldenburg und Osnabrück ermitteln von Amts wegen wegen Untreue gegen ehemalige und aktuelle EWE-Führungskräfte. Zivilrechtliche Klagen gegen die EWE liegen vor: von Christian C., von Matthias Brückmann. Headhunter suchen nach geeigneten Vorstandskandidaten. Die Anteilseigner erklärten bei ihrer Verbandsversammlung eine Rückkehr zur Regionalität: Künftig werde es bei der EWE „mehr Friesoythe und weniger Kiew“ geben.

Vor allem aber arbeitet die EWE an neuen Unternehmensregeln. Bei der Bilanzpressekonferenz 2017 sprachen die verbliebenen Vorstände Michael Heidkamp und Wolfgang Mücher weniger über Zahlen und mehr über neue Compliance-Regeln. Ziel sei eine Unternehmenskultur, in der Missstände zügig erkannt und behoben werden, so Heidkamp.

Als Matthias Brückmann im Oktober 2015 den Chefposten bei der EWE übernahm und von einer „neuen EWE“ schwärmte, hieß es, es werde kein Stein auf dem anderen bleiben.

Und so kam es.

Video-Kommentar: NWZ-Reporter Karsten Krogmann zur EWE-Krise und zur Recherche

Mitarbeit: Marco Seng, Jörg Schürmeyer, Rüdiger zu Klampen und Christian Ahlers (Gestaltung).

* (Anmerkung der Redaktion: Bei D. handelt es sich nicht um Ulf Duda, Fotograf der EWE Baskets)