Bremen - Das Aktionsbündnis „Menschenrecht auf Wohnen“ und das Diakonische Werk in Bremen haben mit Nachdruck den Erhalt sogenannter Schlichtwohnungen in der Hansestadt gefordert. Dazu zählten knapp 200 Wohnungen in drei Quartieren, die alle dem Wohnungsbau-Konzern Vonovia gehörten, sagte am Mittwoch Bündnissprecher Joachim Barloschky. Viele davon seien vom Abriss bedroht. Doch nach einer einfachen Sanierung wären sie gut nutzbar und könnten den unter Druck stehenden Markt für bezahlbaren Wohnraum in Bremen spürbar entlasten. Von der Vonovia hieß es, sie suche einen Kompromiss.
Barloschky sprach von einer „aktiven Entmietungspolitik“ der Vonovia. Mieter seien bisher nur einzeln zu Gesprächen gebeten worden. Die Vonovia habe bislang „nicht den Arsch in der Hose“ gehabt, um die Bewohner zu einer Mieterversammlung einzuladen, um sie über ihre Pläne zu informieren. Obdachlose dürften seit längerem nicht mehr in die Wohnungen vermittelt werden. Auch aus diesem Grund stehe ein Großteil seit Jahren leer.
Landesdiakoniepfarrer Manfred Meyer sagte, um ihre soziale Verantwortung wahrzunehmen, sei auch die Baubehörde gefragt, hier einzuschreiten. Über das Bau- und Planungsrecht solle die Stadt Einfluss auf das nehmen, was in den Quartieren passiere. Die Linksfraktion in der Bremischen Bürgerschaft hatte kürzlich den Senat aufgefordert, eine sogenannte Milieuschutzsatzung zu erlassen, die Veränderungen der Vonovia genehmigungspflichtig machen würde.
Vonovia-Sprecher Max Niklas Gille sagte dem epd, zusammen mit den Bewohnern sei man „auf der Suche nach einem tragfähigen Kompromiss“. Das Unternehmen wolle die Siedlungen am Sacksdamm in Sebaldsbrück und an der Holsteiner Straße in Bremen-Walle abreißen. Dort solle neuer bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden, für den aber mehr Miete als bisher verlangt werden müsse. Die Bausubstanz stamme teilweise aus den 1920er Jahren und sei für umfangreiche Sanierungen nicht geeignet.
Eine Sanierung wäre für die Vonovia zu teuer. Die Reihersiedlung in Bremen-Oslebshausen solle dagegen an den Verein Wohnungshilfe übergeben werden. Bewohner, die in den Schlichtwohnungen bleiben wollten, könnten dann in die Reihersiedlung ziehen. Gille: „So können wir den bisherigen Mietern eine Perspektive bieten und die Arbeit des Vereins unterstützen.“
Bewohner wie beispielsweise Mitglieder der Familie Hacikerimoglu sagten, sie wollten gerne in ihrer jetzigen Wohnung bleiben, weil sie Platz für ihre ganze Familie biete. Vieles hätten sie schon selbst renoviert. „Außerdem findet man in der Nachbarschaft selten einen Zusammenhalt und eine Hilfsbereitschaft, wie es sie hier gibt“, betonte Adem Hacikerimoglu.
Bewohner, Aktionsbündnis und Diakonie forderten die Stadt auf, die Wohnungen anzukaufen, um sie zu erhalten. Die Schlichtwohnungen waren früher im Besitz der ehemals teilstädtischen Bremischen Wohnungsgesellschaft und wurden in der Regel dazu genutzt, Wohnungslose nach dem Ortspolizeirecht einzuquartieren. Heute gehört die Gesellschaft der Vonovia, Deutschlands größtem Wohnungskonzern mit Zentrale in Bochum.
