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Hospizarbeit Abschied ist kein Kinderspiel

Nina Janssen

Oldenburg - Auf einer blauen Spieldecke liegen Plüschtiere, eine Rassel, ein kleines Auto. In gelben Latzhosen ist Jan Steffen Könner auf einem Babyfoto zu sehen. Mit großen Augen und einem strahlenden Lächeln blickt er in die Kamera.

Im Alter von 20 Jahren verstarb er an einer seltenen Stoffwechselkrankheit. Annette Könner, die Mutter des Jungen, drückt auf den Knopf des Rekorders: „Wie schön, dass du geboren bist“, ein berühmtes Kinderlied von Rolf Zuckowski. „Und so habe ich es auch empfunden“, sagt sie in ihrem Workshop „Leben – Trotzdem!“.

In neue Rollen schlüpfen

An dem fünften „Tag der ambulanten Kinderhospizarbeit“ (TADEA) präsentierten am Sonnabend verschiedene Hilfsorganisationen ihre Arbeit; damit feierte der ambulante Kinderhospizdienst sein zehnjähriges Bestehen. Etwa 100 Kollegen und Kolleginnen, Ehrenamtliche, vereinzelnd auch Eltern, tauschten sich untereinander aus, zum Beispiel auf dem „Markt der Möglichkeiten“. Interessante Vorträge und insgesamt zehn Workshops rundeten das Programm ab.

In die Rolle des „frechen Max“ und der „schönen Püppi“ schlüpfen – Pädagogin Christiane Hubert-Schnelle zeigt in ihrem Workshop, wie ein Rollenspiel den Kontakt zwischen Eltern und Kind vereinfachen kann. „So muss man sich zum Beispiel nicht angucken. Dadurch traut man sich mehr“, erklärt Hubert-Schnelle. Die Teilnehmer sind von der Methode begeistert: „Für einen Moment ist man ganz weit weg“, sagen sie.

Der Moment, in dem Annette Könner skeptisch wurde: Mit eineinhalb Jahren hatte Jan noch immer keine Sprache entwickelt. Bald stellten die Ärzte die unheilbare Krankheit fest. Das Kind würde sich relativ normal entwickeln, ab einem unbestimmbaren Zeitpunkt aber kontinuierlich Rückschritte machen. Er sollte alles verlieren.


Fähigkeiten entdecken

Was ist das Gute? Was hat mein Kind für Fähigkeiten? Jeder soll sich eine Handpuppe auf den Arm stülpen – „Und zwar eine, die man gar nicht leiden kann“, weist Hubert-Schnelle die Gruppe an; die eine greift zur giftigen Schlange, der andere zum langweiligen Marienkäfer. „Was aber hat die Puppe für Fähigkeiten?“, fragt nun die Pädagogin. Die Teilnehmer sind ganz überrascht; sie finden tatsächlich auch gute Eigenschaften: „Die Schlange ist sehr beweglich“, stellt eine Teilnehmerin fest – und schon fühlt sich das unbeliebte Tier gar nicht mehr so fremd an.

„Wie geht es Ihnen denn?“ Als der Arzt diese Frage stellte, brach Annette Könner in Tränen aus. „Das hatte mich schon lange keiner mehr gefragt“, erzählt sie. Als die Pflege von Jan immer mehr zunahm, bekam die Familie zusätzliche Unterstützung im Hospiz.

Mit anderen sprechen

Gute Arbeit, ein Haus, ein Leben, wie man es sich wünscht – So erlebten es zunächst die Könners. „Der Apfelbaum war schon gepflanzt“, sagt sie. Dann sollte sich alles verändern? Die Familie fand Halt durch eine Selbsthilfegruppe, durch die Liebe zu Jan und ihren zweiten Sohn Tim.

„Leben, ein bisschen anders, aber schön“, sagt Könner jetzt, „und das geht nur, wenn man sich an kein bestimmtes Werteschema festhält.“

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