Oldenburg - Abschied mit Wehmut: Die Redner im PFL machten am Freitag keinen Hehl daraus, dass sie den Krankenhaus-Manager Rudolf Mintrop (57) nur ungern ziehen lassen. Von allen Seiten erfuhr der Klinikum-Geschäftsführer Lob für sein Wirken. „Das Klinikum vergisst Sie nie“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Berndt Zabel in Richtung Mintrop. Der gebürtige Essener verlässt Oldenburg zum Jahresende, um die Geschäftsführung des Klinikums Dortmund (3800 Mitarbeiter, 1600 Betten) zu übernehmen (NWZ berichtete).
Nachfolger von Mintrop ist Dr. Dirk Tenzer (40). Der Mediziner und Gesundheitsökonom arbeitete zuvor am Universitätsklinikum Bonn.
Mehr als zwölf Jahre lang lenkte Mintrop die Geschicke des Klinikums. Als er im Sommer 2000 den Führungsposten der damaligen Städtischen Kliniken antrat, steckte das Gesundheitswesen bundesweit in einer schwierigen Finanzlage. Dennoch ging es in Oldenburg aufwärts. „Seinen Visionen ließ er Taten folgen“, sagte Erste Stadträtin Silke Meyn vor den 170 Gästen der Abschiedsfeier. Mintrop habe das Klinikum weiterentwickelt. Viele große Bauprojekte (u.a. neue Kinderklinik sowie Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie) brachte er auf den Weg. In seiner Zeit wuchs die Bettenkapazität von 698 auf 802. Meyn dankte Mintrop dafür, dass er auch immer die Bedeutung des Klinikums für die Stadt als zweitgrößten Arbeitgeber (2600 Mitarbeiter) und als Wirtschaftsfaktor gesehen habe.
Klinikum-Aufsichtsratsvorsitzender Zabel erinnerte an Mintrops Leistung bei der Einrichtung der European Medical School Oldenburg-Groningen (EMS): „Sie brachten das Projekt immer wieder zum Laufen, wenn es gerade von der Strecke gekommen war.“ Zudem lobte Zabel, dass das Klinikum auch wirtschaftlich gut dastehe.
Die getroffenen Entscheidungen hätten immer das Wohl der Patienten und der Mitarbeiter des Klinikums zum Ziel gehabt, sagte Professor Dr. Florian Hoppe, ärztlicher Direktor.
Die Reden gingen Mintrop nahe. „Es ist mir schwer ums Herz“, gestand er. In Oldenburg habe er eine schöne und erfolgreiche Zeit verbracht. Nun stünden neue Aufgaben an. „Und mit jedem Tapetenwechsel wird man besser.“
Der Krankenhaus-Manager ging aber nicht ohne Kritik. Dass immer mehr Krankenhäuser defizitär arbeiteten, sei nicht auf Managementfehler zurückzuführen. Die Auswirkungen der Finanzkrise seien immer mehr zu spüren. Er forderte von der Politik eine Reform der Krankenhausfinanzierung. „Wir verlangen nur einen Ausgleich für erbrachte Leistungen.“
Die Oldenburger lernten Mintrop auch als Ideengeber und Motivator von sozialen Projekten kennen. Seiner Einstellung blieb er auch bei der Verabschiedung treu. Statt persönlicher Geschenke bat er um Spenden für die „Clinic Bo“ in Sierra Leone.
