Nordenham - Der graue Riese hat jahrzehntelang das Bild der Nordenhamer Innenstadt geprägt. Zuletzt ist er zwar nicht mehr zum Einsatz gekommen, aber als Symbol für die Hafentradition der Unterweserstadt gehörte er einfach dazu. Jetzt sind die Tage des großen Krans, der direkt hinter dem Bahnhof über der Weser in den Himmel ragt, endgültig gezählt. Rhenus Midgard hat das Braker Unternehmen Schwarting damit beauftragt, das Stahlungetüm abzubauen. Am Donnerstag sind die Arbeiter angerückt und haben damit begonnen, den altersschwachen Portalkran auseinanderzunehmen und ihn in transportfähige Einzelteile zu zerlegen.
520 Tonnen Stahl
Portionsweise tritt der 520 Tonnen schwere Dinosaurier aus Stahl seine letzte Reise an. Lastwagen bringen die Überreste des Stadtwahrzeichens nach Bremen. Endstation Altmetallschmelze.
Midgard-Geschäftsführer Uwe Oppitz geht davon aus, dass die Demontage des Industrierelikts etwa zwei Wochen dauern wird. Eigentlich hätte der Kran schon längst verschwunden sein sollen. Dass er für das Hafenunternehmen entbehrlich ist, steht bereits seit Dezember 2011 fest. Damals hatte bei einem Sturm eine Windböe die Brücke auf einen anderen Kran gedrückt und das Fahrwerk außer Gefecht gesetzt.
Um den Schaden zu beheben, hätte Rhenus Midgard 200 000 bis 300 000 Euro investieren müssen. „Wirtschaftlich wäre das Unsinn gewesen“, sagt Uwe Oppitz mit dem Hinweis auf das Alter des Krans, der mittlerweile 81 Jahre auf dem Buckel hat.
Die Deutsche Maschinenbau-Aktiengesellschaft (Demag) hatte den Stahlriesen 1936 für den Midgard-Hafen errichtet. Die Gittermastbrücke erstreckt sich über eine Länge von 130 Metern. In den letzten Jahren vor seiner Stilllegung nutzte der Hafenbetrieb den Kran, der bis zu 20 Tonnen heben konnte, vor allem für den Kohleumschlag.
Davon abgesehen, dass er beschädigt und technisch veraltet ist, stellt der 50 Meter hohe Koloss laut Uwe Oppitz ein Sicherheitsrisiko dar. „Der Stahl wird porös“, sagt der Midgard-Geschäftsführer, „da kann es bei Sturm gefährlich werden.“ Und es gibt aus seiner Sicht noch einen guten Grund, den ausrangierten Kran zu demontieren: „Er steht im Weg und blockiert Lagerfläche.“
Allerdings zog sich der Abschied länger hin als geplant. Das lag zunächst daran, dass die Denkmalschutzbehörde sich zu Worte meldete und die Frage in den Raum warf, ob es sich bei der markanten Stahlkonstruktion womöglich um ein erhaltenswertes Baudenkmal handeln könnte. Bei der Überprüfung kamen die Denkmalschützer letztlich zu dem Ergebnis, dass sich eine Verschrottung vertreten lässt. Allerdings unter der Bedingung, dass Rhenus Midgard die Historie des Krans in einem Gutachten mit Fotos und Texten sorgfältig dokumentiert. Als das erledigt war, erhielt das Unternehmen im Oktober 2015 die Abrissgenehmigung.
Das Buch schließen
Jedoch befanden sich zu dem Zeitpunkt die Schrottpreise im Keller. Uwe Oppitz hatte das Projekt so kalkuliert, dass sich die Kosten für die Demontage mit dem Verkaufserlös für das Altmetall begleichen lassen. Daher wollte der Geschäftsführer mit dem Startsignal abwarten, bis die Schrottpreise wieder anziehen. Inzwischen haben sie sich zwar etwas verbessert, aber für das erhoffte Nullsummenspiel reicht es nicht ganz. Trotzdem zieht Rhenus Midgard die Sache nun durch: „Wir möchten das Buch jetzt schließen“, sagt Uwe Oppitz.
