Bookholzberg - Inmitten von Trompetenlampen, knollnasigen Figuren, Schlüsselanhängern aus Tischkickerspielern, Tagebüchern aus Vinylplatten, Stiftehaltern aus Cola-Dosen und Federmäppchen aus Mülltüten sitzt ein junger Mann im Kapuzenpulli: Als er sich umdreht, ist Christian Manig 57 Jahre alt.
An seinem Handgelenk baumelt eine zum Armreif gebogene Gabel. Wie das meiste in dem kleinen Zimmer des Bookholzberger Jugendzentrums ein Produkt seiner Arbeit. Und nein: Er ist kein Künstler. Höchstens einer des Lebens. Christian Manig ist Streetworker. Aber dieses Wort mag der Familienvater nicht. „Aufsuchende Jugendarbeit“ ist ihm lieber. Oder „Der kleine Mann von der Straße“, wie er sich gerne nennt.
Und das kommt seinem Job ziemlich nah: „Ich bin die meiste Zeit unterwegs, gehe da hin, wo junge Leute sich treffen, suche Kontakt oder verabrede mich mit denen, die mich kennen“, sagt er. „Auswärtsspiele“, nennt der 57-Jährige das. Sein Büro sei nur die Anlaufstelle für Telefonate und Papierkram. Schade eigentlich – wo es doch hier so inspirierend aussieht. „Das haben alles Jugendliche gebaut“, sagt er.
Im Laufe der letzten 13 Jahre hat der Sozialarbeiter viele Projekte in der Gemeinde auf die Beine gestellt – und Jugendliche ihren Weg gehen sehen. „Einige haben inzwischen selbst Kinder – da kommen heute Einsichten, die damals völlig abwegig waren“, sagt er – und sieht es gelassen. Seine Aufgabe sieht Christian Manig in „Lebensbildung“ – Angebote machen. Zum Reden, Lösen von Problemen und Nachdenken. „Wer hat eigentlich Rechts?“ hieß ein Seminar, bei dem sich die Teilnehmer mit fremdenfeindlichen Tendenzen auseinander gesetzt haben. Wie bei all seinen Projekten ist dazu ein passendes Plakat entstanden. Außerdem gibt es immer einen Titelsong. „Ich nutze kreative Wege, um zum Ziel zu gelangen“, sagt er, „mit diesen Accessoires kann man Problematisches verschönern.“
Immer komme das nicht an.„Manchmal heißt es ,Bleib mir von der Pelle’“, sagt der Sozialarbeiter. Inzwischen ist er jedoch bekannt genug – auch für seine Vorzüge. Neben den vielen Jugendlichen, die den Alltag und damit auch ihre Zukunft innerhalb seiner Angebote gestalten, suchen auch viele Familien den Rat des 57-Jährigen. Hin und wieder läuft es auch umgekehrt: „Es gibt schon schwierige Verhältnisse. In manchen Fällen bin auch ich überfragt – das ist dann ein Fall für andere soziale Dienste, Psychologen oder die Polizei“, sagt er. Ein Gesprächsversuch stehe jedoch immer an erster Stelle. „Nichts ist unveränderbar“, lautet seine Überzeugung.
Auch Gelassenheit, Nachsicht gehört zum Job: „Jugend ist ein Problem, das von Tag zu Tag abnimmt“, zitiert er lachend. Dann besinnt er sich: „Nein, fertig ist man nie. Auch ich nicht.“ Einen Anspruch, ewig jung zu bleiben, habe er nicht: „Ich kenn’ mich längst nicht mehr mit allem aus. Will ich auch gar nicht.“ Dann lässt er den Blick über seine gesammelten Schätze schweifen. „Rüberbringen“, fasst „der kleine Mann von der Straße“ zusammen, „kann man immer nur, was einem selbst Spaß macht.“
