ACHTERSTADT - Einst soll ein komplettes Pferdegespann im morastigen Boden auf dem Grundstück von Otto Plocher versunken sein, das er vor drei Jahren in Achterstadt gekauft hat. Das sei doch eine schöne, aber nicht ernst zu nehmende Geschichte, schmunzelt der Archivar. Realistischer ist hingegen die Vorstellung, dass der moorige Weg, der 30 Meter von seinem Haus entfernt verläuft, im Zuge des Schweier Flurbereinigungsverfahrens bald zu einem Wirtschaftsweg ausgebaut werden könnte. Und das gefällt dem gebürtigen Oldenburger und vielen seiner Nachbarn ganz und gar nicht.
Website eingerichtet
Er sei kein Querulant, sagt Otto Plocher, der zusammen mit Freerk Syassen eine Website eingerichtet hat, um die Diskussion in Gang zu bringen. Denn so langsam sei er es leid, dass ihm andere auf der Nase herumtanzen würden. Alle, sowohl Kritiker als auch Befürworter der Flurbereinigung, seien aufgefordert, in dem Internet-Blog über das Für und Wider zu schreiben.
Den Ablauf des Flurbereinigungsverfahrens in Schwei hatten Mitarbeiter der Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften (GLL) im November in Rodenkirchen vorgestellt (dieNWZ
berichtete). In der gezeigten Karte, die das zuständige Ministerium in Hannover favorisiert, war der neue Wirtschaftsweg mit der Bezeichnung Route 406, der einige Meter auch am Grundstück von Otto Plocher vorbeiführen und die Wege Zum Rockenmoor und Burenreege verbinden könnte, zwar nicht mehr vermerkt. Nach den Worten von Otto Plocher gibt es aber Landwirte, die ihre Höfe vergolden wollten und weiterhin zu dieser Trasse tendierten. Im Hintergrund würde kräftig gemauschelt und gekungelt. „Das ist Bauerntheater“, merkt er an. In Süderschwei koche es bereits hoch. Die beteiligten Landwirte seien jedoch zu keinem Gespräch bereit.Der Ausbau auch des Weges Zum Rockenmoor und die damit einhergehende Nutzung durch noch größere landwirtschaftliche Fahrzeuge behagt den Anliegern nicht. Und so haben sich mehr als 20 Kritiker des Verfahrens, auch Leute aus Achterstadt, kürzlich im Kötermoorer Hof zu einem Meinungsaustausch getroffen und um das weitere gemeinsame Vorgehen zu besprechen. Nach den Worten von Otto Plocher wollen die Kritiker bei der Wahl zum Vorstand des Flurbereinigungsverfahrens eigene Kandidaten ins Rennen um die zu besetzenden neun Vorstandsposten schicken. Man hoffe, auf diesem Wege mehr Einfluss zu erlangen. Die Wahl finde am 31. März statt. Jeder der rund 400 Grundeigentümer im Flurbereinigungsgebiet verfüge über eine Stimme.
Widerspruch eingelegt
Erste Schritte hatten Gegner bereits unternommen und Widerspruch gegen die gesamte Planung bei der GLL eingereicht. So auch Otto Plocher. Während einige Widersprüche bereits verhandelt worden sind, muss sich Otto Plocher noch bis zur nächsten Woche gedulden. Dann ist er an der Reihe. Der Antiquar hat aber bereits erfahren, dass den Leuten bei ihrer individuellen Anhörung geraten wird, den Widerspruch zurückzuziehen, weil ansonsten im Falle einer „unvermeidlichen Ablehnung eine Verwaltungs-Gebühr von 160 Euro“ fällig würde. Die GLL verfahre indes nach einer gesetzlichen Gebührenordnung. Das sei keine Willkür, betont er.
„Wir sind für eine positive Entwicklung“, macht Otto Plocher deutlich. Am Beispiel der Route 406, die seiner Meinung nach auf dem moorigen Boden nicht zu realisieren ist, kämen jedoch Zweifel auf. Die Kritiker seien weiter zum Dialog bereit, sagt er.
