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Andelhof Ackerbau nach Mondphasen

Rahel Arnold

Friedrich-Augustengroden - Ein paar Kühe, Hühner, Gänse und Enten, ein Esel, einige Katzen und ein Hund sowie 30 Hektar Ackerland – das ist der Demeter-Hof von Peter Fimmen in Friedrich-Augustengroden. Dort produziert er unter anderem Kartoffeln, Bohnen, Weizen, Gerste, Hafer oder Dinkel – alles nach den Demeter-Richtlinien.

Fimmen hat mit 27 Jahren beschlossen, dass er biologisch-dynamische Landwirtschaft betreiben will. Vorher lernte er Landmaschinenschlosser in Neufunnixsiel, fuhr zwei Jahre zur See und war danach vier Jahre bei der Bundeswehr. „Manchmal saß ich nachts auf einem Poller auf dem Schiff und habe über den Sinn meines Lebens nachgedacht. Waren um die ganze Welt fahren bis nach Mexiko oder Japan – ich habe nie verstanden, was das soll“, sagt er. Später hatte er eine Freundin in Bremen, die sich für Natur- und Umweltschutz und gegen Atomkraft einsetzte. „Da bin ich mit auf Demos gegangen und dachte, das ist was dolles, das reicht aus“, meint Fimmen.

Aber bald reichte das nicht mehr aus: „Alle paar Wochen auf die Straße für den Umweltschutz, aber bei der Bundeswehr täglich den Starfightern dabei zusehen, wie sie Massen an Kerosin in die Luft blasen, das hat nicht zusammengepasst.“

Neue Wege beschritten

Auf Sylt hatte Peter Fimmen dann ein Schlüsselerlebnis: „Es war ein warmer, sonniger Tag und ich pflückte einen Wildblumenstrauß“, erzählt er. „Als ich im Dorf stand, kam ich mir blöd vor – ein junger Mann mit einem Blumenstrauß im Arm.“ Die Blumen schenkte er einer alten Frau auf einer Parkbank, die die Geste fast zu Tränen rührte. „Und da wusste ich: Anderen Menschen Gutes tun, das ist der richtige Weg für mich“, sagt Fimmen.

„Wenn ich etwas verändern will, dann muss ich mit gutem Beispiel vorangehen“, sagt er. Der heute 63-Jährige entschied, seinen bisherigen Lebensweg zu verlassen und etwas Neues zu machen. Er lernte biologisch-dynamische Landwirtschaft, zunächst in Düren bei Graf von Finkenstein, anschließend in Loheland. Die anthroposophische Stiftung dort umfasst ein Dorf mit Ausbildungsstätten, Wohnsiedlung und Bauernhof. Während seiner Ausbildung lernte Fimmen ab 1978 mehrere Biobauernhöfe kennen. Nach erfolgreichem Abschluss arbeitete er fünf Jahre auf einem Bauernhof im Sauerland, der von konventioneller Landwirtschaft auf Demeter-Anbau umgestellt wurde.

1985 kam Peter Fimmen nach Hause auf den Hof seines Vaters: „Mein Vater war konventioneller Landwirt. Als er den Betrieb aufgab, habe ich ihn übernommen und auf biologisch-dynamische Landwirtschaft umgestellt.“ Und: „Ich wollte nicht reich werden, aber ich wollte für die Menschen gute Nahrungsmittel produzieren.“


Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise nach Demeter-Richtlinie ist die älteste ökologische Form der Landbewirtschaftung. Sie geht zurück auf Impulse von Rudolf Steiner, der unter anderem die Waldorfpädagogik entwickelt hat. „Es handelt sich also um altes, aber eher unpopuläres Wissen“, sagt Fimmen.

Als Demeter-Landwirt hält er sich an eine längere Fruchtfolge. Auf seinen sieben Feldern wachsen abwechselnd Kleegras, Weizen/Dinkel, Hafer, Ackerbohnen, Gerste oder Kartoffeln. „Durch diese Fruchtfolge ist der Boden nährstoffreich, das Kleegras bildet Stickstoffknöllchenbakterien, die dann Stickstoff im Boden für die nächste Frucht hinterlassen“, erklärt er. Das Kleegras wird an die Kühe verfüttert, deren Mist den Dünger bildet. Das Unkraut auf den Feldern wird mechanisch durch striegeln, hacken oder eggen vermindert. Der Hof sei ein geschlossener Betriebskreislauf – ohne Pestizide, ohne Kunstdünger und ohne Gentechnik, sagt Fimmen.

Natürliches Wachstum

Zudem richtet er sich bei der Erzeugung seiner Pflanzen nach dem Aussaatkalender von Maria Thun. „Wenn die Pflanzen nicht zu stark durch Dünger getrieben werden, dann reagieren sie nämlich auf die Mondphasen“, erklärt Fimmen. „Jedes Mal, wenn der Boden bewegt wird, kommt kosmische Energie hinein.“

So sei es möglich, das Pflanzenwachstum und die Pflanzengesundheit natürlich zu regulieren. „Kunstdünger oder Pestizide sind nicht nötig und die Menschen bekommen harmonisch produzierte Lebensmittel“, sagt er.

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