München/Bremen - Der ADAC kommt nicht aus den Schlagzeilen und will sich deshalb jetzt ganz neu aufstellen. „Wir glauben, dass wir nur durch eine grundlegende Reform die aktuellen Schwachstellen beheben können“, erklärte ADAC-Präsident Peter Meyer am Mittwoch in München.
Nach dem Wirbel um Manipulationen beim Autopreis „Gelber Engel“ und Vorstandsflüge in Rettungshubschraubern werden alte ADAC-Einsätze unter die Lupe genommen. In Braunschweig legte ein Hubschrauber 2006 sogar einen Fußballplatz trocken. Dieser sei vor der Zweitliga-Partie gegen Dresden im Jahr 2006 mit Zustimmung des damaligen ADAC-Vorsitzenden in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Reinhard Manlik, im Einsatz gewesen, teilte der ADAC am Mittwoch in Laatzen mit.
Der ADAC-Regionalverband Weser-Ems hat hingegen nach eigenen Angaben keine Hinweise darauf, dass in den vergangenen Jahren die Rettungshubschrauber „Christoph 6“ (Bremen) und „Christoph 26“ (Sanderbusch) für Vorstandsflüge genutzt worden sind. Dies erklärte ADAC-Pressesprecher Nils Linge auf Nachfrage.
Die Struktur des Autoclubs und seiner wirtschaftlichen Aktivitäten will Präsident Meyer nun überprüfen lassen. Die Mitglieder sollen mehr eingebunden werden. In einer außerordentlichen Hauptversammlung, der ersten seit 66 Jahren, soll die Neuausrichtung beschlossen werden.
Verbraucherminister Heiko Maas (SPD) sprach von einem „notwendigen ersten Schritt“ zur Rückgewinnung verlorenen Vertrauens. „Verbraucher müssen sich darauf verlassen können, dass Produkttests und Umfragen nicht manipuliert werden“, sagte er. Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag des „Stern“ haben 46 Prozent der Deutschen eher geringes (29) oder sehr geringes Vertrauen (17) in den ADAC. Dagegen äußerten 44 Prozent eher großes (33) oder sehr großes (11) Zutrauen.
