ADDRUP - Die Wernsing Feinkost GmbH in Addrup hat am Donnerstag bei einem Besuch des Niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister ihre Kritik an der Förderung der erneuerbaren Energien erneuert. Sie habe die Pachtpreise für landwirtschaftliche Flächen in die Höhe getrieben und mache es der Firma zum Beispiel nahezu unmöglich, Kartoffeln aus der Nachbarschaft zu beziehen. Ansonsten stiegen die Preis der Produkte und man sei auf dem Markt nicht mehr konkurrenzfähig, so Geschäftsführer Bernard Suding.
In der Unternehmensgruppe werden pro Jahr etwa 430 000 Tonnen Fertigprodukte hergestellt. Hierfür wurden unter anderem 550 000 Tonnen Kartoffeln und 40 000 Tonnen Speiseöl benötigt.
Wernsing sei für eine Energiewende, doch durch den Eingriff des Staates in die Marktwirtschaft mit Subventionen für die Verbrennung von Lebensmittelrohstoffen zu Energie gehe die Wettbewerbsfähigkeit verloren.
Besonders für regionale Produkte wie Kartoffeln, Raps und Weißkohl müssten gegenüber den Nachbarländern höhere Vertragspreise bezahlt werden. Von einem fairen Wettbewerb könne man nicht mehr sprechen, denn es handele sich bei der Energiegewinnung aus Agrarrohstoffen nicht um eine Anschubfinanzierung, sondern das Produkt Strom werde bis zu 20 Jahren zu einem festen Preis auf Kosten der Industrie und des Verbrauchers garantiert.
In Folge dieser Entwicklung seien die Kartoffelanbauflächen in Niedersachsen in diesem Jahr bereits um 8,3 Prozent zurückgegangen. Anbauflächen für Zuckerrüben und Mais stiegen. Deutschland sei 2011 erstmals seit 1987 Nettogetreideimporteur, weil der Anbau für die subventionierten Energiepflanzen zur Herstellung von Strom, Bioethanol und Biodiesel attraktiver sei.
Scharf ins Gericht geht Wernsing auch mit Biogasanlagen, die nachwachsende Rohstoffe (Nawaro) verarbeiten. Lebensmittelrohstoffe, die die Lebensmittelindustrie benötige, würden mit Subventionen zur Stromgewinnung verbrannt. Der energetische Wirkungsgrad der meisten Anlagen sei kleiner als 40 Prozent. 60 Prozent der eingesetzten Pflanzen – vorwiegend Mais – werde als Abwärme in die Umwelt gelassen. „Leider“, so Suding, „wird in der neuen EEG-Novelle Strom aus Nawaro-Biogasanlagen mit 18,3 Cent pro Kilowatt höher vergütet als Anlagen, die Reststoffe verwerten mit 16 Cent“.
