Oldenburg - Besonders die klassische Landwirtschaft als auch Ausbilddungen in Ökobetrieben erfreuen sich weiter großer Beliebtheit.
Frau Hallmann-Rosenfeldt, wie stellt sich bei den Berufen, für die die Landwirtschaftskammer zuständig ist, zurzeit die Ausbildungsplatzsituation dar?
Bei uns sind die Zahlen insgesamt stabil. Das ist besonders vor dem Hintergrund der sinkenden Zahl der Schulabsolventen sehr erfreulich.
Welche Ausbildungsberufe sind besonders gefragt?
An erster Stelle ist hier der klassische Beruf des Landwirts zu nennen. Viele Jugendliche interessieren sich dafür. Der Beruf ist auch wegen der vielfältigen beruflichen Einsatzgebiete attraktiv. In den vergangenen Jahren ist auch die Ausbildung in Betrieben mit ökologischer Wirtschaftsweise immer bedeutender geworden. Hinzu kommen angrenzende Bereiche wie die Lohnunternehmen mit der Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice oder auch der neue Beruf zum Pflanzentechnologen. Viele Jugendliche interessieren sich für den direkten Umgang mit Tieren und Pflanzen.
In welchen Bereichen ist es eher schwierig, junge Leute zu gewinnen?
In der Region sind unsere Ausbildungsplätze in allen Berufen quasi belegt. Freie Plätze gibt es natürlich im Einzelfall – etwa im Gartenbau im Ammerland – immer noch.
Man könnte ja vermuten, die Berufe in der Landwirtschaft und drumherum, also die grünen Berufe, leiden unter der aktuellen Diskussion um die Art der Agrarproduktion und ihre Auswirkungen.
Die Ausbildungszahlen spiegeln ja wider, dass es kein generelles Problem mit dem öffentlichen Image gibt. Viele im Agrarbereich sind sehr engagiert und aktiv hinsichtlich einer transparenten Darstellung ihrer Arbeit. Zudem beteiligen sich zahlreiche Betriebe vor Ort im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit. Sie bieten zum Beispiel Praktikumsplätze an oder wirken im Rahmen von einschlägigen Berufsmessen mit. Dazu trägt bei, dass viele unserer Betriebe vor Ort in den Gemeinden verankert sind. Man kennt sich eben und das schafft Vertrauen.
Also kein weiterer Handlungsbedarf?
Aber sicher. Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen ist ja kein Selbstläufer. Betriebe müssen jede Möglichkeit nutzen, sich zu präsentieren. Gerade auch im Internet, wo die Jugendlichen ja ständig unterwegs sind. Auch die LWK bietet ein entsprechendes Portal. Ziel muss es sein, schon vor dem Stadium der konkreten Ausbildungsplatzsuche, also der Berufsorientierung, ins Gespräch zu kommen. Aktuell läuft der Wettbewerb PIA der NWZ. Aus meiner Sicht eine Plattform, um auf seine Ausbildungsideen aufmerksam zu machen. Zunehmend werden Praktika im Ausland Bestandteil der Ausbildung. Dazu zählen auch gute Ausbildungsplanung und frühzeitige Einbindung in das betriebliche Umfeld. Ein gutes Betriebsklima spielt bei Berufsanfängern eine große Rolle.
Wie kann man auf den Trend zum Studium reagieren?
Die Alternativen zum Studium müssen frühzeitig aufgezeigt werden. Das Motto „Karriere mit Lehre“ stimmt heute mehr denn je. Mit einer Fortbildung zum Meister oder zum Betriebswirt gibt es sehr gute Perspektiven. Der neue Weg einer Ausweitung der Praktikumsphasen an Gymnasien ist daher sehr zu begrüßen. Er ist übrigens Teil eines ganzen Paketes von Vorschlägen, die im Rahmen des „Bündnisses Duale Berufsausbildung“ zur Stärkung der beruflichen Ausbildung in Betrieben entwickelt wurden. Gut angenommen wird auch ein Modell, welches den Abschluss eines Beruflichen Gymnasiums mit einer sich anschließenden verkürzten Ausbildungszeit vorsieht. Betriebe schätzen auch bei Studienabsolventen die berufliche Praxis oder gar einen beruflichen Abschluss sehr. Das wird häufig nicht genügend berücksichtigt.
Was erwarten Jugendliche von Betrieben?
Ganz obenan steht, dass sie gut und strukturiert ausbilden. Und es muss interessant sein. Die jungen Leute wollen zudem so, wie sie sind, akzeptiert werden, eigenständig Projekte bearbeiten und an Entscheidungen mitwirken. Um auf solche Anforderungen eingehen zu können, sollten die Ausbilder sich ständig weiterqualifizieren, insbesondere auch im Bereich der sozialen und berufspädagogischen Kompetenzen.
Ihnen liegt persönlich stets am Herzen, dass auch Jugendliche mit Beeinträchtigungen eine Chance haben.
Die Landwirtschaftskammer unterstützt seit vielen Jahren Betriebe und auch Bildungsträger, die Jugendliche mit Beeinträchtigungen ausbilden. Wir beraten gern in dieser Hinsicht und zeigen anhand von „Best-Practice-Beispielen“, wie Ausbildung gut gelingen kann und übrigens alle – auch die Betriebe – davon profitieren. Aktuell läuft eine Initiative mit den anderen Kammern, der Agentur für Arbeit und einigen Schulen, um hier mehr Betriebe zu gewinnen, die sich diesbezüglich engagieren
