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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Jürgen Lehmann: Firmen bewerben sich bei jungen Leuten

13.09.2019
Frage: Aus der kürzlich veröffentlichten Ausbildungsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) geht hervor, dass im vergangenen Jahr in jedem dritten Betrieb Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben sind. Rechnen Sie damit, dass sich diese Entwicklung weiter verschärfen wird oder sehen Sie Chancen auf Besserung?
Lehmann: Diese Problematik beobachten wir schon seit einigen Jahren. Ich glaube nicht, dass sich das noch massiv verstärken wird, aber wir werden schon in den nächsten Jahren große Anstrengungen unternehmen müssen, damit nicht eine weitere Steigerung dieses Anteils eintritt. Was sich in den nächsten Jahren nicht verändern wird, ist die negative demografische Entwicklung. Woran sich allerdings arbeiten lässt, ist die Frage, welche potenziellen Auszubildenden zusätzlich angeworben werden können.
Jürgen Lehmann BILD: AGV

Jetzt noch schnell bewerben

Jürgen Lehmann ist Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands (AGV) Oldenburg. Dem größten Unternehmerverband im nordwestlichen Niedersachsen, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, gehören rund 600 Mitgliedsunternehmen an. Lehmann ist auch Mitglied in der Jury beim Preis für Innovative Ausbildung (PIA) der NWZ-Wirtschaftsredaktion.

Mit PIA sollen Unternehmen im Oldenburger Land gewürdigt werden, die in der dualen Berufsausbildung mehr tun als üblich. Bewerbungen für den Preis sind noch bis Dienstag, 8. Oktober, möglich. Über alle Bewerbungen wird berichtet, auf der NWZ-Wirtschaftsseite und online. Informationen zur Bewerbung und weitere Artikel unter

    www.nwzonline.de/pia

Frage: An welche Gruppen denken Sie hier?
Lehmann: Die Unternehmen werden insgesamt ihre Auszubildenden heterogener aussuchen müssen. Das bezieht sich etwa auf den Leistungsstand. Man wird schauen müssen, welche Möglichkeiten es gibt, leistungsschwächere Jugendliche zu integrieren. Dann gibt es bestimmte Berufe vor allem im gewerblich-technischen Bereich, bei denen in der Vergangenheit fast ausschließlich männliche Bewerber zur Verfügung standen. Sicher gibt es Chancen, auch bei jungen Frauen Interesse für diese Berufe zu wecken. Eine weitere Gruppe sind Studienabbrecher, die verstärkt für eine duale Berufsausbildung gewonnen werden sollten. Und dann gibt es noch das große Thema Geflüchtete.
Frage: Wie sehen Sie hier die Entwicklung?
Lehmann : Wir sind jetzt in einer Phase, in der sukzessive auch mehr Geflüchtete in die Ausbildung kommen. Eine wichtige Aufgabe für die Betriebe, vor allem aber für die Politik und andere Organisationen, wird es sein, für eine gute Sprachbildung zu sorgen. Denn das größte Problem bei Geflüchteten, auch in der Ausbildung, sind nach wie vor die mangelnden Deutschkenntnisse, insbesondere im Bereich der Fachsprache.
Frage: Sehen Sie denn, dass dieses Umdenken in den Betrieben schon stattfindet?
Lehmann : Hier in der Region, so mein Eindruck, haben die meisten Unternehmen das Thema schon erkannt und sind bereit, sich für die genannten Gruppen zu öffnen. Entscheidend ist, dass man Mittel und Wege findet, um an die jungen Menschen heranzukommen. Man darf nicht nur auf Bewerbungen warten, sondern muss aktiv auf die potenziellen Auszubildenden zugehen und sie dort abholen, wo sie sich aufhalten: also in Schulen, in Universitäten und natürlich auch in der digitalen Welt. Und man muss die jungen Menschen in die Betriebe holen, z. B. durch Schnupperpraktika und Informationsveranstaltungen und ihnen dabei vermitteln: Was passiert eigentlich konkret bei uns in der Ausbildung?
Frage: Es wird immer wieder gesagt: Die Unternehmen müssen sich attraktiv aufstellen, um weiterhin genug junge Leute zu finden. Was gehört aus Ihrer Sicht dazu?
Lehmann : Da würde ich an erster Stelle das Thema Em­ployer Branding, also die klassische Arbeitgebermarke, nennen. Wir haben heute ein großes Bewerberfeld, das nicht mehr aus Jugendlichen, sondern aus Unternehmen besteht, die sich quasi bei den potenziellen Auszubildenden bewerben. Und diese neue Rolle führt dazu, dass man sich besonders positiv präsentieren muss. Große Unternehmen haben den Vorteil, dass sie zumeist deutlich sichtbarer am Markt sind. Umso wichtiger ist es für die kleinen und mittelständischen Unternehmen, dass sie mit anderen Mitteln einen Bekanntheitsgrad erlangen: z. B. durch eine gute Unternehmenskultur, besondere Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Werbeaktionen mit Auszubildenden, aber auch durch ein vorbildliches gesellschaftliches Engagement.
Frage: Und womit können Unternehmen bei jungen Leuten punkten?
Lehmann : Gar nicht unbedingt nur mit den materiellen Bedingungen, Stichwort Ausbildungsvergütung. Viel wichtiger ist häufig: Wie qualitativ hochwertig ist die Ausbildung? Kann ich mich selbstständig in Prozesse einbringen? Werde ich als Auszubildender geachtet? Wie ist das Betriebsklima? Welche Entwicklungsmöglichkeiten habe ich nach der Ausbildung? Viele Ideen, wie so etwas in der Praxis umgesetzt werden kann, finden sich auch in den Bewerbungen um den NWZ-Ausbildungspreis PIA. Besonders erfreulich finde ich, dass viele Ideen, die in dem Wettbewerb vorgestellt werden, später auch von anderen Betrieben aufgegriffen werden.
Frage: Das Bundeskabinett hat vor wenigen Wochen eine Mindestvergütung für Auszubildende beschlossen: 515 Euro im Jahr 2020 und in den Folgejahren weiter steigend. Wird das dazu beitragen, die duale Berufsausbildung attraktiver zu machen?
Lehmann : Meines Erachtens sollte die Ausbildungsvergütung ebenso wie die Arbeitsvergütung von den Tarifvertragsparteien und nicht von der Politik festgesetzt werden. Überdies liegen die meisten tarifvertraglichen Ausbildungsvergütungen bereits über 515 Euro. Entsprechend der jeweiligen Ausbildungssituation und Bewerberknappheit werden die regionalen Marktverhältnisse ohnehin dafür sorgen, dass Ausbildungsvergütungen zukünftig stärker steigen werden.
Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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