Ahlhorn - Zur Überwindung von akuten Versorgungsengpässen mit persönlicher Schutzausstattung in der Corona-Pandemie hat die Dr. Müller GmbH in Ahlhorn eine Forschungskooperation mit dem Laboratorium Fertigungstechnik an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg gestartet. Ziel ist die Entwicklung und Produktion dringend benötigter persönlicher Schutzausstattung für medizinisches Personal – unter anderem mittels 3D-Druck. Ein erstes Produkt dieser Kooperation ist ein Gesichtsschild, der als Spritzschutz über dem Mundschutz getragen und somit die Sicherheit des medizinischen Personals erhöhen kann.

Der Leiter des Laboratoriums Fertigungstechnik, Professor Dr. Jens Wulfsberg, erklärt, dass mit konventionellen Produktionsmethoden und globalen Lieferketten der akute Bedarf an Infektionsschutzmasken und Gesichtsschilden auf kurze Sicht kaum gedeckt werden könne.

Während große produzierende Unternehmen ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt hätten und die Produktion heruntergefahren worden sei, hätten global verteilte Gruppen („Maker Communities“) Schutzausrüstungen online entwickelt und in dezentralen Werkstätten produziert, um sie in Gegenden mit massiven Lieferengpässen vor Ort zu verteilen. Der Vorteil dabei: Designs, Baupläne und Montageanleitungen der Produkte und Maschinen seien frei verfügbar.

Diese dezentralen Werkstätten, von denen es weltweit derzeit mehr als 1500 geben soll, seien bereits unmittelbar nach Beginn der Corona-Krise von der Europäischen Kommission aufgerufen worden, mit ihrem Fachwissen und ihren Produktionskapazitäten vor Ort zur Überwindung von Engpässen bei Schutzausrüstungen beizutragen. Gemeinsam mit dem Laboratorium Fertigungstechnik wird die Dr. Müller GmbH diese Entwicklungen aufgreifen und professionalisieren.

Dr. Tobias Redlich, Projektleiter am Laboratorium Fertigungstechnik, betont: „Wir haben gezeigt, wie man im Open Lab Hamburg innerhalb weniger Tage auf Grundlage von weiterentwickelten Open-Source-Designs die Produktion mit einfachen 3D-Druckern auf 5000 Gesichtsschilde pro Woche hochfahren kann. Es ist bemerkenswert, mit welcher Geschwindigkeit wir es geschafft haben, von der ersten Idee zu einem neuen Produkt zu kommen, dieses zu verbessern und eine entsprechende Produktion dafür aufzubauen und zu skalieren.“