Ahlhorn - Die Ahlhorner Fischteiche haben ein Problem: Zu wenig Wasser und eine zu schlechte Wasserqualität. Das Problem ist laut der Leiterin des Forstamtes Ahlhorn, Regina Dörrie, schon seit Jahren bekannt. Das Neue sind Resultate der Niedersächsischen Landesforsten, die seit zweieinhalb Jahren Daten zur Wassermenge und Gewässergüte des Systems der Ahlhorner Fischteiche erheben. „Es ist der Beweis, dass es nicht so weitergehen kann.“
Die Fischteiche sind seit 2005 ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FHH). Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie hat zum Ziel, wildlebende Arten, deren Lebensräume und die europaweite Vernetzung dieser Lebensräume zu sichern und zu schützen. „Das FHH-Gebiet ist ökologisch wertvoll, weil wir seltene Strandlingsvegetationen wie Wasserpfeffertännel und Schlammlinge haben, die vom Aussterben bedroht sind“, erklärt Dörrie.
Das gefühlte Problem, wie es Geowissenschaftlerin Tina Wixwat umschreibt, dass es früher zum einen mehr und zum anderen besseres Wasser gab, sollte mit der zweieinhalb Jahre andauernden Messkampagne überprüft werden. Dazu wurden an verschiedenen Stellen Pegel installiert, die unter anderem Wassermenge, Nitrat- und PH-Wert sowie das Salzgehalt des Wassers aufzeichnen.
Im Jahr 2018 gab es bei der „Lethe oben“ einen Zulauf von 3,8 Millionen Kubikmeter und 0,8 Millionen bei der „Alten Lethe“. Allerdings gab es einen Ablauf von 6,9 Millionen Kubikmetern bei der „Lethe unten“. „Es fließt weniger rein als raus. Es bedeutet, dass die Ahlhorner Fischteiche wasserabhängig sind“, erklärt Wixwat. Die Fischteiche sind eine „Sandbüchse“, wie es Jörn Schöttelndreier, Förster für Waldökologie im Forstamt Ahlhorn, sagt. Wenn die Teiche also bespannt werden, heißt gefüllt, läuft das Wasser durch den sandigen Boden und „es entsteht dadurch eine Wasserproblematik“. Als Beispiel nennt der Waldökologe den Strand. Wenn dort ein Loch am Wasser gegraben wird, füllt es sich mit Wasser, das ist bei den Ahlhorner Fischteichen nicht der Fall.
Die Folgen wurden am Teich 23 verdeutlicht. 2007 wurde dieser nach FHH-Richtlinien mit „A“ ausgezeichnet, was bedeutet, dass dieser Teich hervorragend ist. Zehn Jahre später sah dies anders aus, weil es zu wenig Wasser gab, um den Teich zu bespannen. Zudem war das Wasser, was hineinläuft, zu stark mit Nährstoffen verunreinigt. „Der Wasser-Schwaden hat sich in zehn Jahren ausgebreitet und die Strandlingsvegetation überwuchert“, erzählt Schöttelndreier. Es musste ein erheblicher personeller und finanzieller Aufwand betrieben werden, um den Teich wieder herzustellen.
Das Nährstoff-Problem, das die Wasserqualität mindert, wird vom Waldökologen durch den Nitratgehalt im Wasser verdeutlicht: Es findet jedes Jahr eine Nitratzufuhr von 144 Tonnen in die Lethe und 23 Tonnen in die „Alte Lethe“ statt. Ein Austrag des Nitrats findet an der „Lethe unten“ jedoch nur in Höhe von 34 Tonnen jährlich statt. „133 Tonnen verbleiben im Teichsystem“, verdeutlicht der Waldökologe.
2017 wurde ein Jahresmittel von 37 Milligramm Nitrat pro Liter ermittelt. Für Oberflächenwasser gibt es zwar keinen Grenzwert, Grundwasser hingegen hat einen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. „Und es ist das Jahresmittel, wir waren von Januar bis Juni, außer Februar, deutlich über 50 Milligramm“, sagt die Geowissenschaftlerin. Die Ahlhorner Fischteiche verkommen so zu einer „Nitratsenke“, fügt Schöttelndreier hinzu.
Neben dem Wasser-Schwaden verbreiten sich durch die hohen Nährstoffwerte auch Algen massiv. Dies hat zu folge, dass die Strandlinge, die auf der roten Liste stehen, bedroht sind. „Es ist Handlungsbedarf“, sagt Dörrie. „Die Daten haben gezeigt, dass die Nährstoffgenerierung nicht hausgemacht ist. Die untere Naturschutzbehörde muss nun den Verursacher der Verschlechterung suchen und die schädlichen Einflüsse verhindern.“
