AHLHORN - Mehr als 30 Tonnen hochwertige Speisefische werden Jahr für Jahr in den rund 40 Teichen produziert. Abnehmer für die Delikatessen gibt es im gesamten Weser-Ems-Gebiet.
Von Hans Drunkenmölle
AHLHORN - Das ökologische Kleinod ist eingebettet in weite Eichen- und Kiefernforsten auf einem lang gestreckten Geest-Rücken im Landkreis Oldenburg – es ist eines der größten von Menschenhand geschaffenen Biotope in Nordwestdeutschland: Rund 40 Teiche mit 120 Hektar Wasserfläche umfasst die Ahlhorner Teichwirtschaft, die seit nunmehr 100 Jahren besteht. Der einzige Landesbetrieb dieser Art will dieses Jubiläum an diesem Wochenende mit großem Programm feiern (siehe Kasten).Aller Anfang war schwer und mühselig. Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurde in dem landwirtschaftlich unrentablen Ödland der Halener Mark durch Umleitung von Wasser aus benachbarten Rieselwiesen die ersten Seen aufgestaut. Nach ersten Misserfolgen wurden die von Natur aus sauren Sandböden gekalkt und gedüngt, so dass die mit Karpfen und Schleien besetzten Teiche binnen kurzer Zeit zufrieden stellende Ergebnisse brachten.
Heutzutage können die Fischwirtschaftsmeister Friedrich von Heydebrand und Andre Albers eine wahrhaft stolze Bilanz präsentieren: In Ahlhorn werden pro Jahr 17 Tonnen Karpfen, 12 Tonnen Regenbogen- und Bachforellen, zwei Tonnen Schleien und tausende von Hechten, Zandern und anderen Arten produziert – allesamt hochwertige Speisefische, die überwiegend in der Weser-Ems-Region vermarktet werden.
Wer den Wanderwegen auf der Südseite der Seen folgt, bewegt sich zwischen den Teichen und deren Lebensader: Über die Lethe, einen Nebenfluss der Hunte, erfolgt die Wasserversorgung des Teichgebietes. Um einen gleichmäßigen Wasserstand von etwa 0,80 Metern zu garantieren, wurde die Lethe Anfang des vergangenen Jahrhunderts oberhalb der Seen gestaut. So können die Teiche über ein vernetztes Zuleitersystem versorgt werden. Wegen der hohen Versickerungsrate in den wasserdurchlässigen Sandböden der Seen kann frisches und sauerstoffreiches Wasser in langen, trockenen Sommern zu einem begrenzenden Faktor für den Betrieb werden.
Professor Dr. Remmer Akkermann, Vorsitzender der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems (Wardenburg), hat die Teichwirtschaft als „großartige Verbindung zwischen Ökonomie und Ökologie“ bezeichnet. Uferränder und Wälder stellen für viele Tier- und Pflanzenarten wichtige Lebensräume dar. Seit 1993 stehen 437 Hektar als Naturschutzgebiet unter Schutz. Mittlerweile ist der Bereich, der zu den beliebtesten und meistgenutzten Naherholungsgebieten in der Nordwestregion zählt, auch Bestandteil des europäischen Schutzgebiets Natura 2000. Die Teiche sind Refugium für 38 Libellenarten, elf unterschiedliche Amphibien, 235 Arten von Gefäßpflanzen und 202 (von 250) in Deutschland vorkommenden Vogelarten.
Dazu gehört auch der von den Fischwirten ungeliebte Kormoran, der die Ahlhorner Teichwirtschaft unlängst an den Rand einer Krise brachte: Große Scharen der gefräßigen Fischräuber richteten pro Jahr rund 100 000 Euro Schaden an. Per Landesverordnung wurde schließlich eine maßvolle Bejagung der Tiere ermöglicht. Auch das ermöglichte die Fortexistenz der Teichwirtschaft, ohne die vielen im Umfeld existierenden Tieren die Lebensgrundlage entzogen würde.
Jubiläumsfest mit Betriebsführungen
