Ahlhorn - An diesen Termin erinnert sich Dr. Michael Müller natürlich sehr gut. 2015 machte er sich persönlich auf den Weg in den Buckingham-Palast in London. Schließlich ging es um die wohl prominenteste Kundin der Dr. Dietrich Müller GmbH: die englische Königin. Der komplizierte Dichtungsmechanismus ihrer denkmalgeschützten Badewanne hatte den Geist aufgegeben. Die Ahlhorner Spezialisten für flexible Isolationsprodukte nahmen Maß und bauten den Mechanismus nach, damit die Queen weiterhin ungetrübt ihren Badefreuden nachgehen kann.
Das war eine von vielen Anekdoten, die Großenknetens Bürgermeister Thorsten Schmidtke und Kämmerer Horst Looschen bei ihrem Besuch in Firmengebäude im Gewerbegebiet Ahlhorn staunen ließen. Vom Knowhow und Hightech der Firma zeigten sich Schmidtke und Looschen gleichermaßen beeindruckt.
Spezialist
Auf unterhaltsame Art und Weise stellte Müller die Firma vor. Sie zählt sich zu den führenden Verarbeitern von Folien für die Elektro- und Elektronikindustrie, besonders im Bereich der maßgeschneiderten Lösung für besondere Anforderungen. Weltweit agieren die Ahlhorner im Bereich Elektroisolierstoffe, Wärmeleitprodukte, Dichtungen und technische Folien. Großkonzerne, ebenso Mittelstand und kleine Technikschmieden zählen zu den Kunden.
Das Geschäft läuft derart erfolgreich, „dass wir aus allen Nähten platzen“, so Müller. Das war dann auch der Anlass für den Besuch aus dem Rathaus. Es ging darum, die Erweiterungsmöglichkeiten in Ahlhorn zu sondieren. Derzeit hat Müller am Zeppelinring zwei Standorte. Aufgrund unterschiedlicher Produktionsweisen und teilweise stärkeren Staubanfalls, der in anderen Bereichen unerwünscht ist, entspricht die räumliche Trennung den Bedürfnissen der Firma.
Die Digitalisierungsstrategie hat einen sehr großen Stellenwert bei der Dr. Dietrich Müller GmbH, wie Michael Müller erläuterte. Dass die Firma auf dem richtigen Weg ist, zeigte im Februar die Auszeichnung mit dem European Business Award in der Kategorie „The Digital Technology Award“. Der Preis wurde der Dr. Dietrich Müller GmbH und weiteren elf nationalen Gewinnern im Rahmen einer Preisverleihung in der Britischen Botschaft in Berlin übergeben. Das Ahlhorner Unternehmen wird Deutschland bei der Europäischen Endausscheidung am 23. Mai in Warschau vertreten. Die Ahlhorner haben bereits früher mehrfach Preise gewonnen.
Für Privatkunden bietet das Unternehmen einen Onlineshop an, der rege genutzt wird, und zwar weltweit. Auf der Homepage gibt es eine Chatfunktion, um direkt die Ahlhorner kontakten zu können. Seit November wurde sie bereits 2500 Mal genutzt, so Müller: „Daraus ist eine ordentliche Quote von Aufträgen entstanden.“ Bei Google ist die Firma bei der Suche nach entsprechenden Begriffen auf den vorderen Plätzen zu finden.
1967 wurde sie gegründet von Dr. Dietrich Müller, der Onkel des jetzigen Betriebsleiters. Damals war das AEG-Werk in Oldenburg der große Abnehmer. Auf die Masse an Stückzahlen und wenige Abnehmer der Produktion setzt Müller schon länger nicht mehr. „Wir sind die richtige Marke für Problemstellungen, die die Kunden auswählen“, beschreibt er, dass es in Ahlhorn oft um Tüfteln und den Bau besonderer Lösungen gehe, die es nicht von der Stange gebe.
Dabei wird auch mit anderen Firmen und Universitäten zusammengearbeitet, wie Müller betont. „Wir haben richtig gut zu tun, wir sind voll ausgelastet.“ Spezialgebiete sind das, was die Firma interessiert. „Die Kunden wissen die kleinen Stückzahlen zu schätzen“, so der Betriebsleiter. Gearbeitet wird für Hersteller von Elektromotoren, Generatoren und Transformatoren sowie Produzenten von Elektronik, insbesondere im Bereich der Medizintechnik, der Luft- und Raumfahrt sowie der Rüstung.
Rund 1800 Kunden waren es allein im vergangenen Jahr, wobei der komplette Online-Shop nur als ein Kunde gezählt wird. Regelmäßige Messebesuche rund um den Globus, aber auch die Teilnahme als Aussteller gehören für Michael Müller zum Pflichtprogramm, um die Firma am Markt in der Spitze mitspielen zu lassen.
70 Mitarbeiter
Für die beiden Gäste aus dem Rathaus hatte er beim Rundgang durch die Hallen eine Überraschung parat. Das Großenkneter Gemeindewappen war im Rechner so weit vorbereitet worden, dass Schmidtke per Anleitung den Prozess auf dem spezialisierten Folienlaserdrucker anschieben konnte. Minuten später hatte er schon den Schlüsselanhänger aus Plexiglas in den Händen.
Damit erlebte Schmidtke eine von vielen Fertigungstechniken, die in Ahlhorn angewandt werden. Vom Stanzen bis zum 3D-Druckverfahren, Wärmebehandeln und Schäumen, Wasserstrahlschneiden und Klammern, Kaschieren, Kleben bis zum Bedrucken und Spritzgießen: Diese Vielfalt zeichnet die Arbeitsmethoden in diesem Betrieb aus, ebenso die unterschiedlichsten Lösungen für alle möglichen Anwendungsbereiche.
Dabei setzt die Ahlhorner Firma, die auch einen Standort im süddeutschen Rastatt sowie eine Vertriebsorganisation in England hat, auf ihre qualifizierten Mitarbeiter, derzeit rund 45 in Ahlhorn und 70 in der Gesamtgruppe. „Unser wertvollstes Investment“, heißt es dazu in der Müller-Firmenbroschüre über die Mitarbeiter.
