Berlin - Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin will in die schwarzen Zahlen zurückkehren – mit einem neuen Sparprogramm und möglicherweise einer grundsätzlichen Neuausrichtung. „Hier wird es keine Tabus geben, alles kommt auf den Prüfstand“, kündigte Vorstandschef Wolfgang Prock-Schauer am Montag in Berlin an.
Ein Konzept will die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft noch mit Unternehmensberatern ausarbeiten. Prock-Schauer erklärte zwar den jahrelangen Schrumpfkurs mit Streckenstreichungen für beendet, schloss aber einen weiteren Stellenabbau nicht aus.
Das Unternehmen war 2013 noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht als Analysten erwartet hatten. Unterm Strich stand ein Verlust von 315,5 Millionen Euro. 2012 hatte der Verkauf des Vielfliegerprogramms an den Großaktionär Etihad noch zu einem Plus von knapp 7 Millionen Euro geführt. Der Umsatz schmolz nun von 4,31 Milliarden Euro auf 4,15 Milliarden Euro. Für 2014 will Air Berlin erst eine Ergebnisprognose wagen, wenn der Umbau Gestalt annimmt.
Wie Air Berlin weiter mitteilte, greift Etihad den Berlinern mit weiteren 300 Millionen Euro in Form einer Wandelanleihe unter die Arme. Die arabische Staats-Airline kann sie später in Aktien der deutschen Fluggesellschaft umtauschen, wenn diese das Geld nicht zurückzahlen kann. Weitere 150 Millionen Euro will Air Berlin selbst über eine Anleihe flüssigmachen.
Etihad-Chef James Hogan stärkte dem Partner den Rücken: „Wir sind überzeugt, dass sich das Geschäft in die richtige Richtung entwickelt.“ Notwendig sei aber eine beschleunigte und tiefgreifende Restrukturierung. Etihad werde seinen Anteil bei 29,21 Prozent halten.
„2013 war enttäuschend“, sagte Prock-Schauer zur Bilanz. Dafür machte Air Berlin auch ungünstiges Wetter verantwortlich, außerdem die Luftverkehrssteuer. Der Lufthansa-Konkurrent sitzt auf einem Schuldenberg von 796 Millionen Euro, drei Prozent mehr als im Vorjahr.
Das bisherige Sparprogramm „Turbine“ wirke, reiche aber nicht aus, sagte Prock-Schauer. Air Berlin hatte unrentable Strecken gestrichen, Flugzeuge verkauft und jeden zehnten Arbeitsplatz – 600 Vollzeitstellen – abgebaut.
